Eine junge Frau mit einem Luftballon in der Hand
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Kann man Glück erlernen? Dieser Frage gehen Forscher seit langer Zeit nach.

Auswanderung nach Spanien

Leben an Costa Blanca: Reichen Sonne und Strand zum Glücklichsein?

  • Andrea Beckmann
    vonAndrea Beckmann
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Für die einen ist Glück ein Spaziergang in der Natur in Spanien, für andere die Nähe zu einem geliebten Menschen. Glück kann sich in vielerlei Formen zeigen, doch was bedeutet es überhaupt, glücklich zu sein?

Fast ein Leben lang sehnt sich Hannelore B. danach, in Spanien durchzustarten. Nun sitzt sie auf der Terrasse ihrer schicken Penthousewohnung mit Blick auf das Meer und zieht Bilanz: Auch mehr als 300 Sonnentage im Jahr machen aus ihr nach den fünf Jahren, die sie nun an der Costa Blanca lebt, keinen glücklicheren Menschen. Finanzielle Sorgen kennt die Deutsche nicht und sie ist gesund. Doch sie muss sich eingestehen: Auch die Auswanderung in ihr Traumland Spanien hat ihr nicht das erhoffte Glück gebracht.

Doch was heißt es eigentlich, glücklich zu sein? Ist Glück ein flüchtiges Gefühl, das uns im Überschwang überkommt? Die Partnerschaft mit einem geliebten Menschen? Eine geglückte Auswanderung? Erfüllter Sex oder die Geburt eines Kindes? Oder sind es etwa materielle Dinge, mit denen wir uns umgeben? Menschen, die wir zu unseren Freunden zählen?

Land ValenciaSpanische autonome Gemeinschaft
Fläche23.355 km2
Bevölkerung 4,97 Mio. Einwohner (2019 Eurostat)
Autonomie seit10. Juli 1982

Glücksforschung: Die Frage nach dem Glücklichsein ist eine der ältesten, die die Menscheit beschäftigt - auch an der Costa Blanca

Glücksforscher aus aller Welt beschäftigen sich schon lange damit herauszufinden, wo wir unser Glück finden und wie wir damit umgehen. Statistiken zeigen auf, in welchem Alter man wohl am glücklichsten ist und in welcher Verbindung Körper und Psyche stehen. Unzählige Bücher sind zu dem Thema erschienen, Glücksseminare haben Hochkonjunktur – und die Frage nach dem Glücklichsein ist wohl eine der ältesten, die die Menschheit seit Generationen beschäftigt.

Laut einer Erhebung von Forbes aus dem Jahr 2020, die die 20 Länder erfasst, in denen die glücklichsten Menschen leben, geht Finnland als Sieger hervor. Auf Platz zwei liegt demnach Dänemark, gefolgt von der Schweiz, Island, Norwegen, den Niederlanden, Schweden, Neuseeland, Österreich und Luxemburg (in dieser Reihenfolge). Deutschland rangiert auf dem 17. Platz, während es Spanien nicht unter die ersten 20 geschafft hat. Dabei dürfte die jahrelange Wirtschaftskrise hierzulande keine unbedeutende Rolle gespielt haben. Die Forscher, die die Länder auf Faktoren wie Einkommen, Lebenserwartung, soziales Netz und gefühlte Freiheit verglichen, wollen Regierungen mit dem Glücks-Index zu einer effizienteren Politik bewegen.

Der Weg zum menschlichen Glück gibt weiterhin viele Rätsel auf. So gibt es Menschen, die scheinbar alles im Überfluss haben und dennoch unglücklich sind. Andere wiederum versichern, trotz schwerer Schicksalsschläge ein glückliches Leben zu führen. Was also macht Menschen froh?

„Das Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du immer willst, was du tust“, sagte einst der russische Schriftsteller Leo Tolstoi. Der Psychiater Luis Rojas definiert es so: „Früher habe ich meinen Patienten Ratschläge mit auf den Weg gegeben und ihnen aufgezeigt, wo sie ihre Schwerpunkte setzen sollten. Doch dann habe ich erkannt, dass es keine allgemein gültigen Rezepte geben kann, weil jeder Mensch individuell ist. Heute frage ich Patienten, welche Dinge ihnen gute Gefühle vermitteln und was sie dafür tun möchten, um diese positiven Gefühle zu stärken.“

Glücksmomente an der Costa Blanca: Psychologen raten, sich Träume zu erfüllen und nicht zu lange vor sich her zu schieben

Man sollte den Mut aufbringen, sich lang gehegte Träume zu erfüllen, rät Rojas. „Was wollte man schon immer unbedingt tun? Bungee Jumping praktizieren? Einen Marathon laufen oder etwa den Kilimandscharo erklimmen? Sich beruflich verändern?“ Jetzt sei der Moment, es zu tun, anstatt sehnlich gehegte Wünsche so lange vor sich her zu schieben, bis man sie aus den Augen verloren hat, meint der Mediziner. Es brauche keine lebensbedrohliche Krankheit als Anstoß, um Sehnsüchte auszuleben, die tief in einem schlummern.

Für viele Menschen bedeutet Glück, im Einklang mit der Natur zu sein.

Carlos Mengual hat sich seinen Traum von einem einfachen Leben in Einklang mit der Natur erfüllt. Der 53-jährige Madrilene lebt inzwischen in einer kleinen Finca bei Xátiva. Zum ersten Mal so richtig glücklich, wie er sagt. „Hätte man mir vor zehn Jahren prophezeit, dass ich einmal aufs Land ziehen werde, ich hätte es selbst nicht geglaubt“, sagt der Spanier. Doch beruflicher Stress führte dazu, dass der erfolgreiche Unternehmensberater mit 48 Jahren einen Herzinfarkt erlitt.

Glück an der Costa Blanca: Ihm kann man ein wenig auf die Sprünge helfen, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt

„In der Reha hatte ich viel Zeit, über mein Leben nachzudenken“ fährt Mengual fort. „Als mir klar wurde, dass ich frei über meinen weiteren Weg entscheiden kann, weil ich an keine Familie gebunden war, fühlte ich eine große Erleichterung. Mir war klar: Ein Leben in Madrid will ich mir nicht mehr antun.“ Reichtümer bedeuteten ihm nichts. „Mir reicht ein überschaubares Einkommen, das mir einen normalen Lebensstandard ermöglicht.“ Als Berater ist Mengual zwar nach wie vor tätig, doch mit einem großen Unterschied: „Ich nehme nur noch wenige Aufträge an und habe nicht mehr den Ehrgeiz, zu den Großen der Branche zu gehören.“

„Das Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt“, definierte der französische Schriftsteller Maurice Barrés (1862 - 1923) einst den Begriff „Glück“. Das Streben danach ist bereits in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung aus 1776 verankert. Die Vereinten Nationen haben den 20. März zum Tag des Glücks erklärt.

In Bhutan wurde das Glück offiziell als Bruttonationalglück definiert und gilt als eines der wichtigsten Staatsziele. Den Ausdruck prägte 1979 der damalige König Jigme Singye Wangchuck in einem Interview mit einem indischen Journalisten, als sich dieser nach dem Bruttoinlandsprodukt von Bhutan erkundigte. Der König wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er sich einer Wirtschaftsentwicklung verpflichtet fühlte, die Bhutans einzigartiger Kultur und ihren buddhistischen Werten gerecht wird. Dazu rief er eigens die staatliche Kommission für das Bruttonationalglück ins Leben.

Japanerin Yuko Fujimoto: „Jeder, der bewusst den Moment lebt, kann Glück erfahren.“

Bewusst den Moment leben: Der Schlüssel zum Glück und für ein erfülltes Leben

Wenige Fragen haben die Menschheit so beschäftigt wie die Frage nach dem Glück. Letztlich geht es darum, ein erfülltes Leben zu leben. Glücksforscher wissen: Glücklich zu sein ist etwas ganz Individuelles. Nicht jeder Mensch braucht die gleichen Dinge, um zufrieden mit sich und der Welt zu sein.

Marian Albalat (47) hatte das, wovon viele Menschen träumen. Für die Sendung „Valencians pel món“ (Valencianos in der Welt) reiste die in Dénia ansässige Spanierin von 2009 bis 2011 um den ganzen Erdball, um für den damaligen Regionalsender Canal 9 Auswanderer aus der Region Valencia vorzustellen. Die zierliche Spanierin gab alles. Trotz Höhenangst ließ sie sich auf das Abenteuer eines Gleitschirmfluges über atemberaubende Schluchten in Panama ein, kroch in Thailand in den Käfig eines ausgewachsenen Tigers oder schwamm vor der Küste Perus mit Seehunden im offenen Meer. Südamerika, Afrika, Asien. Albalat, die Reisen zu ihren großen Leidenschaften zählt, lebte ein spannendes Leben auf der Überholspur. Und war trotzdem nicht glücklich, wie sie glaubhaft versichert. „Richtig glücklich bin ich, seit mein Sohn Miquel auf der Welt ist“, sagt Albalat. „Mutter zu sein ist für mich ein Gefühl, das ich gar nicht in Worte fassen kann.“

Sie habe schon als junges Mädchen gewusst, dass sie einmal Kinder haben wollte. „Nachdem Canal 9 geschlossen wurde, bekam ich ein sensationelles Angebot von einem anderen Fernsehsender“, erzählt sie. Zu der Zeit war sie aber schon schwanger und entschied sich des Kindes zuliebe gegen diesen Job. „Bereut habe ich es bis heute nicht“, versichert die Journalistin. „Für mich ist es das Größte zu sehen, wie sich mein Sohn entwickelt, und ich möchte ihm das Kostbarste geben, das ihm eine Mutter geben kann. Nämlich Zeit. Das macht mich glücklich.“

Seit Jahrzehnten forschen Mitarbeiter der Harvard University nach dem Schlüssel zum Glück. Der Studienleiter George Vaillant hat seitdem mehr als 268 Personen durch ihr Leben begleitet. Der Harvard-Professor gewann dabei eine banale Erkenntnis. Nämlich, dass einer der Hauptgaranten für Zufriedenheit die Liebe ist. Tief gehende Bindungen zu Freunden und Familienmitgliedern mache Menschen glücklich, vor allem aber die Liebe zum Partner. Regelmäßiger Sport wirke sich ebenfalls positiv auf die menschliche Psyche aus. Durch körperliche Bewegung ließen sich Probleme besser verarbeiten und Krankheiten erfolgreicher bekämpfen.

Fehlgeburten und eine Nesselsuchterkrankung waren es, die Yuko Fujimoto zur chinesischen Heilkunst brachten. Die aus Osaka stammende Japanerin ist inzwischen als Therapeutin für Traditionelle Chinesische Medizin tätig. Sie sei zufrieden mit sich, sagt sie auf die Frage, ob sie glücklich sei. Das Glück habe verschiedene Wertschätzungen. Für sie bedeute es vor allem Harmonie. „In meiner Sprache heißt Harmonie Shiawase“, erläutert die Therapeutin. ‚Shi‘ bedeute ‚tun‘ oder ‚etwas machen‘ und ‚awase‘ stehe für ‚anpassen‘. Für sie ergebe sich daraus: „Wenn man in Harmonie lebt, ist man stimmig mit sich und seinem Umfeld.“ Dies mache für sie das Glück aus. Sie sei überzeugt: „Jeder, der bewusst den Moment lebt, kann das Glück erfahren.“

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