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Zugstrecke Alicante-Murcia: Enge Waggons, steile Treppen erschweren Reise

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Von: Stefan Wieczorek

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Eine Frau im Mantel mit Kinderwagen hilft Kind auf Gleis in den Zug.
Zugfahrt Alicante-Murcia: Touristen mit Kinderwagen oder im Rollstuhl haben´s schwer. © Stefan Wieczorek

Für Passagiere mit Behinderungen oder Kinderwagen birgt die Regionalbahn Alicante-Murcia reichlich Probleme. Die Züge waren vor 40 Jahren der neueste Schrei. Nun ernten sie Kritik.

Alicante - Seit den 80ern gehören sie in der Region Valencia für unzählige Menschen zur Alltagsroutine dazu: Die Dieselzüge 592. Eigentlich ein überaus gelungener Typ spanischer Zugbaukunst, denn etwa auf der Strecke Alicante-Murcia sind sie seit 40 Jahren nicht aufzuhalten, die ollen „camellos“. Kamele nennt man die Züge, weil sie wegen der altbackenen Klimaanlage Höcker auf dem Dach tragen. Aber mit dem Kultfaktor aus dem Jahr der spanischen Fußball-WM 1982 können immer weniger Zug-Touristen von der Costa Blanca etwas anfangen. Allen voran die, die bei der Fortbewegung nicht nur auf Schienen Räder benötigen.

Für Menschen mit Behinderungen, die den Rollstuhl benötigen, oder Menschen mit Kinderwagen ist auf den Bahnhöfen von Alicante, Elche, Orihuela oder Murcia bereits vor Antritt der Reise das Besteigen der Kamele eine körperliche Herausforderung unsportlicher Art. Denn für flotte und fitte Touristen ist die steile Treppe, die an jeder Tür bestiegen werden muss, kein großer Akt. Aber Menschen, die Hilfsmittel bedürfen, überwinden nur mit großer Anstrengung den gefährlichen Abstand von Tür und Gleis. Ein Problem, das mit dem Tag für Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember besonders deutlich in Erscheinung tritt.

Reisen an Costa Blanca: Enge Züge verärgern Rollstuhlfahrer 

In ihrer Jura-Abschlussarbeit beleuchtete Mar Martínez kürzlich die Mängel auf der Regionalbahnlinie im Süden der Costa Blanca und kritisierte sie in der „Información“. Einzig den Dienst Servicio de Asistencia biete Spaniens Bahnanbieter Renfe Betroffenen an. Der sei für taubstumme, blinde oder geistig behinderte Menschen schön und gut, müsse aber vorher beantragt werden. Von fairer Bewegungsfreiheit könne bei der Reise also keine Rede sein, so Martínez. Weder die Gänge in den Waggons, die viel zu eng seien, noch die Toiletten seien in den „camellos“ behindertengerecht, kritisierte die junge Juristin. Das Problem sei Renfe sogar bekannt: Für je eine Million ließ der Bahnbetreiber zuletzt die Cercanías-Linien nach Villena und San Vicente verbessern.

Aber eben nicht die „kultige“ C1-Linie aus Alicante an der Costa Blanca bis nach Murcia. Der Fall ist nun sogar beim spanischen Ombudsmann Defensor del Pueblo angelangt – nach Klage durch Mar Martínez. Dass Adaptierungen alter Züge möglich sind, zeigen Beispiele wie Madrid und Valencia, wo die Cercanías für behinderte Menschen angepasst wurden. Ein Problem bleibt aber in Alicante das Geld. Erschreckend wenig will Madrid auch im neuen Haushalt in die Costa Blanca investieren. 5,6 Millionen sind 2023 vorgesehen, immerhin das Doppelte zum Jahr zuvor, aber im Vergleich zu den 439 Millionen für Valencia geradezu unglaublich unfair.

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