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Lebendige Krippe von Elche: Dramatisches Weihnachten unter Palmen

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Von: Stefan Wieczorek

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Ein Mann mit orientalischer Kleidung hält ein Baby vor einem Angreifer mit Schwert.
Elches lebendige Krippe bietet Szenen der biblischen Weihnachtsgeschichte, hier die Tötung der unschuldigen Kinder. © Stefan Wieczorek

Ein Touristenmagnet ist an den Feiertagen das Bethlehem-Dorf in Elche. Am Eingang des Palmenparks locken Leckereien und Bibelszenen. Auftritte am 29. Dezember, 5. und 6. Januar.

„Hier könnt ihr übernachten“, führt ein Mann mit Kopftuch das Paar in eine Scheune. Sie haben einen Esel dabei – und ein kleines Kind. „Lasst uns durch“, ertönt es, und die zuschauende Menge macht Platz für zwei Helfer, die ein mit Stroh ausgelegtes Bettchen herbeitragen. Die Frau setzt sich, wiegt das Kind im Arm. Der Mann stellt sich dazu und hält, an seinen Wanderstab gelehnt, Wache. Fertig ist die Weihnachtskarte aus Fleisch und Blut, mit dem weltbekannten Motiv von Josef, Maria und dem Jesuskind. Wir sind am Belén Viviente, der lebendigen Weihnachtskrippe von Elche, einer Attraktion im Winter unter den Palmen der Costa Blanca.

Costa Blanca: Lebendige Krippe unter Palmen - Attraktion im Winter

Wenn schon, denn schon. Bei seiner lebendigen Krippe (Belén Viviente) gibt sich Elche nicht mit dem Trio aus Mama Maria, Papa Josef und Kind Jesus zufrieden. Ein kleines orientalisches Bethlehem-Dorf ist in den Feiertagen um Silvester am Eingang des Parque Municipal erwachsen. Gestaltet wird die biblische Zeitreise voller Sinneseindrücke schon zum 42. Mal von der Künstlergruppe Pobladores de Elche. Seit 1980 führt der Künstlerverein Pobladores de Elche die lebendige Attraktion in Spaniens Palmenstadt auf. Ein Belén Viviente, das „so lebendig wie noch nie“ sei, wirbt Elche in den Winter-Feiertagen um Weihnachten 2022-2023 an.

30 Darsteller sind daran beteiligt, dem Stall, dem Palast des Herodes und dem jüdischen Dorf drumherum Leben zu verleihen. Bäckereien, Wein- und Dekoläden, soger kleine Wohnhäuser dürfen in der lebendigen Weihnachtskrippe im Süden der Costa Blanca nicht fehlen. Eingekauft können neben ess- und trinkbaren Leckereien von Kastanien über Brot und Süßgebäck bis zu Likörwein auch originelle Dekoartikel. Für Kinder steht eine Zone zum Spielen bereit. Eröffnet wurde das Belén Viviente am Sonntag durch die Hauptfiguren: Die Heilige Familie, in der auch der kleine Darsteller ein waschechter Neugeborener aus Elche ist.

Betonung liegt auf Geschichte: Alles selbstgemacht

„Wir möchten auf spielerische und didaktische Weise die Weihnachtsgeschichte erzählen“, erklärte uns bei einer der vergangenen Ausgaben der Vereinsvorsitzende José Romero. „Die Betonung liegt auf Geschichte. Mit unserer Darbietung soll die Zeit der Geburt Jesu möglichst detailgetreu nachgestellt werden.“ In der Tat fühlt man sich in der lebendigen Krippe am orientalisch anmutenden Palmenpark von Elche in biblische Zeiten versetzt. Bunte Kostüme, Hütten, antike Werkzeuge und Tiergehege mit Ochs und Esel sowie Hühnern und Schafen lassen erahnen, wie das Leben im Bethlehem vor 2.000 Jahren gewesen sein könnte.

Hier ein Haushaltswarenhändler, dort ein Handwerker. Kinder dekorieren Holzschwerter, ein Armer bettelt am Ortseingang. Römische Soldaten fassen einen Dieb auf frischer Tat. Und ein Adliger schaut von seinem Palast stolz auf das Geschehen herab: Herodes. „Wir machen alles selbst“, sagte Antoni Martínez, der auf dem antiken Markt in Spaniens Palmenstadt Dessertweine ausschenkte. „Wer hier nicht eine Wand angemalt hat, hat etwas aufgehängt oder geschnitzt.“ Sein Kostüm, ein zweiteiliger Umhang, hätten Frau und Schwiegermutter noch am Vortag der Darstellung genäht.

Abendliches Fackellicht: Theater und Öffnungszeiten

Auch dank Sachspenden des Kulturarchivs Museo Pusol hat die Attraktion in den vergangenen Jahren immer wieder an Requisiten zugelegt. Doch damit geben sich die Pobladores nicht zufrieden und planen sogar einen zweistöckigen Herodes-Palast, oder würden ihn in Zukunft sogar im prächtigen Altamira-Palast nebenan unterbringen. Bis zu 80.000 Besucher kamen bereits in den Jahren vor Corona zur lebendigen Krippe von Elche. Die Schauspielergruppe empfiehlt einen Besuch am Abend. Dann tauche das biblische Dorf im Süden der Costa Blanca in ein stimmungsvolles Fackellicht.

An Ständen stehen orientalisch gekleidete Menschen vor Palmen.
Bethlehem unter Palmen: Die lebendige Krippe bietet ein regelrechtes Dorf mit Leckereien auf. © Rathaus Elche

„Auch wenn Kinder unser Zielpublikum sind, dürfen sich ruhig auch Erwachsene von dem Gesehenen inspirieren lassen“, laden die Pobladores de Elche ein. Zu den Highlights der Winter-Attraktion gehören die festlichen bis dramatischen Bibelszenen. 2022 wird am Donnerstag, 29. Dezember, jeweils um 12.30 und 18.30 Uhr die Tötung der unschuldigen Kinder (Matanza de los inocentes) dargestellt. Am Donnerstag, 5. Januar, treffen die Drei Heiligen Könige nach der Parade (Start 19 Uhr) auf das Christkind. Dafür wechselt die Heilige Familie den Ort und empfängt die Weisen aus dem Morgenland am historischen Gemäuer des Traspalacio, welches sich vor der lebendigen Krippe erhebt.

Am 6. Januar huldigen die Majestäten dem Kind nochmals im Stall. Neben den theatralischen Akten kann das Belén Viviente zu folgenden Zeiten besucht werden: Freitag, 30. Dezember, 17.30 bis 20.30 Uhr, Samstag, 31. Dezember, 11.30 bis 14 Uhr, Freitag, 6. Januar, 11.30 bis 14 Uhr. Zu den Attraktionen der Umgebung gehört der Palacio de Altamira, den man über das sehenswerte Archäologiemuseum Mahe betritt, die Basilika Santa Maria und natürlich der Palmenpark, Elches grünes Unesco-Weltkulturerbe. Wer die größte Weihnachtskrippe der Welt sucht, findet sie auch an der Costa Blanca - allerdings in Alicante.

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