Eine Krankenschwester impft eine Patientin gegen das Coronavirus.
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Die Impfungen gegen Covid gehen nicht immer ihren vorgegebenen Weg.

Impfskandal weitet sich aus

Costa Blanca: Auch Dénias zweite Bürgermeisterin illegal geimpft

  • vonAndrea Beckmann
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Erst vor kurzem sorgten verschiedene Bürgermeister an der Costa Blanca für Schlagzeilen, weil sie sich gegen Sars-CoV-2 impfen ließen, obwohl sie noch längst nicht an der Reihe waren. Nun sorgt der Impfskandal um Dénias zweite Bürgermeisterin, Cristina Morera, für Aufsehen.

Dénia - Dénias zweite Bürgermeisterin, Cristina Morera (PSOE), hat am Mittwoch ihren Rücktritt aus der Stadtregierung bekannt gegeben. Die Verantwortliche für Gesundheit und Soziales hatte sich nicht gerade sozial verhalten, als sie sich am 12. Januar in der städtischen Seniorenresidenz Santa Llucía gegen das Coronavirus impfen ließ, obwohl sie noch längst nicht an der Reihe war. Mit ihrem Rücktritt gab sie nun dem Druck der Opposition nach. Die kreidet Morera vor allem auch an, dass sie sich nicht aus freien Stücken zu dem Fauxpas bekannte, sondern ihr Vorpreschen bei der Impfung von der spanischen Presse aufgedeckt wurde. Cristina Morera wird als „die verschwiegene Stadträtin“ in Erinnerung bleiben. Sie ist die erste Kommunalpolitikerin im Kreis Marina Alta an der Costa Blanca, die wegen einer voreiligen Covid-Impfung freiwillig abgedankt hat. Die Bürgermeister von Els Poblets und El Vergel, die sich mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert sehen, halten derweil noch an ihren Ämtern fest.

Marina Alta Landkreis in Spanien
Region Valencia
ProvinzAlicante
HauptstadtDénia
Fläche 759,3 km2
Einwohner 175.310

Nach dem Impfskandal in Dénia: Cristina Morera zieht die Konsequenzen und tritt von ihren Ämtern zurück

Bereits am Dienstagabend hatte die Juristin während dem Impfskandal ihre Ämter an Bürgermeister Vicent Grimalt (PSOE) delegiert, sagte aber, sie denke noch nicht an einen Rücktritt. Vielmehr wolle sie abwarten, wie das Landesgesundheitsministerium in Valencia zu den Fällen von Impfungen stehe, die außer der Reihe vorgenommen worden seien. Keine 24 Stunden später teilte sie der Presse bei einer Videokonferenz aber mit, sie habe sich letztendlich für den Rücktritt entschieden. Sie habe einen Fehler begangen und dafür wolle sie gerade stehen.

Cristina Morera hat sich bei der Impfung gegen Sars-CoV-2 vorgedrängt.

Morera entschuldigte sich. Sie habe nicht weiter nachgedacht, als sie am 12. Januar um 20 Uhr von der Gesundheitsbehörde angerufen worden sei und man ihr mitgeteilt hätte, es seien Impfdosen übrig. Sie könne sich impfen lassen, wenn sie in 15 Minuten in der Seniorenresidenz sei. Die Frage, ob mit ihr noch andere Personen geimpft worden seien, obwohl sie wie sie keiner Risikogruppe angehören, bejahte Morera. Sie wollte aber aus Datenschutzgründen keine Namen nennen. Dénias Opposition fordert eine lückenlose Aufklärung. Vor allem sei zu prüfen, ob darunter auch andere Morera nahestehende Personen aus der Kommunalpolitik seien. Die scheidende Politikerin bekräftigte, sie werde auf die zweite Impfung, die in Kürze fällig werde, verzichten und sich künftig nach dem Protokoll der Gesundheitsbehörde richten.

Dénias Impfskandal veranlasst indirekt betroffene Journalistin, an die Öffentlichkeit zu gehen

Dénias Impfskandal hat die Journalistin Veronica Mengual zu einem offenen Brief veranlasst. Die Mutter von zwei kleinen Kindern, macht darin ihrem Ärger Luft, dass von „übrig gebliebenen“ Impfdosen die Rede sei, während viele Personen, die einer ständigen Ansteckungsgefahr ausgesetzt seien und Risikogruppen angehörten, wegen mangelnder Impfdosen leer ausgingen. Ihr Mann sei seit nunmehr sieben Jahren als Gärtner in Dénias Seniorenresidenz angestellt, wo es Infektionen durch SARS-CoV-2 gegeben habe. „Er wurde als einziger Mitarbeiter der Einrichtung nicht geimpft, obwohl er sich dort täglich dem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt hat“, schreibt sie. Nun habe er sich mit Coronavirus infiziert und die beiden Kinder angesteckt. Obendrein leide er noch sehr stark an den Symptomen von Covid-19.

Derweil halten die PSOE-Bürgermeister Ximo Coll (El Verger) und Carolina Vives (Els Poblets), die sich ebenfalls außer der Reihe impfen ließen, weiterhin an ihren Ämtern fest. Während sich die Bürgermeisterin von Els Poblets nicht zu den Vorfällen äußern will, sagte Coll, er habe nichts rechtswidriges getan. Aus diesem Grund werde er nicht von seinem Amt zurücktreten. Das Landesgesundheitsministerium hat ihm die zweite Impfung zeitnah verwehrt, seine Partei ein Disziplinarverfahren eingeleitet und ihm für die Dauer die Mitgliedschaft entzogen.

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