Eine Frau zündet mehrere Kerzen an, die auf einem weißen Tisch stehen.
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Consuelo Ferrando betreibt an der Costa Blanca ein Krematorium für Haustiere inklusive Trauersaal.

Tiere in Spanien

Für einen liebevollen Abschied: Spanierin betreibt Krematorium für Haustiere an der Costa Blanca

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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An der Costa Blanca betreibt eine Spanierin ein Krematorium für Haustiere. Die Idee kam ihr nach einer eigenen schmerzhaften Erfahrung. Ihr Ziel: Den Besitzern von Hunden, Katzen und anderen Tieren einen würdigen und liebevollen Abschied zu ermöglichen.

Polop de la Marina – Im März 2019 starb Duna. Consuelo Ferrando hatte die Hündin 15 Jahre zuvor an der Costa Blanca gerettet und wollte ihrer Wegbegleiterin einen würdigen Abschied bieten. Nur wie? Tier-Bestattungen auf privatem Grund sind in Spanien verboten, bleibt nur der Tierarzt. Zwischen dem Zeitpunkt, als Dunas Kadaver in der Praxis blieb, und dem Moment, in dem Ferrando die Asche abholen konnte, vergingen mehrere Tage. „Ich habe mich währenddessen immer gefragt, wo Duna gerade ist, was sie mit ihr machen, in wessen Händen sie ist“, sagt Ferrando. In dieser Zeit wuchs in ihr der Gedanke, dass der Abschied von Haustieren auch anders gehen muss. Ein Jahr später eröffnete sie im Industriegebiet von Polop ein Krematorium für Haustiere.

Krematorium für Haustiere an der Costa Blanca: Abschied von treuen Wegbegleitern nehmen

„Es geht mir vor allem darum, dass in dieser schwierigen Situation nach dem Tod eines Haustiers sowohl die Tiere als auch deren Besitzer mit Respekt behandelt werden“, sagt Ferrando. Dazu gehört in dem Krematorium an der Costa Blanca ein Trauersaal, in dem die Familie Abschied nehmen kann – wenn sie das möchte. „Trauer äußert sich bei jedem anders. Manche ertragen den Anblick des toten Tieres nicht, andere wollen so lange wie möglich bei ihm sein“, sagt Ferrando. Keine ganzen Tage, jedoch mindestens vier Stunden vergehen dann aber doch noch, bis die Einäscherung des Haustiers abgeschlossen ist. „Viele denken, dass die Verbrennung ein Prozess von ein paar Minuten ist. Aber allein bis der Ofen die erforderliche Temperatur von bis zu 1.200 Grad erreicht hat, vergeht je nach Raumtemperatur eine Dreiviertelstunde“, sagt Ferrando.

Die eigentliche Verbrennungszeit hängt dann vom Tier ab – bei einem Papagei ist sie entsprechend kürzer als bei einem Mastiff. Bis der Ofen so weit abgekühlt ist, dass Ferrando die Asche herausnehmen kann, vergeht allerdings auch noch einmal eine ganze Weile. Im Übrigen legt die Spanierin wert darauf, mit ihrem Krematorium nicht die Umwelt der Costa Blanca zu belasten: „Die Einäscherung ist vollkommen ökologisch. Deshalb dürfen keine Decken, Kuscheltiere oder Ähnliches beigelegt werden – nur Blumen sind erlaubt“, sagt Ferrando. Bis zu 90 Kilogramm schafft der Ofen, Ferrandos größtes Tier im Krematorium war bislang ein vietnamesisches Hängebauchschwein.

Krematorium für Haustiere an der Costa Blanca just vor Lockdown eröffnet

Der Preis für die Einäscherung hängt vom Gewicht des Tieres ab, eine Katze liegt etwa bei 100 Euro. Darin inbegriffen ist die Urne aus Keramik oder Holz. „Mein Ziel ist es nicht, mich mit diesem Unternehmen zu bereichern, sondern jedem, der das möchte, zu ermöglichen, sein verstorbenes Haustier mit nach Hause nehmen zu können“, sagt Ferrando. Doch auch sie merkt den Preisanstieg in Spanien bei allem – die Urnen sind wegen der hohen Stromkosten teurer, die Verbrennung aus demselben Grund, der Sprit für den Lieferwagen, mit dem Ferrando Hunde und Katzen aus den Tierarztpraxen oder zu Hause bei den Kunden abholt. Dazu kommt die Miete für die Halle. „Ich habe an einem Donnerstag im März 2020 eröffnet, am Montag kam der Corona-Lockdown“, sagt Ferrando. Erst jetzt kann sie mit ihrem Krematorium für Haustiere an der Costa Blanca richtig durchstarten – nach einer immensen Investition vor fast zwei Jahren.

Bereut hat die Spanierin den Schritt dennoch nicht, für sie ist das Krematorium eine Herzensangelegenheit. Sie selbst engagiert sich seit Jahren im Tierschutz und nimmt als Pflegestelle Hunde und Katzen auf. „Die kranken oder älteren Tiere, die bei mir landen, bleiben meist jahrelang – oder für immer. Sie gehören zur Familie, bis zu ihrem Tod“, meint Ferrando. Dass Haustiere fühlende Wesen und vollwertige Mitglieder der Familie sind, ist in Spanien jetzt ja auch per Gesetz verankert. Die meisten der Krematorium-Kunden nehmen die Asche dann auch mit nach Hause. Aber auch die Einäscherung mehrerer Tiere gleichzeitig ist möglich, wenn jemand die Urne nicht mitnehmen möchte – für diejenigen, für die die Erinnerung zu schmerzhaft ist.

Krematorium In Memoriam Animalium

Kontakt: (+34) 626 739 938

Infos: https://animalium.es/

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