Tierschutz in Spanien

Auf Lanzarote getöteter Hund Timple mobilisiert Tierschützer an Costa Blanca

  • vonAnne Thesing
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Zu schlaffe Strafen für Tierquäler in Spanien? Auch an der Costa Blanca gibt es Protestwelle und Demonstrationen nach grausamer Tat an Timple auf Lanzarote. 

  • Der Hund Timple wurde am 18. Juli in Teguise auf Lanzarote zu Tode gequält.
  • Die Tat hat Tierschützer in ganz Spanien auf den Plan gerufen.
  • Tierschützer fordern eine Verschärfung und konsequentere Anwendung der Tierschutzgesetze.
  • Nach Dénia am 17. August demonstrieren Tierschützer am Sonntag, 6. September, in Jávea.

Lanzarote/Costa Blanca - Ein Hund mobilisiert ganz Spanien – auch die Costa Blanca. Er hieß Timple und kam am 18. Juli, einem der heißesten Sommertage, auf grausame Art und Weise in Teguise auf Lanzarote ums Leben. Timple war ein Straßenhund, streunte bereits seit Jahren durch die Gegend. Er ließ sich mangels Vertrauen zum Menschen nicht von Tierschutzorganisationen fangen, störte aber auch nicht weiter, man gab ihm sogar zu essen. Den Namen Timple erhielt er, weil so die Straße heißt, in der er sich meistens aufhielt.

Am 18. Juli bestätigte sich Timples mangelndes Vertrauen in den Menschen. Er wurde von einem Mann und einer Frau an den Beinen gefesselt, bekam ein blaues Klebeband um die Schnauze geheftet und erstickte qualvoll in der prallen Sonne. Die Täter nahmen die letzten Minuten auf Video auf, das Video ging durch die Netzwerke und löste großes Entsetzen aus.

Auch in Dénia demonstrierten Tierschützer für „Gerechtigkeit für Timple“.

Hund auf Lanzarote getötet: Tierschützer entsetzt über niedrige Strafe für Quäler von Timple

Ein Entsetzen, das in Wut umschlug, als das Urteil gefällt wurde. „Die Mörder von Timple bekamen ein schnelles Strafverfahren, das mit einer Strafe von vier lächerlichen Monaten ausging“, schreibt CBN-Leserin Sonja Rosenberg aus San Fulgencio der Redaktion. Vier Monate Haft, die sie mangels Vorstrafen nicht absitzen mussten - und daher zu wenig, finden Tierschützer. Demonstrationen für eine Verschärfung der Gesetze gibt es seitdem in ganz Spanien. In San Fulgencio zum Beispiel, so Rosenberg, wurden ein Protestvideo aufgenommen und eine Schweigeminute eingelegt.

Am 17. August wurde auch in Dénia protestiert, wo viele Tierschützer aktiv sind, am Sonntag, 6. September, gehen die Tierschützer in Jávea auf die Straße. Beginn ist um 19 Uhr am Paseo del Arenal (gegenüber dem Restaurant Los Remos la Nao). Organisiert wird die Demonstration unter anderem von der Tierschutzplattform der Marina Alta, Pama, gefordert werden schärfere Strafen für Tierquäler. „Ein Tierschutzgesetz gibt es, aber die Strafen sind zu gering“, sagt eine der Pama-Vertreterinnen, Jeane Feitosa. Der Fall Timple sei nur ein Beispiel von vielen. Das Problem: Wer keine Vorstrafen habe, komme bei bis zu zwei Jahren ungeschoren davon. So wie im Fall Timple. „Erst bei der zweiten Tat können die Schuldigen nicht mehr entkommen“, sagt sie und hofft, dass immer mehr Menschen gegen diese Ungerechtigkeit auf die Straße gehen, Fälle anzeigen und sich der Problematik bewusst werden.

Tierschutzpartei Pacma: Timple-Fall darf sich nicht wiederholen

Tierschutz ist in Spanien längst ein hochpolitisches Thema, was klassische Beispiele wie der Streit um die Stierkämpfe zeigen. So nahm sich der Timple-Thematik auch die spanische Tierschutzpartei Pacma an, die bei der Zentralregierung eine Reform des Strafgesetzbuches forderte, damit Tierquäler nach ihrer Tat auch wirklich ihre Haftstrafe absitzen müssen.  So ein „furchtbarer Fall“ wie der von Timple dürfe sich nicht ohne eine beispielhafte Strafe wiederholen“, schreibt Pacma und schlägt vor, dass die Tierquäler mit mehr als zwei Jahren Haft bestraft werden, damit sie diese Haftstrafe auch wirklich absitzen müssen. Zurzeit sei es „praktisch unmöglich, dass eine Person ohne Haftstrafe wegen Tiermisshandlung ins Gefängnis kommt“.

Auch Grace Boas vom Tierschutzverein Pluto in Teulada, die sich immer wieder für gequälte und unter unwürdigen Bedingungen gehaltene Tiere einsetzt, findet, dass sich etwas ändern muss. Ihrer Meinung scheitert es vor allem an der Umsetzung bestehender Tierschutzgesetze – und das schon auf lokaler Ebene. Als Beispiel nennt sie den Fall von Hunden, die in Teulada auf einem Grundstück ohne Schatten in einem Zwinger eingesperrt sind und der Hitze durch das Verkriechen in eine noch heißere Betonhütte zu entfliehen versuchen. „Wir können die Polizei nicht bewegen, dorthin zu gehen. Sie sagen, sie seien wegen des Coronavirus überlastet“, so Boa, die andere Gründe vermutet. „Das Hauptproblem ist, dass niemand wegen Tierangelegenheiten mit anderen Probleme haben will.“ Worunter das schwächste Glied in der Kette, das Tier, zu leiden hat.

Rubriklistenbild: © Jeane

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