Ein Mann geht an einer geschlossenen Bar vorbei.
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Nachtleben an der Costa Blanca vor dem Aus: Inhaber befürchten, dass ihre Lokale für immer geschlossen bleiben werden.

Alptraum ohne Erwachen

Nachtleben an der Costa Blanca: Club-Betreiber in Existenzangst

  • vonStella Kirchner
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An der Costa Blanca geben immer mehr Diskotheken und Pubs auf. Unternehmer aus Calpe und Alicante berichten, wie sie von der Politik im Stich gelassen werden. 

Calpe - Ein Papier, das in Spanien über die komplette Existenz entscheidet: Ist es ein Gastronomiebetrieb Café, Restaurant, Pub oder Diskothek? Während die ersten beiden das große Los gezogen haben und – unter Beachtung einiger Coronavirus-Schutzmaßnahmen – öffnen dürfen, müssen die Letzteren ihre Türen seit August geschlossen halten. Ihrer Wut über die scheinbar ungerechten Regeln haben Barbetreiber aus Calpe an der Costa Blanca gemeinsam mit der Gastronomievereinigung Alroa aus Alicante in einem offenen Brief an den valencianischen Ministerpräsident Ximo Puig Luft gemacht.

CalpeKleinstadt in Spanien
Höhe59 Meter
Fläche23,51 km²
Bevölkerung29.718 (2011) (Instituto Nacional de Estadística)

Calpes Nachtleben wegen Corona vor dem Aus: Keine Einnahmen, aber Steuern

„Wir Barbetreiber dürfen nichts verdienen, müssen aber trotzdem Grundsteuern, Selbstständigen- und Sozialversicherungsbeiträge an Spanien zahlen“, beklagt Laia Romero aus ihre Situation. Sie betreibt einen der ältesten Pubs in Calp. Seit 45 Jahren bewirtet das Familienunternehmen „The Irish Sea Tavern“ die Calpinos. Das Lokal gehört zu Calpes Nachtleben einfach dazu. Sie schätzt, dass höchstens die Hälfte der 17 als Nachtlokale – also Pubs und Diskotheken – der Stadt an der Costa Blanca die Coronavirus-Pandemie überleben werden.

Dabei sei die Situation in Calpe verhältnismäßig positiv für die Betreiber. An anderen Orten der Costa Blanca sehe es hingegen ganz anders aus. „Das Rathaus hat angeboten, die Konzession unserer Pubs oder Diskotheken in die von Cafés umzuändern. Durch die neuen Uhrzeiten und das veränderte Angebot erreichen wir natürlich längst nicht so viele Gäste wie vor Corona, aber ich bin dankbar dafür, dass die Gemeinde mir eine Perspektive gibt“, freut sich die Unternehmerin über die Unterstützung. Selbst Betriebe, die öffnen dürfen, verzeichnen hohe Ausfälle, weil Touristen wegbleiben. Diese Erfahrung machte auch Café-Inhaberin Chiara Kübisch aus Calpe, die demnächst in der Soap Goodbye Deutschland zu sehen sein wird.

Coronavirus Costa Blanca: Politik lässt Gastronomen weitestgehend im Stich

Außerdem muss das von den Coronavirus-Richtlinien gebeutelte Nachtleben in Calpe weniger für die Müllabfuhr zahlen, die Abgabe für Terrassen fällt komplett weg und sie bekommen monatliche Hilfen in Höhe von 1.200 bis 2.000 Euro. „Diese Unterstützung hilft gemeinsam mit meinen Ersparnissen, dass ich mich noch ein paar Monate über Wasser halten kann. Allein meine Miete kostet aber 5.000 Euro“, macht Romero deutlich, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Im Gegensatz zur Gemeinde helfe die Landesregierung in Valencia den Kleingewerben kaum, so die Calpina. „Wir möchten dem Ministerpräsidenten und der Generalitat durch den Brief klarmachen, wie ernst die Situation ist. Sie können nicht einfach alles dicht machen, ohne einen Plan, wie die Gastronomie überleben kann.“

Die Alicantiner Vereinigung der Pub- und Diskobesitzer, Alroa, geht in ihren Schätzungen der Schäden für das Nachtleben an der Costa Blanca sogar noch weiter. „Nach aktuellen Umfragen überlegen 60 bis 70 Prozent der Inhaber in der Provinz daran, ihr Lokal zu schließen“, weiß Fernando Tomás, Sprecher des Vereins. Das sei ein spanienweiter Rekord. „Galicien, Asturien, Katalonien, Madrid, Aragon und Murcia haben zum Beispiel weitreichende Corona-Hilfen an Betriebe des Nachtlebens gezahlt. In Katalonien müssen Inhaber zum Beispiel nur die Hälfte der Miete zahlen. Für viele Kollegen an der Costa Blanca ist das eine so große Ausgabe, dass sie über kurz oder lang aufgeben müssen“, berichtet der Sprecher der Alicantiner Vereinigung. Auch von der spanischen Regierung käme keinerlei Hilfe.

Gastronomiebetriebe der Costa Blanca protestieren: „Spanien schuldet uns Geld“

Selbst bereits versprochene Coronavirus-Hilfen für die Selbstständigen kämen nicht an, so Tomás. „Die Mehrheit der Angestellten und Geschäftsführer wartet noch auf Erte-Zahlungen. Und gleichzeitig wird uns seit Frühjahr – mit einer Unterbrechung von wenigen Wochen – verboten zu arbeiten“, ärgert er sich. Alroa geht bereits – unterstützt unter anderem von den Mitgliedern in Calp – gerichtlich gegen die Corona-Maßnahmen vor.

„Es fehlt jegliche Dokumentation, dass eine Ansteckung mit dem Coronavirus im Pub wahrscheinlicher ist als im Café oder Supermarkt. Seit August ist das Nachtleben dicht und die Infektionszahlen steigen und steigen“, beklagt der Alicantiner. „Wir wollen die Pandemie stoppen, aber die Regierung darf nicht vergessen, dass hinter jedem Lokal auch eine Familie steckt, die versorgt werden muss“, appelliert Tomás.

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