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Neue Hochhäuser an Costa Blanca: Pedro Sánchez besucht soziales Wohnungsbauprojekt

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Von: Stefan Wieczorek

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Ein Hochhaus erhebt sich unter blauem Himmel neben Baum.
Neue Hochhäuser für Viertel an Costa Blanca: Die Sozialwohnungen sind unter Bewohnern nicht unumstritten. © Pimesa/Rathaus

Ein spektakuläres Wohnungsbau-Projekt lockt Spaniens Ministerpräsidenten an die Küste. Ein Sprecher der Anwohner übt Kritik an den neuen Türmen im Viertel.

Elche – Dass Ministerpräsident Pedro Sánchez morgen in seinem Viertel ist, erfährt der Sprecher des Anwohnervereins, Miguel Bernardo López, am Dienstag von Costa Nachrichten. Bei „Sánchez“ hat er erst an den Vorsitzenden einer lokalen Institution gedacht. Nein, Pedro Sánchez aus Madrid ist gemeint. Erst mittags wurde bekannt, dass Spaniens Präsident am Mittwoch in Elche an der Costa Blanca aufschlägt. Genauer gesagt, im Viertel San Antón. Nicht etwa, weil hier am 17. Januar das beliebte Fest für den Tier-Heiligen Antonius wegen Corona ausfiel. Sondern, weil das Viertel derzeit mit schicken Sozialwohnungen für Furore sorgt.

ElcheStadt in Spanien
Fläche:326,1 km²
Höhe:86 m

Pedro Sánchez an Costa Blanca: Neue Hochhäuser mit Sozialwohnungen

Ein spektakuläres Wohnungsbau-Projekt betreibt hier im Süden der Costa Blanca die sozialistische Achse aus Orts-, Landes- und Zentralregierung. Drei moderne Hochhäuser sind bereits vor den maroden Blöcken des kriselnden Viertels erwachsen. „San Antón fällt nicht in sich zusammen, wie sie erzählen“, protestiert der Anwohnersprecher. „Es sind kleine Wohnungen, in denen sich viele wohlfühlen.“ Eine Sanierung der Gebäude sei lange gefordert worden - vergeblich. Die Stadt habe selbst beschlossen, lieber neue Blöcke zu bauen. Miguel Bernardo López selbst sei im Viertel geboren, das ab den 50er Jahren entstand. Vorwiegend Andalusier zogen ein, angelockt vom blühenden Schuhsektor in Elche. Die Sozialwohnungen des Franco-Regimes waren der neueste Schrei.

Blick von oben auf ein Viertel mit Wohnblocks.
Sozialwohnungen aus Franco-Zeiten an Costa Blanca: In den 1950ern galt das Viertel San Antón als fortschrittlich. © José García Domene

Im 21. Jahrhundert kam San Antón aber nie richtig an. Immer bemerkbarer machten sich wirtschaftliche Krisen und bauliche Mängel. Aber jetzt sorgt das Viertel mit den Sozialwohnungen an der Costa Blanca für positive Schlagzeilen. Für 18 Millionen Euro bauten die Verwaltungen die drei neuen Hochhäuser. Zwei sind bereits bewohnt, ein weiterer Turm soll bald entstehen. Das Ziel: Die 15 alten Gebäude ganz zu ersetzen. Sprich: Abriss. Dafür werden die Bewohner in die neuen Häuser umgesiedelt. Für Billigpreise von 16.000 bis 23.000 Euro bekommen sie in den neunstöckigen Häusern nigelnagelneue Wohnungen von 40 bis 62 Quadratmetern.

Kritik an Enteignungen: Schon 2014 unter PP eingeleitet

In Sachen Komfort und Effizienz hielten die sozialen Wohnhäuser mit modernen Gebäuden privater Bauträger mit, versichert die Stadt Elche. Anders sieht es Anwohner López. „Die neuen Hochhäuser sind vielleicht schick, aber von minderer Qualität. Und die Wohnungen sind noch kleiner als die alten“, so der Anwohner-Sprecher. Sowieso verstehe er nicht „wieso wir in einer Demokratie aus der Wohnung ausziehen müssen, die uns gehört.“ Tatsächlich sieht das Rathaus laut Zeitung „Alicante Plaza“ vor, Bewohner, die nicht in die neuen Türme umziehen wollen, zu enteignen.

Begründung: Das Projekt, - das übrigens bereits 2014 in PP-Zeiten in die Wege geleitet wurde -, ist eines von öffentlichem Interesse. Offiziell sträuben sich zwar nur zwei bis drei der insgesamt 1.000 Haushalte San Antóns gegen den Zwangsumzug in die neuen Wohnungen. Jedoch habe der Plan Konflikte im Viertel gebracht, berichtet Miguel Bernardo López. Anwohner würden nun einander unter Druck setzen. „Es herrscht eine schlechte Stimmung“, bedauert der Spanier. Ob er Pedro Sánchez das morgen sagen wolle? „Nein. Ich habe zehn Jahre für das Viertel gekämpft und bin jetzt müde“, sagt der Sprecher des Anwohnervereins.

Ein Mann mit Maske steigt vor einem Wohnblock in ein Auto.
Mittwochmittag an der Costa Blanca: Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez besucht das Viertel San Antón. © José García Domene

„Säule des Sozialwesens“: Kindergeschrei und Ambulanzen

35 Minuten verbringt am folgenden Tag, 19. Januar, Pedro Sánchez in San Antón. Spaniens Ministerpräsident, der zuletzt vor einem Jahr in Elche den neuen AVE-Bahnhof eröffnete, begrüßt Landes- und Stadtpolitiker, steigt mit ihnen auf das Dach eines der neuen Hochhäuser, ruft den Wohnungsbau als „fünfte Säule des Sozialwesens“ aus und winkt aus der Ferne den Anwohnern hinter der Absperrung. „Schüchternen Applaus“ und „leise Pfiffe“ stellen Lokalmedien im Laufe des Kurzbesuchs fest. Die Geräusche seien ansonsten die alltäglichen: Das Kindergeschrei in den Fluren und die Sirenen der Ambulanzen auf dem Weg ins Krankenhaus.

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