Wasserfall und Bergbach im Flussbad Fuentes del Algar an der Costa Blanca.
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Im Hinterland der Costa Blanca haben sich spektakuläre Bergbäche gebildet, wie hier in Callosa d‘en Sarrià.

Vorsicht bei Ausflügen

Gefahr durch Regen an Costa Blanca: Mehr tödliche Unfälle an Bergbächen und Barrancos

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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Der üppige Regen hat die Costa Blanca aufblühen lassen. Doch das viele Wasser bringt vor allem im Hinterland Gefahren mit sich. Fünf Menschen sind bereits in reißenden Bergbächen ertrunken.

Alicante – Der Rotor des Rettungshubschraubers rattert seit einigen Wochen gefühlt unentwegt über die Costa Blanca hinweg. In der Presse-Chatgruppe der Provinzfeuerwehr reißen die Nachrichten nicht ab. Das Notfallzentrum der Region Valencia registriert derzeit eine ungewöhnlich hohe Zahl an Rettungseinsätzen bei Freizeitaktivitäten. Es meldet, dass allein zwischen dem 9. und 26. April die Rettungseinheiten 63 Mal ausrücken mussten, um Wanderern und Ausflüglern in Notsituationen zu helfen – 39 in der Provinz Alicante, 19 in Valencia und fünf in Castellón. Fünf Menschen sind in diesem Zeitraum in der Region bei Freizeitaktivitäten ums Leben gekommen – im Jahr davor wurde in den Osterferien nur ein Todesfall registriert. Der Rettungshubschrauber war 21 Mal mehr im Einsatz als 2021.

Der deutliche Anstieg hat vor allem eine Ursache: die ungewöhnlich üppigen Regenfälle im März und April. Sie haben nicht nur die Natur aufblühen lassen und eine spektakuläre Landschaft erschaffen, die viele Menschen nach draußen zieht. Die Niederschläge haben auch die Gefahren für Ausflügler, vor allem im Hinterland, deutlich erhöht. Alle fünf Todesfälle in der Region Valencia der vergangenen Wochen ereigneten sich wegen Ertrinkens in rauschenden Bergbächen. Drei Menschen kamen in einer Schlucht bei Bolulla ums Leben, darunter ein erfahrener Bergführer.

Gefahren an der Costa Blanca: Kraft des Wassers wird oft unterschätzt

„Die Unglücksfälle ereigneten sich fast alle unter den gleichen Umständen“, sagt Salva Luque, Leiter der Bergrettungseinheit der Provinzfeuerwehr in Alicante. Die Bomberos hatten schon vor den tödlichen Unfällen davor gewarnt, derzeit an den Schluchten wandern oder klettern zu gehen, „denn selbst die absoluten Experten gehen dabei ein großes Risiko ein“, sagt Luque, dessen Einheit während der Regenfälle ein Training im Barranco von Bolulla durchgeführt hatte.

„Diese Art von Rettungseinsätzen ist sehr unangenehm, denn eigentlich kommen wir immer zu spät, wir können meistens nur noch die Leichen bergen“, bedauert der Bergretter. Hinzu komme, dass es sich bei den Opfern in der Regel um junge Menschen handele, was das Ganze noch tragischer mache. „Es sind nicht die typischen Rettungseinsätze, bei denen wir Personen in Not helfen können.“

Viele würden die Kraft des Wassers unterschätzen. „Hier im Süden Spaniens sind wir nicht an diese Wassermengen gewöhnt, normalerweise ist es sehr trocken“, meint Luque. Die meisten Personen würden keine ausreichenden Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und sich den Wasserfällen und Bächen gefährlich nähern. „Die Wasserfälle sind wie ein Sog, wer hineinfällt, wird direkt unter Wasser gezogen und kann sich nicht mehr orientieren“, weiß der erfahrene Feuerwehrmann.

Wasserfälle wie dieser lassen sich derzeit im Hinterland der Costa Blanca bestaunen. Die Sogwirkung dieser Kaskaden birgt große Gefahren.

Viel Regen an Costa Blanca: Trockene Landschaften verwandeln sich in reißende Flüsse

Bei strahlendem Sonnenschein ist die Gefahr längst nicht gebannt. Die Wassermengen sind auch noch Tage nach den Niederschlägen enorm, weil der Regen einige Zeit braucht, bis er sich durch die Gesteinsschichten gefiltert hat. Und nicht überall sind die Zugänge gesichert, wie etwa im Flussbad Fuentes del Algar in Callosa d‘en Sarrià.

Ein besonders tragischer Unfall ereignete sich am vergangenen Sonntag in Navarrés (Provinz Valencia), wo eine Frau und ihr fünfjähriger Sohn in der als Los Chorradores bekannten Badestelle ertranken. Die Familie machte einen Ausflug mit Freunden, als der Junge in die reißende Strömung fiel. Die Mutter sprang hinterher, um ihr Kind zu retten, beide ertranken.

Gefahren durch Regen: Notfallzentrum schickt Appell an Bevölkerung und Touristen

Auch in den Regionen Andalusien und Murcia haben die Regenfälle trockene Flussläufe und Stauseen mit Wasser gefüllt. Bereits Ende März ertrank in Estepona ein 46-Jähriger im sonst kaum kniehohen Río Padrón, der nach heftigen Regenfällen ungewöhnlich viel Wasser führte. Der Mann hatte möglicherweise versucht, einen seiner Hunde aus dem Fluss zu retten. Am Ostersonntag ertrank außerdem ein 20-Jähriger beim Baden im Stausee El Limonero in der Provinz Málaga, als er ins Wasser sprang und sich wahrscheinlich in einem Ast verfing.

Am Dienstag schickte der Leiter der valencianischen Notfallzentrale, José María Ángel, einen Appell an die Bevölkerung, „mit größter Vorsicht vorzugehen“. „Es ist von lebenswichtiger Bedeutung, dass die Bürger die drei ‚P‘ verinnerlichen – planificación, precaución, prudencia“, sagte Ángel. Mit Planung, Vorkehrungen und Vorsicht ließen sich viele Notsituationen vermeiden. „In anderen Situationen wie etwa beim Autofahren haben wir bestimmte Sicherheitsvorkehrungen längst automatisiert, solche Routinen sollten wir uns auch bei Ausflügen in die Natur angewöhnen“, sinnierte der Leiter der Notrufzentrale.

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