Vor einem Klostergebäude spaziert eine Person.
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Und noch ein Kloster weniger an der Costa Blanca: Pegos Convent schließt.

Franziskaner verlassen Pego

Kirche in der Krise: Noch ein Kloster an der Costa Blanca muss schließen

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Nach knapp 400 Jahren verlassen die Franziskaner Pego und müssen ihr Kloster schließen. Es ist das zweite an der Costa Blanca innerhalb von wenigen Jahren und eins von vielen Zeichen dafür, wie sehr die katholische Kirche in Spanien in der Krise steckt.

Pego - In einem sind sich wohl alle Pegolinos, ob gläubig oder nicht, ob Kirchen-Gänger oder nicht, einig. Das „Convent“, also das Franziskaner-Kloster der Sagrada Familia, ist Teil der Pegoliner Geschichte. Ein Teil, der jetzt ein Ende hat. Der Orden kündigte an, sein Kloster in Pego an der Costa Blanca wegen fehlenden Nachwuchses zu schließen. Nach fast 400 Jahren verlassen die letzten drei Franziskaner voraussichtlich im Juni Pego. Ihre neuen Standorte werden die Kloster in Cocentaina – dem einzig verbleibenden Franziskanerkloster in der Provinz Alicante –, Murcia und Villareal sein. Eine Nachricht, die unter der Bevölkerung für Bestürzung sorgte.

Franziskanischer OrdenReligiöser Orden
GründerFranz von Assisi
Gründung24. Februar 1209

Kloster an der Costa Blanca: Franziskaner müssen gehen

Seit dem 17. Jahrhundert sind die Franziskaner in Pego vertreten. Das heutige Kloster in der Costa-Blanca-Gemeinde wurde Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet. Gebaut und finanziert wurde es auf Initiative und mit Unterstützung der Pegoliner Bevölkerung, nachdem die Franziskaner im Rahmen der Desamortisation im Jahr 1836 ihre vorherige Unterkunft an der Plaza del Mercado hatten verlassen müssen. Neben seiner eigentlichen Klosterfunktion und der anliegenden Kirche diente Pegos Convent im Spanischen Bürgerkrieg unter anderem als Krankenhaus und Flüchtlingszentrum.

Jetzt fügt es sich ein in die Reihe der Klöster, von denen nur noch in der Vergangenheitsform gesprochen wird - und die zum Symbol für die Krise der katholischen Kirche in Spanien stehen. Erst 2017 war mit dem Franziskanerkloster in Benissa ein weiteres Kirchenhaus an der Costa Blanca geschlossen worden, das in Pego blieb das einzige Franziskanerkloster in der Marina Alta. In den Jahren zuvor hatte sich der Orden bereits aus Cullera und Carcaixent verabschiedet, weitere Schließungen sollen folgen.

Kloster an der Costa Blanca: Kirche und Schule

Rubén, Ángel und Ismael sind die drei Mönche, die sich im Juni aus Pego verabschieden müssen. Rubén ist mit seinen 45 Jahren eine junge Ausnahme in der Welt der Franziskaner, Ismael, 82, gehört schon eher der üblichen Altersklasse an. „Wenn man heute ein Kind fragt, was es mal werden will, lautet die Antwort vielleicht Messi. Aber sicherlich nicht: Mönch“, sagte Ángel Talens, heute 68, der CN in einem Gespräch vor einigen Jahren, als er noch hoffte, die dem Kloster angeschlossene Schule könne dem schon damals unterbesetzten Convent das Leben retten. Sie konnte es nicht, auch wenn sie, wie es seitens der Klostergemeinde heißt, weiter bestehen bleiben soll.

Ángel Talens ist in dieser eine feste Institution. Viele Schüler werden ihn und seine Gitarre, mit der er bei Kirchen- und Schulfesten für Stimmung sorgt, vermissen. Wobei ein Umzug an sich ihn nicht aus der Bahn werfen dürfte. Nach seinem Gelübde in den 70er Jahren widmete sich „Padre Ángel“ zunächst der Jugendarbeit in Benissa, es folgten zwölf Jahre in Pego, zehn in Zaragoza und vor zirka acht Jahren ging es zurück an die Costa Blanca, nach Pego.

Auch der Franziskaner Padre Ángel muss sich vom Kloster in Pego verabschieden.

Kein ungewöhnliches Hin und Her für einen Franziskanermönch. So sieht die Ordensleitung, anders als bei anderen Kongregationen der katholischen Kirche, sogar vor, dass die Mönche immer mal wieder ihr Kloster wechseln, je nachdem, wo sie gerade gebraucht werden. Führen doch die Franziskaner im Unterschied zum rein aufs Beten ausgerichteten Leben der Klausur-Nonnen und -Mönche ein aktives Ordensleben mit Aufgaben in den Bereichen Bildung, Gesundheit oder Gemeindearbeit. Sogar ein Fußballteam wurde in Pego schon von einem Franziskaner trainiert.

Ende eines Klosters: Entschluss für Costa Blanca steht

Wie der Schul-, so soll auch der Kirchen-Betrieb der Sagrada-Familia-Gemeinde aufrechterhalten werden – mit Unterstützung der Geistlichen aus Pegos zweiter Pfarrgemeinde, der Asunción de Nuestra Señora. Was aus dem Klostergebäude selbst werden soll - bei seinem Nachbar von der Costa Blanca, Benissa, war zum Beispiel seinerzeit ein Hotel im Gespräch - ist noch nicht bekannt.

Ein Zurück gebe es nicht, bedauert Pegos Bürgermeister Enrique Moll gegenüber dem Online-Portal „La Marina Plaza“. Sein Vorschlag, Proteste zu organisieren oder Unterschriften zu sammeln, damit die Situation seitens der Kirche noch einmal überdacht werde, sei auf keinen fruchtbaren Boden gestoßen. „Der Entschluss steht fest“, weiß er. Trotzdem: „Wir sind überzeugt, dass der Geist der Franziskaner im Ort lebendig bleibt“, heißt es bei der Sagrada-Familia-Gemeinde.

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