Der Anker der D.A. Gordon: Deutsches U-Boot versenkte britischen Dampfer 1917 an heutiger Costa Blanca

Vor der Küste der Costa Blanca liegen zahlreiche Wracks. Der Anker eines 1917 von einem deutschen U-Boot versenkten englischen Dampfers ist jetzt in Villajoyosa zu sehen.
Villajoyosa – Auf dem Weg von Marseille nach Melilla, mit Kohle und Getreide an Bord, wurde die D.A. Gordon am 11. Dezember 1917 von einem deutschen U-Boot vor der Küste von Villajoyosa an der heutigen Costa Blanca angegriffen und versenkt. Der britische Dampfer war eines von vier großen Handelsschiffen, die in zwei Tagen von der U-64 torpediert wurden. Auch die Owasco aus den USA, die Crathone aus Norwegen und die britische Minorca versenkte das U-Boot der Kaiserlichen Marine am 10. und 11. Dezember 1917.
Bis zum Beginn des U-Boot-Kriegs galt die spanische Mittelmeerküste im Ersten Weltkrieg als sichere Route für Güterschiffe. Bis Deutschland begann, die Dampfer anzugreifen, um die Versorgung der feindlichen Staaten mit wichtigen Gütern zu verhindern. Allein die U-64 versenkte bis zu ihrer eigenen Zerstörung 1918 insgesamt 45 Schiffe der Entente, also Frankreich, Großbritannien, Russland und ihren Alliierten.
Costa Blanca: Vor Küste liegen zahlreiche Wracks aus den Weltkriegen
Ein Überbleibsel vom Wrack der D.A. Gordon liegt seit dieser Woche im Vilamuseu. Der Anker des britischen Dampfers wurde kürzlich in Castellón restauriert und ins Stadtmuseum von Villajoyosa gebracht. Das 1,6 Tonnen schwere Trumm war im Jahr 2009 von der Umweltschutzeinheit der Guardia Civil vor der Küste Villajoyosas geborgen worden. Nach der Restaurierung entschied das valencianische Denkmalschutzamt, dass der Anker in dem Museum an der Costa Blanca aufbewahrt werden soll, gemäß dem Kriterium der Nähe zum Fundort und durch die idealen Bedingungen im Vilamuseu.

Dessen Direktor Antonio Espinosa will den Anker jetzt im Lager für Unterwasserarchäologie platzieren, das für Museumsbesucher im Rahmen einer Führung zugänglich ist. Dort ankert das Teil jetzt zwischen dutzenden Amphoren, die aus dem römischen Wrack Bou Ferrer stammen, das ebenfalls vor der Küste der Costa Blanca liegt.
Museum an Costa Blanca forscht über Wracks vor der Küste
„Das Vilamuseu sammelt seit einigen Jahren Informationen über die Schiffe, die von diesem U-Boot vor unserer Küste versenkt wurden“, berichtet Espinosa. „Da die Wracks inzwischen über 100 Jahre alt sind, zählen sie gemäß dem Übereinkommen der Unesco zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes nun als historisches Kulturgut.“ Entscheidend bei diesem Prozess sei die Zusammenarbeit mit dem Tauchzentrum Ali Sub, das dem Vilamuseu und der Landesregierung der Region Valencia zahlreiche Daten und Aufnahmen von den Wracks sowie umfangreiche Information zu den Schiffen und der U-64 zur Verfügung gestellt habe. Das Zentrum bietet bereits seit einigen Jahren Tauchgänge zu sechs Wracks an, die im Ersten Weltkrieg vor der heutigen Costa Blanca versenkt wurden. Der Fundort dieser Schiffe ist weniger geheim wie jener der spanischen Galeone San José, die seit 1708 mit einem Milliarden-Schatz vor der Küste Kolumbiens auf Grund liegt.
Terencio Pérez, Besitzer des Tauch-Clubs Ali-Sub und Leiter der geführten Tauchgänge, hat anhand der Memoiren des deutschen U-Boot-Kapitäns Robert Moraht, spanischen Zeitungsausschnitten und weiteren Nachforschungen inzwischen alle Daten über die sechs Wracks zusammengetragen. Der amerikanische Dampfer „Owasco“ ist mit einem Gesamtgewicht von 4.630 Tonnen und 122 Metern Kiellänge das größte Wrack. Er war für den Transport von Passagieren und Gütern gedacht und wurde am 10. Dezember 1917 mit einer Fracht von 50.000 Fässern Benzin vom deutschen U-Boot torpediert. Der Dampfer sank nur 25 Minuten später.
Wracks an der Costa Blanca: Küste ist Friedhof vieler Schiffe
Am selben Tag versenkte U-64 den norwegischen Frachtdampfer „Crathorne“ – 2.752 Tonnen und 93 Meter Länge – der 1888 zu Wasser gelassen worden war. Er war auf der Route Baltimore–Genua unterwegs. Nur einen Tag später ereilte die englische „D.A. Gordon“ das gleiche Schicksal. Mitsamt seiner Waffenladung wurde am selben Tag die „Minorca“ versenkt, ein italienischer Frachtdampfer von 1.161 Tonnen und 68 Metern, der die Route Genua–Cartagena zurücklegte.
Am 4. Februar 1918 passierte das italienische Frachtschiff auf seiner Route von Sizilien nach Liverpool die Küste vor Villajoyosa, wo ihn die Torpedos der U-64 trafen. Das 2.440 Tonnen schwere und 92 Meter lange Schiff ging mit seiner Ladung aus Orangen und Zitronen unter. Das sechste Wrack sind die Überreste des Passagier- und Frachtdampfers „Caprera“ mit 1.875 Tonnen Gewicht und 93 Metern Länge, der ebenfalls unter italienischer Flagge fuhr. Er wurde am 5. Februar 1918 versenkt.

