Zwei Straßen verlaufen links und rechts von einer Mauer an Ferienhäusern.
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„Berliner Mauer“ an der Costa Blanca. Links sind wir in Benijófar, rechts in Rojales.

Wohnen in Spanien

Mauer trennt Feriensiedlungen an Costa Blanca: Warten auf den Mauerfall

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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„Berliner Mauer“ nennen Bewohner von Rojales und Benijófar die Barriere zwischen ihren Siedlungen. Einige scherzhaft, andere verärgert. Diese seltsame Ortsgrenze im Süden der Costa Blanca soll für lebensgefährliche Situationen gesorgt haben. Für den Fall der Mauer fehlt aber jede Initiative.

Rojales - Im traurigen Jubiläumsjahr, 60 Jahre nach dem Mauerbau von Berlin, erinnern einige Bewohner der südlichen Costa Blanca sich an ihre eigene Mauer. Eine kuriose Konstruktion ist die Ortsgrenze zwischen den Feriensiedlungen von Benijófar und Rojales. Zwei Straßen führen parallel den Berg hinauf. Dazwischen: eine ewig lange, peinliche Barriere. „Berlin Wall“, Berliner Mauer, nennen sie vor allem die Briten mit ihrem ureigenen schwarzen Humor. Doch Vorsicht: Fährt man am Fuß des Berges im Südosten Spaniens in die falsche Straße und merkt es zu spät, kann das zu einer kilometerlangen Odyssee führen.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Mauer trennt Feriensiedlungen an Costa Blanca: Vorsicht bei Krankenwagen

Fährt man nämlich die Straßen entlang der kuriosen Konstruktion ganz hoch, biegen diese in ihre jeweilige Feriensiedlung ab und damit in ein absolutes Labyrinth aus unzählingen Häusern, wie sie an der Costa Blanca üblich sind. Das kann ärgerlich sein, aber auch gefährlich. Etwa, wenn der Fahrer des Rettungswagens keine gute Ortskenntnis hat oder das GPS-Gerät nicht genau genug den Weg anzeigt. Hören Sie sich vor Ort um: So gut wie jeder Bewohner kennt einen Nachbarn vom Nachbarn, der wegen dem zu spät gekommenen Krankenwagen gestorben sein soll. Eine tragische Seite hat die Mauer von Rojales und Benijófar also.

Was Berlin 1989 mit dem Mauerfall gelang, darauf warten die Bewohner der zwei Feriensiedlungen in Spanien jedoch seit Jahren vergebens. 1998 wurde die Barriere an der südlichen Costa Blanca errichtet. Der Grund waren zwei Bürgermeister - in Benijófar ein Sozialist, in Rojales ein PP-ler - die nicht genug miteinander sprachen, um den Pfusch der jeweils beauftragten Baufirmen zu verhindern. Diese bedeckten den Hang mit Beton, vergaßen jedoch eine Kanalisation zu errichten. Daher musste die Mauer entstehen - als Notlösung gegen Hochwasser bei Gewittern. Doch die Notlösung blieb bis heute.

Behebung auch vor Wahlen kein Thema - Bewohner heimlich zufrieden

Bei allen bitteren Witzen über die „Berliner Mauer“: Längst scheint sich die südliche Costa Blanca mit der verschlossenen Grenze zwischen den Ferienorten abgefunden zu haben. Ein ernstes Thema war die Behebung der kuriosen Konstruktion in den vergangenen Jahren nie, auch nicht im Wahljahr 2019. Und während in Benijófar nun die PP regiert und in Rojales die PSOE, fehlt ein Aufstehen der Bürger völlig. Es heißt sogar, dass viele Bewohner glücklich mit der eigentlich peinlichen Mauer seien. Weil dank ihr etwa weniger Autos vor der eigenen Tür führen. Oder weil Einbrecher einen blockierten Fluchtweg hätten.

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