Das Restaurant El Comercio in Dénia.
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Das El Comercio in Dénia wird vorerst keine Gäste mehr bewirten.

Eine Ära geht zu Ende

Costa Blanca: Nach über 100 Jahren knipst El Comercio die Lichter aus

  • Andrea Beckmann
    VonAndrea Beckmann
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Das vor allem bei Ausländern beliebte El Comercio in Dénia hat seinen Betrieb eingestellt. Die Zukunft des Gebäudes, das in der Blütezeit Dénias entstand, ist ungewiss.

Dénia – Eines der emblematischsten Lokale von Dénia an der Costa Blanca hat seinen Betrieb eingestellt. Das im Spanien von gestern vor allem bei ausländischen Bewohnern beliebte El Comercio in der Calle Marqúes de Campo ist seit einigen Tagen geschlossen. Damit endet eine 133 Jahre dauernde Ära, in der das Lokal aus dem Gastronomiesektor des Küstenortes und der Region Valencia nicht wegzudenken war.

Dénia Spanien
Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzAlicante
LandkreisMarina Alta
Fläche 60,18 km2
Einwohner 42.166 (2019)


Für die Gegner der Schließung der Calle Marqués de Campo für den Autoverkehr – während der Pandemie wurde sie in eine verkehrsberuhigte Zone umgestaltet – liegt der Grund auf der Hand. Die Bürgerplattform „Abrim el Centre“ („Öffnen wir das Zentrum“) meint in einem offenen Brief in der Online-Zeitung „La Marina Plaza“ zu wissen, dass das Restaurant mit der Verkehrsberuhigung hohe Umsatzeinbußen hinnehmen musste und sich nicht mehr halten konnte.

Tatsache ist aber auch, dass das Gebäude Anfang vergangenen Jahres von einer Unternehmergruppe gekauft worden war, um es in ein Hotel umzugestalten. Damit würde das El Comercio wieder seinen ursprünglichen Bestimmungen zurückgeführt werden.

Costa Blanca: El Comercio entstand in einer Zeit, in der Dénia durch die Rosinenproduktion eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte

Das Gebäude entstand 1888 und in einer Zeit, in der Dénia durch die Rosinenproduktion eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte. Zur gleichen Zeit begannen auch die Bauarbeiten der Marqués de Campo. Als das Comercio mit dem Namen Fonda del Comercio eröffnet wurde, war gerade einmal das erste Teilstück der Straße zwischen der Calle Diana und Carlos Sentí fertiggestellt. In Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs der Stadt bestand plötzlich großer Bedarf an Fremdenunterkünften.

Das Fonda de Comercio entwickelte sich schnell zu einer beliebten Herberge. 1920 beschrieb die von Elías Tormo herausgegebene Tourismusbroschüre „Levante“ das Hotel als eines „der guten Hotels Dénias mit einer Garage in der Nähe und 22 Zimmern, wo sich Geschäftsreisende und einige Urlauber einquartieren. Die Pension kostet ohne Frühstück und ohne Wein sieben Pesetas“.

Eine der herausragenden Serviceleistungen des Hotels, von der Reisende heutzutage nur träumen können: Es beschäftigte eigens Dolmetscher, die Ankömmlinge aus dem Ausland am Bahnhof in Empfang nahmen. Durch die Rosinenexporte reisten zu jener Zeit viele Importeure aus Großbritannien, aber auch aus anderen Ländern nach Dénia.

Costa Blanca: So manche illustren Gäste stiegen im 20. Jahrhundert in dem beliebten Hotel ab

Anfang des 20. Jahrhunderts beherbergte das Hotel so manche illustren Gäste, darunter etwa den Historiker Roc Chabàs, der im März 1908 einige Freunde aus València in die Herberge einlud und der sich begeistert über die Fassadendekoration aus Original-Kacheln aus Portugal äußerte. Auch Manuel Azaña, letzter Präsident der Zweiten Spanischen Republik, der Flugpionier Ramón Franco und die Kinder des Schriftstellers und Politikers Vicente Blasco Ibáñez, die zur Namensgebung der Glorieta, die 1930 nach dem Namen ihres Vaters benannt wurde, nach Dénia kamen, zählen zu der langen Gästeliste des Comercio.

Nachdem die Fonda de Comercio mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, ging die Herberge 1957 an Antonio Cabrera über, der sie 1981 in ein Gebäude in der Calle La Vía verlegte. 1983 öffnete in dem ehemaligen Hotelsitz das Restaurant El Comercio und war seitdem ununterbrochen in Betrieb.

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