An einem Sandstrand mit Palmen und Wohnblocks im Hintergrund spielen Kinder, baden Personen und sonnen sich Gruppen unter Sonnenschirmen.
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Mittlerweile hat sich der Costa-Blanca-Tourismus in Moraira etabliert - in den 50er Jahren sah es hier anders aus.

Pionierin des Spanien-Tourismus

Tourismus an der Costa Blanca: Wie die erste britische Urlauberin Moraira aufmischte

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Es waren die 50er Jahre und Moraira war noch ein kleines, vom Tourismus verschontes, unbekanntes Fischerdorf in Spanien. Umso mehr Aufsehen erregte die Britin Evelyn Dewhurst, als sie sich in den Ort an der Costa Blanca verliebte.

Teulada-Moraira - Es war noch nicht viel los in dem heute bei In- und Ausländern so beliebten Moraira. Wenige Häuser standen hier, allenfalls der ein oder andere wohlhabende Tourist aus der Hauptstadt der Region Valencia, der dieses „wilde Stück Land“ entdecken wollte, verirrte sich in die Gegend. Es gab ein einziges Telefon bei der Fischereigenossenschaft, viel Landwirtschaft, von der noch heute die Weinfelder zeugen, eine ärmliche Bevölkerung und so gut wie keinen Kontakt zum Ausland. Vom Tourismus war in diesem Fischerdorf an der Costa Blanca in Spanien noch nichts zu spüren.

Tourismus an der Costa Blanca: Zwei Welten in Moraira

Und dann kam sie: die Britin Evelyn Dewhurst. Sie trug Hosen und war auch sonst anders. Sie kam aus dem Ausland an die Costa Blanca, hatte Geld, spielte Tennis, war 1926 bei Wimbledon dabei, im gemischten Doppel trat sie damals mit dem persönlichen Sekretär Winston Churchills, Eliot Crawshay, an ihrer Seite an. Als die damals 54-Jährige 1956 erstmals in das noch völlig Tourismus-unerfahrene Moraira kam, trafen zwei Welten aufeinander.

„Sie hat die Zeit des Tourismus, wie wir ihn heute kennen, eröffnet“, sagt Jordi Giner, Soziologe aus Gata de Gorgos, der vor knapp zehn Jahren eher zufällig bei der Vorstellung eines Buches über die Integration europäischer Immigranten in Teulada an der Costa Blanca auf diese 1993 verstorbene Persönlichkeit stieß. Vicente Vallés von den Kulturfreunden Teuladas erzählte ihm von dieser schillernden Person aus Moraira und besorgte weitere Kontakte. Giner, der als Dozent an der Universität von Valencia arbeitet, veröffentlichte ihre Geschichte schon 2014 in der Zeitschrift Aguaits in Spanien.

Jordi Giner vor dem Haus der Señora Fuz, eine der ersten Touristinnen in Moraira an der Costa Blanca.

Eine Britin entdeckt Moraira - und legt den Grundstein für Tourismus an der Costa Blanca

„Die Gesellschaft in der Marina Alta war damals sehr konservativ“, sagt Giner. Und trotzdem offen genug, um die meist allein reisende, unabhängige, emanzipierte und eher Frauen zugeneigte Britin, die sich 1957 ein Haus in Morairas Portet-Bucht kaufte, herzlich aufzunehmen. „Sie war ein kleiner Skandal, aber das erlaubte man, da sie nicht aus Spanien kam und außerdem Wohlstand mitbrachte.“ Den Wohlstand einer Tourismusbranche, die noch in den Kinderschuhen steckte und vom heutigen Massentourismus etwa an den zehn schönsten Stränden der Costa Blanca noch weit entfernt war.

Weswegen Evelyn Dewhurst sich auch ganz anders und sehr viel intensiver in die Gesellschaft, die sie in Moraira vorfand, einfügen musste als spätere Besucher aus dem Ausland. Ohne Spanischkenntnisse wäre sie nicht weit gekommen, „sie verstand sogar Valenciano und sprach einige Wörter“, sagt Giner. „Sie kannte die Spitznamen der Menschen hier, hatte viel Kontakt zu ihnen, bestellte ihre Möbel in örtlichen Werkstätten. Sie wurde zu einem Teil der Bevölkerung.“ Verhaltensweisen, die der Soziologe vor allem im Vergleich mit den Integrationsproblemen vieler britischer Residenten an der Costa Blanca von heute interessant findet.

Tourismus an der Costa Blanca: Erstes „Bead and Breakfast“ in Moraira

Es war eher ein Zufall, der die Britin, die in Moraira in Anlehnung an den Namen ihres Hauses unter dem Namen Señora Fuz bekannt war, in den abgelegenen Küstenort der Costa Blanca brachte. Eigentlich hielt sie sich in Calpe auf, von wo aus sie Moraira entdeckte und es offenbar lieben lernte. In ihrem Haus nahm sie „Bead and Breakfast“-ähnlich Urlauber auf und belebte so den Tourismus in Spanien, veranstaltete Fiestas, ihr Leben spielte sich fortan zwischen Großbritannien, wo sie mittlerweile eine Tennisschule betrieb, und Moraira ab.

Vermutlich hat ihr Aufenthalt das kleine Fischerdorf Moraira auch unter anderen Briten bekannt gemacht, die hier heute eine der begehrtesten Urlauber-Nationalitäten sind. Das Leben und die Bräuche der Britin ließ sich Jordi Giner unter anderem von einer ihrer Landsfrauen und Freundinnen, Susan Richardson erzählen. Beide besuchten Moraira bis Anfang der 1980er Jahre und waren damit Vorboten eines Residenzialtourismus, der das Küstendorf und die gesamte Costa Blanca von Grund auf verändern sollte. Und doch waren sie so anders als alle, die nach ihnen nach Spanien kamen.

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