Häuser in Ruinen am Strand vor dem Meer in Spanien
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An der Costa Blanca schwinden Strände: Prominentes Beispiel ist die Playa Babilonia in Guardamar.

Mittelmeer-Küste in Spanien

Strände schwinden an Costa Blanca - Von Klimawandel und Bausünden

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Die Strandsiedlung von Guardamar kämpft im neuen Kollektiv Mediterrania ums Überleben. Die Erosion an der Playa Babilonia und an ähnlichen Stellen entstehe durch fatale Konstruktionen an der Küste, erklären Bewohner. Doch ideologische Vorurteile erschweren eine Lösung.

Guardamar – Warum schwinden an der Costa Blanca bestimmte Strände so rasch? Wegen des Klimawandels, mahnen einige Ökologen. So einfach sei die Antwort aber nicht, entgegnet Mediterrania, ein neues Kollektiv von Anwohnervereinen und Umweltschützern. Der Grund für den fatalen Verlust von Stränden wie etwa an der in Trümmern liegenden Siedlung Playa Babilonia in Guardamar seien Bausünden an der Küste, fehlerhaft konstruierte Sporthäfen und Ufermauern etwa. Diese Sicht stellte Anfang Juli für Mediterrania Manuel López, der Vorsitzende der Babilonia-Bewohner, im Parlament des Landes Valencia vor.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Strände schwinden an Costa Blanca: Bausünden statt Klimawandel, sagen Bewohner

Keine allzu willkommene Antwort erhielt die Playa Babilonia Ende Juli. Die Stadt Guardamar verkündigte, dass sie mit dem Land Valencia und dem Küstenamt von Madrid den Abriss eines der stark beschädigten Häuser durchführen werde - mitsamt eines Stücks der Straße, die zwischen Strand und Kiefernwald über die Dünen führt. 120 Meter Strand würden dadurch wiedergewonnen werden. Für die Bewohner der Strandsiedlung an der Costa Blanca ist das jedoch keine nachhaltige Lösung der Strand-Erosion. Sie hatten Ende 2020 die Verwaltungen wegen mangelnder Reparatur der Straße verklagt. Die Entscheidung dazu ist bisher offen.

Nicht die Siedlung an der Küste oder der Klimawandel seien der Grund für das Schwinden des Strandes, sondern eine fatale Bausünde: Der 1991 gebaute Wellenbrecher an der Flussmündung - etwas weiter im Norden - habe aus dem einstigen Urlaubsparadies das heutige Bild der Trümmer gemacht. Das betonen die Bewohner freilich seit Jahren und berufen sich dabei auf ein Dokument des spanischen Küstenamts, das ihr Sprecher Manuel López auch in Valencia vorlegte: Hier ist auf der Basis einer Studie davon die Rede, dass der Wellenbrecher die südliche Costa Blanca nachhaltig beschädigt habe.

Costa Blanca, Guardamar: Deutlich leitet die Mauer die Flusssedimente gen Norden statt nach Süden zur Playa Babilonia.

Strand-Erosion an der Costa Blanca: Bewohner im Teufelskreis

Der Grund: Der Wellenbrecher an der Mündung des Flusses Segura sei so gebogen, dass die aus dem Hinterland ins Meer gelangenden Sedimente sich nicht, wie die Natur es vorsieht , an der Küste absetzen. Das jedoch ist notwendig für den Erhalt der Strände, die stattdessen immer stärker schwinden. In der Strandsiedlung Playa Babilonia macht sich die Erosion besonders bemerkbar. War das Meer vor Jahrzehnten noch Dutzende Meter von den Häusern entfernt, schlagen mittlerweile vor allem bei Unwettern die Wellen gegen die Gebäude und machen sie nach und nach kaputt.

Ein Teufelskreis ergibt sich für die Bewohner der Strandsiedlung im Süden der Costa Blanca: Laut Konzession dürfen sie ihre Häuser nicht äußerlich reparieren. Zudem sind die Konzessionen 2018 abgelaufen. Playa Babilonia schwebt seitdem in der Ungewissheit. Die Bewohner wollen ihre Häuser unbedingt retten. In der Politik finden sie jedoch keinen Bündnisparter, der ihnen helfen würde. Liegt es auf konservativer Seite möglicherweise an geringem ökologischen Interesse, spielen auf linker Seite ideologische Vorurteile eine Rolle. Die Babilonia-Häuser gingen auf die Franco-Diktatur zurück, heißt es seitens kritischer Stimmen in Guardamar öfters.

Strand-Erosion an Costa Blanca: Ideologische Vorurteile verhindern Lösung

Dem widersprechen die Konzessionäre: Ihre Siedlung sei in der Zweiten Spanischen Republik, also noch vor dem Bürgerkrieg entstanden. Wahr ist: Seit 1934 erteilte das republikanische Bauministerium Konzessionen für die ersten Häuser am Strand von Guardamar. Allerdings wurden die Lizenzen für die Strandhäuser noch bis 1965, also weit in die faschistische Diktatur hinein, vergeben. Daraus - so die Anwohner - stammten die Vorurteile, dass die Konzessionen etwas mit Franco zu tun haben könnten. Durchaus scheint die Ideologie mitzuschwingen im nicht enden wollenden Drama um die Strandsiedlung an der Costa Blanca.

Strandhäuser in Glanzzeiten - Die Siedlung Babilonia auf einem Schwarz-Weiß-Foto.

Möglicherweise auch beim Besuch des Babilonia- und Mediterrania-Sprechers Manuel López in Valencia. Im Landesparlament hätten die regierenden Sozialisten, Linksalternativen und Linksnationalen (PSOE, Podemos und Compromís) nicht auf seine Argumente hören wollen. Stattdessen hätten sie die Debatte „einzig auf den Klimawandel“ zu lenken versucht, so der Jurist. Dabei gibt es laut Mediterrania an der valencianischen Küste - in Dénia, Nules, Almassora, Arenales oder La Safor - ganz ähnliche Fälle, wo wegen Bausünden, vor allem wegen fehlerhafter Konstruktionen von Sporthäfen, Strände auf massive Weise schwinden.

Die linken Parteien – davon ist Anwohnersprecher Manuel López überzeugt – wollten davon ablenken, dass es Sozialisten waren, die vor 30 Jahren die folgenschweren Bausünden an der spanischen Küste begingen. Zumindest haben die in der Stadt Guardamar, in der Region Valencia und im Moncloa-Palast in Madrid regierenden Sozialisten nun Initiative ergriffen. Zwar korrigieren sie nicht den vor 30 Jahren möglicherweise falsch gebauten Wellenbrecher in Guardamar. Jedoch reißen sie ein Haus und einen Teil der Straße in der Siedlung ab, die wegen der enormen Strand-Erosion in den vergangenen Jahrzehnten schwere Schäden davongetragen hat.

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