Leben in Spanien

Lebenshilfe an Costa Blanca: Iren bringen Leidenden Licht in die Dunkelheit

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Wen im Raum Torrevieja die Depression erdrückt, für den sind Darkness into Light und die Stiftung Adiem da. Unter dem Motto „Es ist okay, sich nicht okay zu fühlen“ laden sie zu Kerzenmärschen und Gratis-Hilfen ein. Deutschsprachige Teilnehmer werden gesucht. Ein Lichtlein zum Tag der Suizid-Prävention am 10. September.

Orihuela – Die Iren der Costa Blanca litten früh am Corona-Stillstand. Just vor ihrer Parade für Saint Patrick am 17. März 2020 in Orihuela Costa rief Spanien den Notstand aus. Besonders für eine irische Gruppe, die eigentlich dazu da ist, andere zu trösten, war die Pandemie ein Drama: „Darkness into Light“ - „Dunkelheit ins Licht“ -, ist ein Lebenshilfe-Verein, der an Selbstmordgedanken leidenden Menschen hilft. Doch langsam geht die Sonne auf. Am Welttag der Suizid-Prävention, 10. September, stellen die Iren mit der Stiftung Adiem in Torrevieja ihr neues Programm vor - und suchen Teilnehmer mit deutschen Sprachkenntnissen.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Lebenshilfe an Costa Blanca: Iren bringen Leidenden Licht in die Dunkelheit

Wellenrauschen. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Ein kleines Licht erscheint. Ein Kerzlein. Dann ein zweites, drittes. Es entsteht eine Kette, die sich still über den Strand der Costa Blanca bewegt. Es ist der Charity-Marsch von „Darkness into Light“. Die Szene erinnert an das Entstehen des irischen Lebenshilfe-Vereins. 2006 gründete ihn eine kleine Gruppe bei Dublin. 2009 starteten bereits 400 Iren zur Kerzenroute im Morgengrauen. 2018 liefen 200.000 Menschen in 150 Orten in 16 Ländern auf fünf Kontinenten. Tausende, die jemanden durch Selbstmord verloren haben oder selbst von der Dunkelheit des Suizids überwältigt sind.

„Ich traf Menschen, die, wie ich, gedacht hatten, allein mit der Trauer zu sein. Und sah: Das stimmt nicht“

Finn Fitzsimons, Lebenshilfe-Aktivistin von der Costa Blanca

Pieta House lautet der Name der Lebenshilfe-Organisation in Irland. Den Namen „Darkness into Light“ des Charity-Marsches betont hingegen der Ableger an der Costa Blanca. 70 Menschen waren zunächst in Orihuela Costa dabei. Dann schon mehrere Hundert, berichtet Koordinatorin Finn Fitzsimons. „Ich verlor meinen Bruder, der sich in Irland das Leben nahm“, erzählt sie. „Ich flog hin, völlig verzweifelt. Dann las ich von dem Marsch.“ Sie habe sich aufgerafft hinzugehen „und bekam viel Trost“. „Ich traf dort Menschen, die, wie ich, gedacht hatten, allein mit der Trauer zu sein. Und sah: Das stimmt nicht“, so Fitzsimons.

Drei besonders Suizid-gefährdete Gruppen

An der Costa Blanca war Finn Fitzsimons die Erste, die die Route mit der Kerze am Strand lief – allein. „Ich beschloss, Darkness into Light hier bekannt zu machen, denn die Aktion ist dringend nötig.“ Laut der Aktivistin gibt es in Orihuela Costa, Torrevieja und Umgebung drei besonders Suizid-gefährdete Gruppen. „Erstens Schüler, die im Internet gemobbt werden. Zweitens Männer zwischen 40 und 49 Jahren. Drittens Menschen, die auswanderten, um in der Sonne ein angenehmes Alter zu verbringen. Aber dann stirbt ihr Partner, und sie fühlen sich einsam.“

Dank des Lebenshilfe-Vereins der Iren können leidende Menschen, ob Mann, Frau oder Kind, Hilfe von Spezialisten in Anspruch nehmen, ohne Gebühr, ohne ärztlichen Bescheid. „Das Geld stammt zu 90 Prozent aus der Charity.“ In Spanien ermögliche ein Abkommen mit dem Verein Afesol und der Stiftung Adiem aus Torrevieja das Angebot. 2.500 Euro nahm der Marsch in Orihuela 2018 ein.„Das Wichtigste an der Veranstaltung ist die Botschaft: It’s okay not to be okay. Es ist in Ordnung, sich nicht in Ordnung zu fühlen“, sagt die Irin. „Und wenn du mitmachst, stellst du fest, wie vielen es genauso geht wie dir.“

Organisation sucht deutschsprachige Teilnehmer

Für die Lebenshilfe-Organisation von der Costa Blanca war es ein Drama, als wegen der Coronavirus-Pandemie gleich zwei Charity-Märsche ausfielen: 2020 und 2021. Denn neben der tagtäglichen Arbeit ist jeweils im Mai der Kerzen-Marsch am Strand nicht nur ein rührendes Highlight, sondern die ökonomische Grundlage für das Werk der Gruppe. Finn Fitzsimons: „Aus den Einnahmen bezahlen wir die Fachkräfte, die die Betreuung der leidenden Menschen übernehmen.“ Zum Glück traf während der Pandemie doch noch Geld ein. „Von sehr gütigen Spendern“, sagt Fitzsimons.

Lebenshilfe an Costa Blanca: Statt des Charity-Marsches stellten Menschen unter Corona eigene Kerzen am Meer auf.

Auch viele herzerwärmende Zuschriften habe die Irin erhalten. Menschen aus Orihuela Costa, Torrevieja und Umgebung machten sich kurzentschlossen selbst bei Sonnenaufgang auf den Weg am Strand mit der Kerze und schickten Fotos davon. „Es waren sehr harte Monate“, berichtet Fitzsimons mit brüchiger Stimme. „Wir haben doppelt soviele Hilferufe im Laufe der Coronavirus-Krise erhalten.“ Die Menschen seien aufgewühlt, wegen verlorener Jobs, Einsamkeit, verstorbener Angehöriger. „Ich glaube nicht, dass der Bedarf schnell sinken wird“, befürchtet die Irin. Denn: „Die Unsicherheit vieler Menschen ist weiter da.“

Doch immerhin könne die Lebenshilfe-Aktivistin der Corona-Krise auch Positives abgewinnen. „Endlich wurde mentale Gesundheit oft angesprochen. Menschen wissen, dass für sie Hilfen da sind und sie keine Angst und keine Scham haben müssen“, sagt Finn Fitzsimons. Kontakt mit den Iren nehmen Sie per E-Mail costablanca@darknessintolight.com, Telefon 634 304 710, oder Facebook Darkness into Light - Costa Blanca auf. Gern auch, wer als Volontär dabeisein will. Die Organisation sucht deutschsprachige Teilnehmer.

Rubriklistenbild: © Ángel García

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