Zwei Männer unterhalten sich vor mehreren Pflanzenbeeten.
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Antonio Morcillo erklärt Umweltstadtrat Luis Miguel Morant die Pflanzen von der Costa Blanca.

Pflanzen an der Costa Blanca

Kinderstube der Silene: Umweltzentrum in L‘Alfàs erklärt heimische Pflanzen

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Nur noch zehn Exemplare der Silene d‘Ifac wachsen an der Costa Blanca in der freien Natur. Das Umweltzentrum Los Carrascos kümmert sich um Nachwuchs - und um viele andere Pflanzen aus der Region Valencia.

L‘Alfàs del Pi - Unscheinbar stehen sie da, in Reih und Glied, und doch haben die Pflänzchen, die im Umweltzentrum Los Carrascos in L’Alfàs del Pi heranwachsen, eine große Aufgabe: Sie sollen die Silene d’Ifac vom Aussterben retten. Nur noch zehn Exemplare wachsen in der freien Natur an der Costa Blanca, ein paar in Calpe, ein paar in Teulada. 2009 waren es noch 127, da gab es die Silene auch noch in Dénia und im Süden von Ibiza. Die Hoffnungen ruhen nun auf den fast 200 Pflänzchen in L’Alfàs und weiteren Exemplare, die in ähnlichen Silene-Kinderstuben über ein Rettungsprogramm der valencianischen Landesregierung per Hand bestäubt, aufgezogen und hoffentlich erfolgreich ausgewildert werden.

Pflanzen von der Costa Blanca erklären: Valencianische Fauna komprimiert

„Die Silene ist quasi schon ausgestorben“, sagt Antonio Morcillo und deutet auf die 192 Silene-Setzlinge, deren Samen von den wilden Exemplaren stammen. Morcillo ist in L’Alfàs del Pi für die Pflege der städtischen Grünanlagen zuständig und kennt sich mit Pflanzen bestens aus. „Der Silene macht wie vielen anderen Pflanzen in Spanien der Klimawandel zu schaffen, die Desertifikation und die weniger werdenden Insekten, die mit der Bestäubung nicht mehr hinterherkommen“, sagt Morcillo.

Im Los Carrascos kümmert er sich längst nicht nur um die Silene, hier wachsen 250 Pflanzen von der Costa Blanca unterteilt in acht Themenbereiche – quasi die valencianische Fauna komprimiert auf 11.000 Quadratmeter. „Wir wurden dafür mit der blauen Flagge ausgezeichnet“, erklärt ein stolzer Umweltstadtrat Luis Miguel Morant. Vor jeder Pflanze steht eine Infotafel, auf denen man Anekdoten zu jeder Pflanze statt wissenschaftliche Fakten findet. „Kleine Geschichten und Anekdoten bleiben besser im Gedächtnis“, sagt Morcillo, und gibt ein paar davon zum Besten.

Anekdoten zu Pflanzen von der Costa Blanca: Von Kräutern und Gemüse

Da wäre etwa das Winter-Bohnenkraut, dessen Anbau einst in Klöstern untersagt war. „Dem Kraut wird eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt, deshalb war es den Mönchen verboten“, sagt Morcillo. Oder der Mönchsbart, dessen Asche die Geheimzutat für die Glasbläser aus Murano und Venedig war. Ein Bereich in dem Umweltzentrum an der Costa Blanca ist den Frauen gewidmet, die Pflanzen einst für Heilzwecke ausnutzten. Hier gibt es Kräuter, die bei Menstruationsbeschwerden halfen, eine ungewollte Schwangerschaft beenden sollten oder wehenfördernd wirken. Rund um und in einem Teich wachsen wiederum valencianische Wasserpflanzen.

In Reih und Glied wächst die Silene d‘Ifac im Umweltzentrum Los Carrascos. Sie gehört zu den bedrohten Pflanzen an der Costa Blanca.

„Los Carrascos ist keine statische Anlage. Wir bemühen uns darum, sie immer weiter auszubauen“, so Stadtrat Morant. So ist der Bau eines kleinen Amphitheaters geplant, in dem Morcillo Besuchern seine Pflanzen-Geschichten erzählen kann. Derzeit kommen Schüler aus L’Alfàs hierher, auch Kleingruppen können sich die Anlage zeigen lassen. Im Gemüsegarten finden regelmäßig Kurse für Bio-Anbau statt.

So sahen die Bäume an der Costa Blanca einst aus: Pflanzenkunde von früher

Urig wird es im nächsten Bereich des Umweltzentrums, hier stehen Bäume, die einst im Wald wuchsen und vom Menschen verändert wurden, um bessere, größere, schmackhaftere Früchte zu liefern. Ein Olivenbaum zum Beispiel mit winzigen Blättern und winzigen Oliven, die niemals zur Ölproduktion taugen würden. Oder eine Mehlbeere als Vorläufer der heutigen Mispelbäume, die an der Costa Blanca rund um Callosa d‘en Sarrià die Landschaft prägen.

Und dann wäre da noch das Gewächshaus, hier absolvieren Arbeitslose den Praxisteil von Fortbildungsmaßnahmen. In kleinen Blumentöpfen wachsen winzige Kiefern, heimische Pinien. „Der Aleppo kommt eigentlich aus Syrien, breitet sich rasend schnell aus und ist hier zur dominanten Art geworden. Wir wollen unsere Pinie wieder vermehrt ansiedeln. Zu viel Einseitigkeit ist nie gut“, sagt Morcillo. Außer bei der Silene, die darf er ruhig erstmal im großen Stil in seiner Kinderstube heranziehen und auswildern, damit sie wieder Wurzeln schlägt – in ihrer Heimat.

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