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Pinguin-ähnliche Vögel stranden an Costa Blanca: Nach Gewittern über Atlantik

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Von: Stefan Wieczorek

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Ein schwarzweißer Vogel flattert auf den Wellen eines Gewässers.
Vögel an Costa Blanca gestrandet: Der Tordalk erinnert an den Pinguin, ist aber eine ganz andere Art. © Sergio Arroyo/Ahsa

Eine hohe Zahl schwarzweißer Vögel sorgt an Torreviejas und Orihuelas Stränden für Aufsehen. Mit Pinguinen sind die Die Tordalke nicht verwandt, aber durch ein erstaunliches Evolutions-Prinzip verbunden.

Torrevieja – Pinguine an der Costa Blanca? So weit ist es noch nicht gekommen, obgleich ein entsprechendes Gerücht derzeit die Soziale-Netzwerk-Runde macht. Der kompakte Vogel mit dem schwarzweißen Gefieder, kleinen Flügeln und kurzen, ganz unten am Leib entspringenden Beinchen, der im Herbst an Stränden im Raum Torrevieja gehäuft fotografiert wurde, ist keineswegs ein Südpol-Bewohner, jedoch eine bemerkenswerte Art: Der Tordalk, der einzige noch lebende Vertreter der Gattung Alca, ist in großen Schwärmen an Spaniens Mittelmeerküste bei Alicante gestrandet - wohl wegen Stürmen und Gewittern über dem Atlantik.

Costa Blanca: Pinguin-ähnliche Vögel an Küste gestrandet

Nicht nur Besucher der Strände der Costa Blanca wundern sich über die große Zahl der schwarzweißen, an Pinugine erinnernden Vögel an der Mittelmeerküste. Auch aufmerksame Naturbeobachter – allen voran die Feuchtgebiet-Freunde Ahsa – machen auf das Phänomen aufmerksam und suchen Erklärungen. Hunderte dieser Atlantik-Vögel sollen laut „Información“ bereits Ende November in Torrevieja und Umgebung gesichtet worden sein. Was verwundert, ist diese Menge. Denn der Tordalk ist im Herbst und Winter hierzulande kein absoluter Exot und lässt sich vor allem zwischen dem Kap von Santa Pola und der Mündung des Segura in Guardamar gern mal blicken – aber eben nur vereinzelt.

Nun jedoch ist der Pinguin-ähnliche Besucher auffällig präsent, das allerdings in keinem allzu guten Fitnesszustand. Unterernährt und geschwächt erreichen die Alca-Vögel die Strände Torreviejas und Orihuelas, liegen tot im Sand oder werden gerade noch gerettet. Ein solches Vorkommnis auf der Playa La Glea erzählte neulich der Blog Crónicas Naturales des Biologen Juan Antonio Pujol aus Torrevieja. Doch auch an sehr unüblichen Stellen – in der Umgebung des Club Náutico etwa – tauchten die Tordalke im laufenden Herbst auf. Normalerweise sind der hohe Norden, Neufundland oder die Westküste Grönlands das Zuhause der Art, die aber von Natur aus weite Strecken zurücklegt, vor allem beim Wechsel der Jahreszeiten.

Vögel an Costa Blanca: Mehr auf unseren Seiten

Kein typischer Vogel der spanischen Mittelmeerküste ist der Tordalk und ließ sich in den vergangenen Jahren an der Costa Blanca höchstens vereinzelt blicken. Im Winter schwärmen insbesondere die jungen Alcas aber durchaus gen Süden bis an die Atlantikküste Marokkos. Diese Gruppe wurde offenbar in diesem Jahr vermehrt bis in die Mittelmeerregion gedrängt. Wodurch? Durch starke Gewitter über dem Atlantik, meinen Kenner wie Biologe Pujol. Doch ohne weiteres fänden die Tordalke an der Costa Blanca keine sichere Zuflucht. Da sie geschwächt und hungrig seien, gerieten sie leicht in Köder oder Netze von Freizeit- und Profifischern.

Alte Verwechslungen: Mit Pinguin nur im Prinzip verbunden

Beim Auffinden eines solchen Vogels, daran erinnert Juan Antonio Pujol, müsse die Stelle Centro de Recuperación in Alicante (Telefon 965 938 085) kontaktiert werden, denn es handelt sich um eine geschützte Tierart. Der Tordalk ist der einzige noch lebende Vertreter der Gattung Alca, nachdem im 19. Jahrhundert der Riesenalk ausstarb. Dieser beeindruckende Atlantik-Vogel war – anders als das aktuell gesichtete Tier – flugunfähig und sorgte mit seinen Merkmalen schon vor Jahrhunderten für Verwechslungen mit dem Pinguin. Mit dem Pinguin sind die Alca-Vögel jedoch weder verwandt noch verschwägert, aber durch ein erstaunliches entwicklungsgeschichtliches Prinzip verbunden: die konvergente Evolution, oder auch Parallel-evolution.

In verschiedenen Teilen der Erdkugel – hier Norden, dort Süden – passten sich unverwandte Arten auf ähnliche Weise an ihre ökologischen Bedingungen an. Wie Sergio Arroyo von Ahsa in der Zeitschrift „La Matruca“ beschreibt, weisen der Tordalk und der Pinguin Merkmale von Tieren auf, die gänzlich an das Leben im Meer angepasst sind und das Wasser nur verlassen, um sich fortzupflanzen. Das Schwarz und Weiß der Federn etwa ist – hier wie dort – ein Schutz gegen fliegende und schwimmende Raubtiere. Die Art, wie Tordalke tauchen, könne hingegen mit Kormoranen verglichen werden.

Nicht die Vogelgruppe: Warten auf Vogelschutzgebiet

Noch vor 20 Jahren seien die Alcas typische Besucher im Winter an der Costa Blanca gewesen. Warum es zum Rückgang kam, sei bisher nicht geklärt. Jedenfalls, so Ahsa, sei der Tordalk – anders als viele Atlantik-Vögel – nicht in großen Massen der Vogelgrippe zum Opfer gefallen. Im Zusammenhang mit den neuen Sichtungen klagten die Naturfreunde ferner, dass die Mündung des Segura, einer der bevorzugten Winterurlaubsorte unseres Nicht-Pinguins, noch kein EU-Vogelschutzgebiet ist.

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