In einer Garage stehen Gegenstände wie ein Kühlschrank.
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Menschenhandel an Costa Blanca: Algerierin ein Jahr in Garage eingesperrt

Kriminalität in Spanien

Menschenhandel an Costa Blanca: Algerierin ein Jahr in Garage eingesperrt

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Die spanische Polizei rettete die Frau aus der Gefangenschaft. Ein Paar aus Algerien lockte sie an die Costa Blanca und machte sie zur Sklavin. Was gegen Menschenhandel zu tun ist.

Alicante – Die Guardia Civil von der Costa Blanca hat im Hinterland von Alicante den gelebten Albtraum einer Frau beendet. Die Algerierin war ein Jahr lang in einer Garage eingesperrt– weil sie von zwei Landsleuten als Arbeiterin im Haushalt ausgebeutet wurde. Für das Paar musste sie rund um die Uhr schuften, durfte sich nicht frei bewegen und bekam so wenig zu Essen, dass sie 20 Kilo abnahm, seit sie 2020 nach Spanien gekommen war. Ihr Schicksal ist laut spanischer Polizei kein Einzelfall und weist Parallelen zu vielen anderen Opfern des Menschenhandels auf - ob in Europa oder in Alicante.

Costa BlancaKüste in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Menschenhandel an Costa Blanca: Algerierin ein Jahr in Garage eingesperrt

Das Paar aus Algerien hatte die Frau mit dem Versprechen eines Vertrags an die Costa Blanca gelockt. Durch den Job würde der Algerierin eine Aufenthaltserlaubnis winken, logen die zwei. Dass es bei „lediglich“ einem Jahr Sklaverei blieb, ist einem Mann aus Algerien zu verdanken, der bei der Guardia Civil in Novelda erschien. Eine Frau sei in einer Garage eingesperrt, sagte er der spanischen Polizei. Sie sei so schwach, dass ihr Leben in Gefahr sei.

Die Einheit Mujer-Menor (Emume) der Guardia Civil fand die in einer Garage eingesperrte Algerierin in einem Haus in Agost, im Hinterland von Alicante, und nahm dort den 50-Jährigen und die 44-Jährige aus Algerien mit dem Vorwurf des Menschenhandels zum Zwecke der Ausbeutung, illegaler Freiheitsberaubung sowie Verstößen gegen Arbeitsrechte fest. Die Verhafteten waren Unternehmer, die gewöhnlich nur saisonal in Spanien weilten. Wegen der Pandemie blieben sie ein Jahr an der Costa Blanca.

Das Paar hatte die wirtschaftliche Not der Algerierin ausgenutzt, um sie nach Spanien zu lotsen. In der Garage stellten die Täter ein kleines Bett und ein improvisiertes WC auf. Eine Lüftung gab es nicht.

Menschenhandel an Costa Blanca: Algerierin fiel in Ohnmacht und durfte nicht zum Arzt

Als „menschenunwürdig“ beschrieb die spanische Polizei die Situation der Algerierin. Ein Gehalt von 100 Euro zahlten ihre Peiniger vier Monate lang, danach nichts mehr. Laut Beamten der Guardia Civil war die in der Garage eingesperrte Frau unterernährt. Nach ihrer Befreiung erzählte sie, mehrmals in Ohnmacht gefallen zu sein. Zum Arzt habe sie trotz Nachfrage nie gedurft.

Irgendwie schaffte die Algerierin es jedoch, ihren Sohn im Heimatland zu benachrichtigen. Der rief einen Bekannten in Castellón an, und der wiederum kannte jemanden in Alicante, der dann zur spanischen Polizei ging. Die Frau ist nun in der Obhut einer NGO, die in Alicante Opfer des Menschenhandels versorgt. Die Algerier, die die Frau in der Garage eingesperrt hatten, wurden nach Verhör an der Costa Blanca vorerst auf freien Fuß gesetzt.

Menschenhandel an Costa Blanca: Kontakt zur Polizei - Gut im Alltag hinschauen

Der Menschenhandel ist international im Boom, warnen verschiedene Hilfsorganisationen. In 15 Jahren hätten die Fälle sich verdreifacht, erklärte etwa Anfang Februar die dafür zuständige Behörde der UN. Die Corona-Pandemie habe die „Sklaverei des 21. Jahrhunderts“ insgesamt noch verstärkt, mahnen Experten. Opfer werden für sexuelle Zwecke, aber auch als Bettler, Arbeiter im Haushalt oder auf Feldern missbraucht. Aktivisten fordern Bürger auf, im Alltag wachsam zu sein, um Betroffene zu entdecken. Unter der Nummer 900 105 090 rufen Sie in Spanien die Einheit der Polizei gegen den Menschenhandel. E-Mail trata@policia.es.

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