Mehrere Schulklassen in einem Raum in der Schule von Benialí
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Nur noch eine Schule für acht Dörfer. Im Vall de Gallinera werden nur wenige Schüler unterrichtet.

Krise im Hinterland

Costa Blanca: Bergdörfer kämpfen gegen Abwanderung - immer mehr Schulen schließen

  • Andrea Beckmann
    VonAndrea Beckmann
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Das Hinterland der Costa Blanca ist für Ausflügler reizvoll. Doch das Leben auf dem Land hat Schattenseiten. Immer mehr Menschen wandern ab. Viele Orte drohen, zu Geisterorten zu mutieren.

Benialí – Malerisch liegen sie da, die acht Dörfer, die das Vall de Gallinera im Hinterland der Marina Alta an der Costa Blanca bilden. Besucher schätzen die naturbelassene Landschaft, in der Oliven und Kirschen angebaut werden. Ein schönes Fleckchen Erde. Doch es gibt auch Schattenseiten. Der Ortsverbund mit knapp 550 Einwohnern, die sich auf die acht Orte verteilen, zählt zu den 23 Gemeinden der Region Valencia, die unter zunehmender Abwanderung leiden und drohen, früher oder später zu Geisterorten zu mutieren.

Marina Alta Landkreis in Spanien
RegionValencia
ProvinzAlicante
HauptstadtDénia
Fläche 759,3 km2
Einwohner 175.310

Metzgereien, Lebensmittelläden, Apotheken sowie andere Dienstleister lassen sich an einer Hand abzählen und werden immer weniger. Dies gilt vor allem auch für die Schulen. Zu Zeiten, in denen das Vall de Gallinera, das keine Autostunde von der Kreisstadt Dénia entfernt liegt, noch deutlich mehr Einwohner und auch noch mehr Kinder zählte, verfügte jeder der acht Orte über eine Grundschule. Inzwischen ist nur noch das colegio in Benialí in Betrieb.

Zuletzt gingen vor drei Jahren die Lichter in der Schule in Alpatró aus, nachdem die Zahl der Schüler dort auf drei Kinder geschrumpft war, weil immer mehr Familien auf der Suche nach einem besseren Leben abgewandert waren. Zu wenig, um den Betrieb einer Schule zu erhalten. Die Kinder wurden in der noch einzig verbleibenden Schule im sechs Kilometer entfernten Benialí eingeschult. Mit den drei Neuzugängen brachte man es dort immerhin auf 19 Vor- und Grundschüler, die eine Betreuung durch wenigstens zwei Lehrkräfte rechtfertigten.

Schon damals sah die Gemeindeverwaltung skeptisch in die Zukunft und nur in einem attraktiven Schulangebot einen Anreiz für Eltern, ihre Kinder nicht etwa im nächstgrößeren Ort Pego einschulen zu lassen, sondern sie in der Schule in Beníalí zu belassen. Die Kommune setzte deshalb auf einen comedor (Essraum) und die Verköstigung der Schüler am Mittag, damit Eltern flexibler ihrer beruflichen Tätigkeiten nachgehen konnten. Ein Gebäude für den comedor, der 2019 eröffnet wurde, stellte die Gemeinde bereit. Der Essraum musste aus Platzmangel ausgelagert werden. In dem heruntergekommenen Schulgebäude aus den 1960er Jahren war eine solche Einrichtung nicht möglich. Außerdem stellte die Kommune die Weichen für den Bau einer neuen Schule zwischen Benialí und Benissivà.

Die einzigste Schule des Vall de Gallinera ist aus den 1960er Jahren und ziemlich heruntergekommen.

Costa Blanca: Mit attraktiven Projekten wie dem Bau einer neuen Schule, erhofft sich die Gemeinde, junge Eltern mit Kindern anzuziehen

Auch zwei Jahre später ist dieses Vorhaben noch Thema im Gemeinderat. Damit erhofft sich die Kommune, dass sich wieder junge Eltern mit Kindern in dem idyllischen Kirschental niederlassen. Zwar existiert ein bereits 2009 erarbeitetes Schulprojekt, doch auch das ist nicht mehr zeitgemäß, wie Tourismusstadträtin María Josep Puig costanachrichten.com gegenüber bestätigte. „Der Investitionsplan für Schulen der valencianischen Landesregierung Plan Edificant beinhaltet eine Reihe von Vorgaben, die beim Neubau eines Schulzentrums relevant sind, aber in den uns vorliegenden und veralteten Projektplänen nicht berücksichtigt wurden“, sagte sie. Es seien einige Änderungen vorzunehmen. „Wir stehen nicht nur in der Pflicht, die Baufläche des Schulgeländes zu erweitern. In den Plänen müssen zum Beispiel auch eine Schulküche mit Essraum, Parkplätze und ein Nutzgarten enthalten sein.“

Die Gemeindeverwaltung setze auf eine nachhaltige und umweltfreundliche Bauweise. „Wir haben einen Architekten beauftragt, der auf den Bau von lebendigen und biokonstruktiven Schulgebäuden spezialisiert ist“, so die Stadträtin. „Das Bauvorhaben befindet sich in der ersten Phase, in die wir Lehrer, Schüler, Eltern und alle interessierten Bewohner unserer acht Orte einbezogen haben.“

Übrigens: Benialís Schule zählt laut der Stadträtin derzeit „etwa 20 Schüler“, womit sich ihre Anzahl in den letzten drei Jahren zumindest nicht weiter reduziert hat.

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