LA POBREZA EN ESPAÑA HA AUMENTADO UN 8% SEGÚN EL INFORME "DESARROLLO HUMANO Y POBREZA EN ESPAÑA"
+
Menschenhandel an Costa Blanca: Migranten mit Behinderungen wurden zum Betteln missbraucht.

Kriminalität in Spanien

Menschenhandel an Costa Blanca: Migranten zum Betteln missbraucht - Befreiende Anzeige

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
    schließen

Weil sich ein Bettler in Alicante zur Anzeige durchrang, konnte die Nationalpolizei die Täter fassen und Opfer befreien. Wie Bürger im Kampf gegen Menschenhandel mithelfen.

Alicante – Ein neuer Fall von Menschenhandel hat im Mai 2021 an der Costa Blanca für Fassungslosigkeit gesorgt. Die Nationalpolizei verhaftete in Alicante ein Paar, das behinderte Migranten zum Betteln missbraucht haben soll. Zur Festnahme führte die Anzeige eines der Opfer. Ein Glücksfall. Denn nur wenige Fälle von Menschenhandel in Spanien finden ein gutes Ende. Die Banden erschaffen ein Netz aus Ausbeutung, Bedrohung, Gewalt und psychischem Druck, aus dem Betroffene sich kaum befreien können. In diesem Fall handelte es sich um Opfer aus Rumänien, die von Landsleuten als Bettler missbraucht worden waren.

Costa BlancaKüstenabschnitt
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana
LandSpanien

Menschenhandel an Costa Blanca: Behinderte Migranten als Bettler missbraucht

Im Mai 2021 verkündete die Einheit der Nationalpolizei für Menschenhandel, in Alicante ein rumänisches Ehepaar, 48 und 51 Jahre alt, verhaftet zu haben. Die zwei Tatverdächtigen sollen behinderte Migranten aus ihrem Heimatland als Bettler missbraucht haben. Bis zu 14 Stunden am Stück sollen die körperlich eingeschränkten Betroffenen täglich auf den Straßen der Provinzhauptstadt der Costa Blanca gebettelt haben, ohne dass das Paar ihnen einen Anteil des Geldes überließ. Das wäre noch lange so geblieben, wenn sich ein Opfer nicht doch zu einer befreienden Anzeige durchgerungen hätte.

Der 43-jährige behinderte Migrant hatte mitbekommen, dass das Paar, das ihn in Alicante als Bettler missbrauchte, plante, ihn an andere Kriminelle zu verkaufen. Der Preis: 2.000 Euro. Als eine Polizeistreife an ihm vorbeifuhr, rief er die Beamten um Hilfe und berichtete von seiner unmenschlichen Lage als Opfer des Menschenhandels an der Costa Blanca. Täglich müsse er Geld erbetteln, täglich müsse er es abgeben. Auch hatten ihm die Täter seine Papiere weggenommen, gaben ihm kein Essen, bedrohen ihn oder taten ihm Gewalt an (drückten Zigaretten auf seiner Haut aus), wenn er beim Betteln nicht genug einnahn.

Menschenhandel an Costa Blanca: Ob Bettler oder Prostituierte - nur auf ersten Blick freiwillig

Laut Nationalpolizei hielt sich das Paar aus Rumänien seit 2007 in Spanien auf. Mit der Ausbeutung von Migranten aus ihrem Land hielten sich die Verhafteten seitdem über Wasser. Es handelt sich längst um keinen Einzelfall, meldet die Einheit der Polizei gegen den Menschenhandel (externer Link). Immer wieder werden Fälle auch an der Costa Blanca publik, wie die Algerierin, die in einer Garage eingesperrt lebte. Der Menschenhandel hat viele Formen, mahnen die Experten. Ob Bettler, Prostituierte, Arbeiter auf Feldern oder in Geschäften: Meist sieht es auf den ersten Blick nach einer freiwilligen Tätigkeit aus. Doch der Schein trügt.

In Wirklichkeit befinden sich Opfer des Menschenhandels in einem sklavenartigen Verhältnis zu ihren Peinigern. Das Problem: Das wollen viele nicht zugeben oder können es nicht wahrhaben. Der Grund kann Gewalt oder psychischer Terror sein. Aber auch verletzter Stolz, oder auch mangelndes geistiges Vermögen. Wohlgemerkt: Bei den Opfern des rumänischen Paares von der Costa Blanca handelte es sich um behinderte Menschen aus Rumänien, Migranten ohne Papiere. Doch Betroffene des Menschenhandels oder Zeugen müssen Anzeige bei der Polizei erstatten. Sonst könne sie nicht eingreifen, teilt uns die Nationalpolizei in Alicante mit.

Menschenhandel an Costa Blanca: Betroffenen Würde zurückgeben

Wenn bei der Einheit gegen den Menschenhandel die Anzeige eines Opfers eingeht, können oft gleich mehrere Betroffene befreit werden. Das erklärt uns auf Nachfrage die Nationalpolizei in Alicante und nennt als früheres Beispiel die Befreiung von 16 Opfern des Menschenhandels zugleich. Auf jeden Fall sollen Bürger an der Costa Blanca bei der Aufklärung von Fällen mithelfen. Das könne man, wenn man das Gespräch mit Betroffenen sucht - ob Bettler, behinderter Migrant oder Prostituierte. Erst wenn die missbrauchten Menschen wieder mit ein wenig Würde in den Spiegel schauen, trauen sie sich zu einer befreienden Anzeige.

Die Einheit der Nationalpolizei gegen Menschenhandel lobt, dass immer öfter Bürger (auch Kunden von Prostituierten) dabei mithelfen, Täter zu fassen und Opfer zu befreien. Kontaktieren kann man die Polizei-Einheit „Unidad contra la Trata de Seres Humanos“ unter folgenden Daten, auch anonym.

Telefon: 900 10 50 90
Email: trata@policia.es
Twitter: @policia
Hastag: #contralatrata

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare