Am Strand sind Bagger vor einer Siedlung bei der Arbeit.
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Bagger graben Dünen um: Ausgerechnet am jungfräulichen Strand der südlichen Costa Blanca.

Strände in Spanien

Bagger graben Dünen um: Ärger am jungfräulichen Strand im Süden der Costa Blanca

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Ausgerechnet der Sand von den unbebauten Dünen in El Altet soll einen Abriss am Meer überdecken. Anwohner sind empört: Aber wirklich nur aus Umwelt-Gründen?

Elche – Immer wieder wird es von Umweltschützern auch an der Costa Blanca betont: Dünen sind Lebensräume für zarte Wesen, um die man – gerade in der Nistzeit gefährdeter Vögel – einen Bogen machen solle, geschweige denn, sie zu betreten. Aber was ist denn da kürzlich am Dünenstrand schlechthin, in El Altet, passiert? Schwere Bagger rollten an und gruben ein klaffendes Loch in der sandigen Landschaft aus. Dem Ärger nicht genug: Es war eine Maßnahme des spanischen Küstenamts, im Auftrag der Stadt Elche. Der ausgegrabene Sand soll die Grube zuschütten, die nebenan in Arenales mit dem Strandhotel-Abriss entstand.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Costa Blanca: Bagger graben Dünen um - Ärger am Strand

4.500 Kubikmeter Sand der Playa im Süden der Costa Blanca gruben die Bagger aus. In einigen Wochen, erklärte die Stadt Elche, würden Wind und Sand von selbst das gewohnte Bild auf dem jungfräulichen Strand nahe des Flughafens „Miguel Hernández“ von Alicante wiederherstellen. Aber einige Anwohner und Naturschützer sind empört und protestierten mit Bannern gegen einen „Anschlag“ auf die Umwelt ihrer Dünen-Landschaft. Ausgerechnet die Stadt, die den Naturschutz so betont und wo die grüne Partei Compromís mitregiert, richte nun den jungfräulichen Strand übel zu, hieß es in El Altet.

Seitens der Anwohner gingen wegen des Bagger-Einsatzes am Strand bereits Anzeigen an die Staatsanwaltschaft und die Naturschutzbrigade Seprona der Guardia Civil raus. Denn das Ausgraben des Sandes der Dünen verstoße, so die Protestler, gleich gegen mehrere Schutzmechanismen: Gegen Spaniens Küstengesetz, den valencianischen Umwelt-Aktionsplan Pativel sowie auch gegen den Landesschutz einer archäologischen Stätte, die sich ganz in der Nähe der Baustelle am Dünenstrand befindet. Allerdings: Die Umwelt ist nicht unbedingt der einzige Antrieb des Widerstands.

Gefundenes Fressen gegen Valencias Grüne

Denn angeführt wird der Protest an den jungfräulichen Dünen von der Partei Altet Decide. Diese ist allerdings weniger für Ökologie bekannt als dafür, die Unabhängigkeit des Flughafen-Vororts anzustreben. Eine Umweltsünde der in der Stadt Elche und im Land Valencia mitregierenden Grünen scheint da ein gefundenes politisches Fressen zu sein. Nichts Neues sind an der Costa Blanca sowieso vermeintliche Umwelt-Proteste, die sich aus ideologischen Motiven gegen die grüne Compromís und Verbündete richten. Ganz in der Nähe findet sich ein Beispiel, das mit dem Bagger-Einsatz direkt zu tun hat.

Ausgerechnet im Nachbar-Bezirk Arenales del Sol, wo der in El Altet ausgegrabene Sand die Grube am Strand überdecken soll, protestierten nämlich neulich Anwohner: Nach dem Abriss des Hotels hätte die Stadt lauter Trümmer und Eisenteile im Boden gelassen. Bei näherem Hinsehen handelte es sich bei dieser Protest-Gruppe allerdings nicht um deklarierte Umweltschützer, sondern um Vertreter von Spaniens neuer Rechtspartei, España Suma. Auch gegen die laufenden Sanierungsarbeiten im Kiefernwald, der sich bis Guardamar erstreckt, schossen konservative Gegner der grünen Compromís zuletzt scharf.

Extra früh mit Graben begonnen: Aber Bilder bleiben

In Person von Umweltstadträtin Esther Díez (Compromís) widersprach die Stadt Elche den Vorwürfen von Altet Decide. Gesetzlich gehe bei dem Bagger-Einsatz auf den Dünen alles mit rechten Dingen zu. „Nur ein Prozent“ des Sandes vom jungfräulichen Strand El Altet sei betroffen. Die Arbeit sei extra früh gestartet worden, um das Nisten bedrohter Vögel nicht zu stören, versprach die grüne Politikerin, die an der Stelle des abgerissenen Hotels ein Naturschutzgebiet am Meer errichten will.

Doch bleiben die Bilder der Bagger, die mitten in den Dünen Löcher schaufeln, nun in den Köpfen der Menschen. Genauso wie Argumente wie „es sind ja nur ein Prozent“. Grüne hin oder her: Ob eine solche Botschaft wohl hilfreich ist, um Besucher zur Rücksicht mit dem sandigen Lebensraum zu animieren?

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