Das Königspaar Felipe VI. und Letizia mit Francisco Brines in der Mitte.
+
Am 12. Mai überreichte Spaniens Königspaar Francisco Brines den Cervantes-Literaturpreis.

Tod eines genialen Dichters

An der Costa Blanca: Francisco Brines ist verstorben

  • Andrea Beckmann
    vonAndrea Beckmann
    schließen

Spanien trauert um Francisco Brines. Der aus Oliva (Valencia) stammende Dichter ist am 20. Mai an den Folgen einer OP verstorben.

Oliva - Der mehrfach ausgezeichnete und hoch angesehene Valencianer Francisco Brines zählt zu den bedeutendsten Dichtern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Erst am 12. Mai hatte er noch König Felipe VI. und Letizia in seinem Landhaus Elca in Oliva empfangen, wo ihm das Königspaar den Cervantes-Preis überbrachte, mit dem er vergangenen November ausgezeichnet worden war. Dieser Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in der spanischsprachigen Welt. Nach Bekanntwerden seines Todes ordnete Valencias Ministerpräsident Ximo Puig eine dreitägige Trauer für die Region Valencia an. Ganz Spanien trauert.

OlivaSpanien
Autonome RegionValencia
LandkreisSafor
Fläche 59,93 km2
Einwohner25.224 (2020)

Brines‘ Leichnam wurde am Samstag im Rathaus seines Geburtsortes Oliva aufgebahrt. Dort fanden sich von 10 bis 18 Uhr nicht nur unzählige Einwohner des Ortes ein, um sich von dem Dichter zu verabschieden. Auch Politiker aus Valencia und Madrid, Schriftsteller, Dichter und Künstler fanden den Weg nach Oliva, um Brines die letzte Ehre zu erweisen. Zu den Trauergästen zählten unter anderem Kulturminister José Manuel Rodríguez, Landtagspräsident Enric Morera, der valencianische Kulturminister Vicent Marzà, der Präsident der valencianischen Provinzverwaltung, Toni Gaspar, die Generaldirektorin für Kultur, Carmen Amoraga, sowie Olivas Bürgermeister David González. Den Weg nach Oliva fanden außerdem zahlreiche Freunde des Verstorbenen, zu denen die Künstlerin Carmen Calvo, die Dichter Carlos Marzal und Vicente Gallego, der Schriftsteller Fernando Delgado, die Schauspielerin Rosana Pastor und der Direktor des Instituto Cervantes zählten.

Als „großzügig“, „umgänglich“ und „guten Freund, der immer bereit war zu helfen, wenn man ihn brauchte“ bezeichneten ihn ihm nahestehende Freunde und Bekannte. Kulturminister Rodríguez sagte, „mit ihm ist ein guter und intelligenter Mensch von uns gegangen, der von allen sehr geliebt wurde“. Sein Tod bedeute „den Verlust von einem der großen universellen Dichter.“ Er sei ihm zuletzt bei der Übergabe des Cervantes-Preises am 12. Mai begegnet. Brines sei „überaus vergnügt und brillant“ gewesen und habe seinen „messerscharfen Verstand“ bewiesen.

Francisco Brines: Der Dichter zählte zu den ganz Großen der spanischen Gegenwartslyrik

Das Königspaar schrieb: „Wir werden Francisco Brines in unseren Herzen behalten und die unvergesslichen Momente, die wir vor wenigen Tagen mit ihm verbracht haben, nicht vergessen. Er hat uns mit seiner grandiosen Menschlichkeit sein Haus und seine Gedanken geöffnet und uns an seiner Poesie teilhaben lassen. Danke Francisco.“

Valencias Landesvater Ximo Puig sagte: „Kurz vor seinem Tod gab ihm seine Familie ein Blatt Papier und einen Kugelschreiber. Darauf schrieb Francisco nur: ‚Os quiero’ (Ich liebe euch)“.

Francisco Brines gehörte zu den ganz Großen der spanischen Gegenwartslyrik. Vom Rampenlicht hielt er sich aber bewusst fern, gab sich bescheiden. „Das Geheimnis der Poesie ist, dass du sie zwar schreibst, aber nicht wählst. Sie bemächtigt sich deiner. Du weißt nicht, was du sagen wirst, und dennoch bringst du etwas aufs Papier. Es ist etwas sehr Seltsames.“ So antwortete Brines einmal einer Journalistin der Zeitung „El País“, als die ihn nach der Essenz seines Schaffens fragte.

Brines gehörte der Generation der 1950er Jahre an. Zu dieser Zeit herrschte in Spanien ein rauer Wind. Die Wunden des Bürgerkriegs zehrten an dem Land. Auch in der Literatur gab es nüchterne Töne, nicht allein wegen der Zensur.

Viele Lyriker der 27er-Generation, die das Land vor dem Bürgerkrieg geprägt hatten, flüchteten ins Exil. Erst den Vertretern der Nachfolgegeneration wie Brines gelang es, das entstandene Vakuum in der Lyrik wieder zu füllen. Entgegen der Propagandamaschinerie des Regimes und den sozial kritischen Literaten jener Zeit suchte die Generation der 1950er Jahre einen intimen Ton. Im Mittelpunkt ihrer Gedanken standen nicht System und Gesellschaft, sondern der Mensch an sich.

Auch in den Werken von Francisco Brines kommt das Trauma Spaniens jener Jahre kaum vor. Im Jahr 1959 veröffentlichte er mit nur 27 Jahren seinen ersten Gedichtband „Las Brasas“, der bis zu seinem Tod eines der bedeutendsten Werke des Lyrikers bleiben sollte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare