Ein Mann und eine Frau klatschen vor einer Wand mit Plakette.
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Costa Blanca: Schule benennt alle „Straßen und Plätze“ nach Frauen: Neue Plaza Antonia Mecha.

Spanien feiert Weltfrauentag

Costa Blanca: Straßen mit Frauennamen - Lila Ausflugstipp in Elche

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Eine Schule an der Costa Blanca stellt zum Weltfrauentag ein „feministisches Dorf“ dar, wo alle Straßennamen weiblich sind. Doch auch die Stadt Elche führt mit „lila Routen“ zu bedeutenden Frauen. Ein Ausflugstipp, der viele Wege des Kampfes für Gerechtigkeit aufzeigt.

Elche – Städte, in denen alle Straßen und Plätze nach Männern benannt sind, dürfte es an der Costa Blanca oder in Spanien kaum noch geben. Dennoch erzählen die meisten Straßennamen nur eine Hälfte der Geschichte: die männliche. Für mehr weibliche Präsenz im Stadtbild tritt Elche seit Jahren ein. 2017 präsentierte die Stadt „lila Routen“ - mit lauter Straßen, die Frauennamen tragen. Mehr zu diesem Ausflugstipp weiter unten. Indes ging die weiterführende Schule IES Carrús zum Weltfrauentag 2021 noch weiter. In einem „feministischen Dorf“ erhielten Räume und Flure Namen historischer Persönlichkeiten - allesamt Frauen.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
Autonome RegionComunidad Valenciana
ProvinzAlicante

Costa Blanca: Wo alle Straßen und Plätze nach Frauen benannt sind - Schule ehrt Rosa Luxemburg

Alice Guy zum Beispiel gab einer der „Straßen“ an der Schule in Elche den Namen. Die Französin war Ende des 19. Jahrhunderts die erste Filmregisseurin der Welt. Auch Rosa Luxemburg, die polnisch-russische Vorkämpferin der europäischen Arbeiterbewegung, lernten die Schülerinnen und Schüler der Costa Blanca dank des Straßennamen-Projekts kennen. Eine weitere „Straße“ wurde nach Wangari Maathai benannt. Die 2011 gestorbene Kenianerin brachte es zur Professorin, Wissenschaftlerin und sogar zur Umweltministerin. Ein großer Erfolg für eine Frau in dem afrikanischen Land.

Bei der feierlichen Kundgebung zum Weltfrauentag am 8. März enthüllte die Schule an der Costa Blanca ferner die Plakette des neuen „Platzes“ Antonia Mecha Campello. Bei dieser Frau handelt es sich um ein Opfer des spanischen Bürgerkrieges aus Elche. Sie stammte aus ärmlichen Verhältnissen, doch erreichte durch große Aufopferung das Medizinstudium. Unterbrochen wurde es durch den Krieg. Da sie aktiv - wenn auch keineswegs radikal - auf der Seite der Franco-Gegner stand, wurde sie verhaftet und jahrelang festgehalten und gefoltert. Dadurch erlitt sie schwere psychische Schäden, die sie bis zum Tod 2005 nicht mehr loswurde.

Costa Blanca: Straßen und Plätze nach Frauen benannt - Lila Ausflugstipp Elche

Eine Stadt, wo alle Straßen und Plätze nach Frauen benannt sind, können wir an der Costa Blanca bisher nicht bieten. Allerdings einen Ausflugstipp zu den fünf „lila Routen“ - „Rutas Lilas“ - in Elche, die mehr oder weniger bekannte, doch stets beachtliche Frauen vorstellen. Wie etwa Clara Campoamor, die das Frauen-Wahlrecht erkämpfte. An der Schule, die ihren Namen trägt, startet Route eins, auf der man über die Straße von Miguel Hernández’ Witwe Josefina Manresa zum Pavillon von Esperanza Lag gelangt, einer spanischen Gymnastik-Meisterin, die ihren Sport für Jungen öffnete. Die Pädagoginnen Mari Cruz, Marúa Maeztu, Celia Lozano und María Goyr führen schließlich zum Weltfrauentagsplatz 8 de Marzo.

María Belmonte und Frasquita Vázquez - zwei Sozialistinnen - umrahmen die zweite „Lila Route“ zu Straßen und Plätzen, die wie famose Frauen heißen. Es folgen Poetin Carmelina Sánchez und Komponistin Matilde Salvador, die auf Valenciano schrieben. Eine einfache Lehrerin und sechsfache Mutter in schwierigen Elcher Zeiten war María Selva. Victoria Kent, deren Namen die Schule am Ende der Route trägt, gründete Spaniens erstes Frauengefängnis. Auf Route vier sind eine Straße und ein Park nach ihr benannt. Einen solchen hat auch Regisseurin Pilar Miró, eine Schule dagegen die Journalistin Montserrat Roig. Die Calle Kent kreuzt die von Mutter Teresa, der Helferin der Ärmsten in Kalkutta, bevor Clara Campoamor wieder zurückführt.

Costa Blanca: Straßen und Plätze ehren Frauen - Viele Wege der Gerechtigkeit

Zuvor stellte die dritte lila Route von Elche die Aktivistin María García sowie die Hausfrau Asunción Parreño vor. Beide wurden sie zu Opfern im spanischen Bürgerkrieg. Nieves Berenguer kämpfte 20 Jahre gegen die Krankheit ALS. Der schöne Platz Plaza de la Aparadora ehrt dagegen - mit einer liebevoll geschaffenen Statue - die Schuhnäherinnen aus der Stadt Elche.

Route fünf eröffnet Ordensfrau Josefa Alcorta. Fernanda Santamaría war Schatzmeisterin des Altenheims San José, Concepción Arenal Sozialaktivistin, die als Mann gekleidet Jura studierte. Über die Straßen von Königin Victoria geht es auf den Platz einer waschechten Elcherin: Als „die Feuerfeste“ gilt Lola Gonzálvez wegen ihres Einsatzes im Anwohnerverein und gegen häusliche Gewalt. Die „Lila Routen“ zu weiblichen Straßen und Plätzen zeigen neben dem echten Leben von Elche abseits der touristischen Routen, wie verschiedenartig der Einsatz für Gerechtigkeit ausschauen kann - nicht nur an der Costa Blanca.

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