An einem Gitterzaun betrachtet ein Paar eine Baustelle am Meer.
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Abriss von Straße am Meer in Guardamar: Am Horizont ist der tückische Wellenbrecher zu erkennen.

Umwelt an Spaniens Küste

Straße am Meer an Costa Blanca abgerissen: Strand (noch) nicht gerettet - Abschied von Codorníu

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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In Guardamar beobachten wir das nahende Ende der Strandsiedlung Babilonia. Eine Lösung der Probleme des Küstenabschnitts ist aber nicht in Sicht. Zumindest nicht im Sinne eines historischen Ingenieurs, Umweltschützers und Esperantisten.

Guardamar – 120 Meter Küste zurück in den Naturzustand. Das klingt gut und macht auch vor Ort Eindruck. Stück um Stück reißen die Arbeiter an der Playa Babilonia die Calle Ingeniero Codorníu ab. Näher am Meer kann eine Straße gar nicht verlaufen als hier im Süden der Costa Blanca. Direkt auf den Dünen gebaut, führt sie hinter den alten Strandhäuschen entlang. Im Einklang bröckeln sie fort, die Siedlung und die Straße, die an ihr entlangführt. Wird der Abriss den schwindenden Strand retten?

Ricardo Codorníu y StáricoIngenieur, Umweltschützer, Esperantist
Geboren:6. Juni 1846 in Cartagena
Gestorben:26. September 1923 in Murcia (77 Jahre alt)

Costa Blanca: Straße am Meer abgerissen

Wir beobachten das schleichende Ende eines einstigen Aushängeschildes der Costa Blanca. Vor weniger als zehn Jahren warb Guardamar noch mit Postern der Strandsiedlung Playa Babilonia: Eine fröhliche Häuserreihe zwischen einem traumhaften Strand voller Dünen und einem üppigen Kiefernwald. Nun liegt der Traum in Trümmern. Die Häuser sind durch die Stranderosion schwer beschädigt und dürfen nicht repariert werden, auch wenn ihre Pächter das liebend gern täten. Nach und nach fallen die Häuschen, zuletzt das am Ende der Straße Ingeniero Codorníu.

Bepflanzung vom Wald am Meer in Guardamar: Ingenieur Codorníu (zweiter von links) war ein Kopf der Aktion.

Ein offenes Geheimnis ist, dass die Stadt Guardamar am liebsten nicht nur die 120 Meter, sondern die ganze Siedlung in den Urzustand versetzen würde. Ein einziges Sorgenkind ist diese Playa Babilonia, und mit ihr die Pinada, der langgestreckte Wald an der Küste. Nur 22 Prozent der Bäume seien noch gesund, stellte vor einigen Monaten eine erschreckende Studie der Region Valencia fest. 51 Prozent hätten ernste Symptome, 27 seien tot oder nicht mehr zu retten. Ein entscheidender Grund: die Versalzung des Bodens, bewirkt durch die Erosion des Strandes.

Bewohner von Strandsiedlung: Erst Korrektur von Flussmündung

Wahre Genies hatten vor 120 Jahren den Wald gepflanzt. Abertausende Bäume wurden auf die Dünen gesetzt, um die Stadt vor dem Untergang im Sand zu retten. Ein Kopf dieser historisch einmaligen Aktion war Ingenieur Ricardo Codorníu aus Cartagena. Zuvor hatte Spaniens erster Umweltschützer, wie man über ihn sagt, bereits das Gebirge Sierra Espuña in der Region Murcia mit Wäldern bepflanzt. Nach Codorníu ist die Straße am Meer benannt, die nun abgerissen wird. Er, „Apostel der Bäume“ genannt, wäre vielleicht sogar glücklich über den Abriss am Strand. Wenn es denn eine nachhaltige Lösung für die Küste wäre.

Aber dem sei nicht so, mahnen die Anwohner. Unbedingt müsse die in den 90ern umgeleitete Flussmündung korrigiert werden: Allem voran der falsch gebogene Wellenbrecher am Hafen. Erst dann würden der Strand nicht mehr so dramatisch erodieren, die Häuser nicht einstürzen und die Bäume nicht erkranken. Doch auf die Bewohner hört keiner. Ingenieur Codorníu hätte das getan. Als Freund der Bäume, der Probleme an der Wurzel anpackte. Aber auch als Esperantist, also als Förderer des Esperanto: der „Hoffnungs“-Sprache, die allen Menschen der Welt dazu dienen sollte, sich Gehör zu verschaffen.

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