An einem Strand mit Dünen stehen zwei Schilder aus Holz.
+
Costa Blanca: Die toten Fische lagen an Stränden nördlich der Segura-Mündung, hier Guardamar.

Umwelt in Spanien

Tote Fische an Stränden der Costa Blanca: Ursache Ersticken - wegen Dünger oder Gewitter

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
    schließen

Was löste in Guardamar das massenhafte Fischsterben aus? Eine außergewöhnliche Beobachtung spricht für Sauerstoffmangel. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt hat jedoch eine andere Erklärung parat: das Wetter.

Guardamar - Für ein Bild des Grauens sorgten im Süden der Costa Blanca Anfang Oktober tausende tote Fische an den Stränden von Guardamar und Elche. Die Ursachen dafür sind bisher nicht eindeutig geklärt. Doch bestehen Hinweise darauf, dass Sauerstoffmangel im Fluss zum Ersticken der Fische führte. Wie bei der Umweltkatastrophe vom Mar Menor könnten dabei hohe Dünger-Mengen im Wasser eine Rolle gespielt haben. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt (CHS) bestätigt diese These aber nicht und vermutet ein Unwetter als Auslöser. Sicher ist: Durch eine schädliche Emission vergiftet wurden die vielen Fische nicht.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Tote Fische an Stränden der Costa Blanca: Ursache war kein Gift

Als bekannt wurde, dass Unmengen toter Fische an den Stränden der südlichen Costa Blanca lagen, untersuchten Experten des für den Fluss Segura zuständigen Wasserwirtschaftsamtes die betroffenen Stellen, begutachteten die toten Tiere - zum Großteil Meeräschen - und entnahmen an der Mündung des Segura in Guardamar Wasserproben. Das Ergebnis: Eine punktuelle Einleitung giftiger Schadstoffe, etwa durch ein in der Nähe ansässiges Unternehmen, hat nicht zum Fischsterben geführt. Eine solche Vermutung hatten zuvor nicht wenige Bürger auf Sozialen Netzwerken geäußert.

Insbesondere im alten Flussbett des Segura in Guardamar entnahmen die CHS-Experten nach dem massenhaften Fischsterben die Proben. Dort nämlich stauen sich in der Regel alle möglichen Überbleibsel, die in der Umgebung des Flusses in den Bewässerungskanälen für die Äcker landen. Tonnenweise Plastik etwa muss das Wasserwirtschaftsamt auf dem letzten Stück vor dem Meer regelmäßig aus dem Fluss holen. Eine giftige Einleitung habe aber nicht zum Tod der Fische geführt, betont auch CHS-Ausschussmitglied José Cascales auf Nachfrage. „Unser Umwelt-Fachmann untersucht dort das Wasser so gut wie jeden Tag.“

Fische besonders in Zeiten von Eiablage bedroht

Auch Proben, die im Fluss entnommen wurden, bevor die Fische an den Stränden lagen, wiesen keine Anomalien auf. Was aber könnte zum ihrem Tod geführt haben? Beobachtern fiel zuletzt auf, dass das CHS eine erhöhte Menge Wasser durch das alte Flussbett schickte. Normalerweise ist der Strom dort sehr langsam. Das Wasser steht beinahe. In den Tagen nach dem schaurigen Zwischenfall floss es jedoch recht flott. Das Wasserwirtschaftsamt wollte damit wohl die Sauerstoffmenge im Fluss erhöhen. Das spräche für Eutrophierung als Ursache des massenhaften Fischsterbens bei Guardamar. Demnach wären die Fische erstickt.

Mit Eutrophierung bezeichnet man das künstliche Überfüllen von Ökosystemen mit Nährstoffen, meist durch Zufluss aus Kläranlagen und intensiv gedüngten Äckern. Am Mar Menor kam es so zur Katastrophe für Umwelt und Wirtschaft. An der Segura-Mündung sind diese Einleitungen zwar geringer als in der Region Murcia. Doch nutzt auch die Landwirtschaft der Costa Blanca ein System, wobei dasselbe Wasser bis zu dreimal dieselben Äcker bewässert, bevor es im Fluss landet. Ein Nachteil dieser traditionellen Technik ist die hohe Dünger-Menge im Wasser, die zum Sauerstoffmangel und Ersticken von Fischen führen kann.

Gelangen viele Düngemittel-Reste in den Fluss, während das Wasser wie im frühen Herbst aktuell noch warm ist, wuchern bald Pflanzen und Algen an der Oberfläche. Das Sonnenlicht wird gekappt, der Sauerstoff im Wasser wird geringer und reicht für Fische bald nicht mehr zum Überleben. Besonders vom Ersticken bedroht sind Meeräschen in Zeiten der Eiablage, wenn sie viel Sauerstoff brauchen, wie offenbar zur Zeit. Zum massenhaften Sterben der Art kommt es im Segura an der Costa Blanca durchaus häufiger. Nur löst ein solcher Fall, wohl wegen der Umwelt-Katastrophe im Mar Menor, derzeit einen erhöhten Alarm aus.

Costa Blanca, Guardamar: Deutlich leitet die Mauer die Flusssedimente gen Norden statt zu den Stränden im Süden.

CHS sieht keinen Zusammenhang mit Wellenbrecher

Dass die Fische im Bereich der Segura-Mündung erstickt sind, scheint sicher. Doch eine andere Erklärung als Eutrophierung bringt José Cascales vom Wasserwirtschaftsamt in Murcia vor. „Unsere Umwelt-Fachleute glauben, dass ein Unwetter an der Küste eine Menge Sand in die Mündung spülte, was zum Tod der vielen Fische führte“, sagt das CHS-Ausschussmitglied. Diese Version sei die aktuell wahrscheinlichste Theorie, wenn auch nach wie vor keine endgültige Erklärung. In diesem Fall fragen wir: Hat vielleicht die Biegung des Wellenbrechers an der Mündung etwas mit dem Unheil zu tun?

Denn wie im Rahmen der starken Erosion der Strände von Guardamar geschrieben, ist der um 1990 errichtete Wellenbrecher im Süden der Costa Blanca sehr umstritten. So gebogen, dass er regelmäßig die Ablagerung der Sedimente aus dem Fluss an der Küste verhindert, könnte die Mauer vielleicht auch bei dem Unwetter wie eine Schaufel gedient und den Fischen in der Mündung durch die große Menge Sand und Schlamm zusätzlich Sauerstoff genommen haben. Das Problem des Wellenbrechers sei ihm bekannt, antwortet José Cascales. Doch einen Zusammenhang mit den toten Fischen könne er nicht bestätigen.

Insgesamt scheint es, dass nicht ein einziger Faktor, sondern die Kombination mehrerer zum massenhaften Tod der Fische an der Mündung des Segura führte. Es spricht jedoch auch viel dafür, dass sich das grausige Bild an den Stränden der südlichen Costa Blanca wiederholen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare