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Spenden für Ukraine: Flaggen-Demo an Costa Blanca gegen den Krieg

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Von: Stefan Wieczorek

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Gegen Russlands Krieg in der Ukraine protestieren am Sonntag ab 17 Uhr internationale Residenten auf der Promenade von Orihuela Costa. Auch Spenden werden gesammelt. In Torrevieja wird die Auswanderer-Harmonie derweil auf eine harte Probe gestellt.

Update, 3. März: Flagge zeigen gegen den Krieg in der Ukraine. Das wollen die Nationen von Orihuela Costa tun. Am Sonntag, 6. März, veranstalten die Vereinigung der Ukrainer mit der Partei PIOC im Küstenbezirk eine internationale Demo. Eingeladen ist jeder, ob Ukrainer, Russe, Engländer, Deutscher, Österreicher, Schweizer, Pole. Gern sollen die Teilnehmer ihre Flaggen und Nationalfarben mit einpacken, um damit zu zeigen: Die internationale Community will den Frieden. Die Ukraine sei nicht allein. Auch Spenden können abgegeben werden. Ein Truck für die Ukraine ist kürzlich von der südlichen Costa Blanca aufgebrochen. Gebraucht werden warme Kleidung, Medikamente, Desinfektionsmittel, unverderbliche Lebensmittel und dergleichen. Wer nicht sicher ist, was am ehesten notwendig ist, kann bei den Veranstaltern unter der Nummer 604 38 81 83 (auch Whatsapp) auf Spanisch oder Englisch nachfragen. Los geht es auf der Promenade der Playa Flamenca um 17 Uhr.

TorreviejaStadt in Spanien
Bevölkerung:82.842 (1. Januar 2021)
Provinz:Provinz Alicante

Costa Blanca vor Flüchtlingswelle wegen Ukraine-Krieg

Torrevieja - Der militärische Angriff von Russland auf die Ukraine hat in Spanien die Costa Blanca in den Vordergrund gerückt. Denn in der Stadt Torrevieja wohnen besonders große Gemeinden russischer (siehe Artikel über das „kleine Russland“) und ukrainischer Auswanderer friedlich neben- und miteinander. Von den 82.842 gemeldeten Bewohnern sind 4.484 Russen (5,41 Prozent) sowie 3.203 Ukrainer (3,87 Prozent). Für ein deutliches Anwachsen vor allem der zweiten Gruppe macht sich Torrevieja aufgrund der erwarteten neuen Flüchtlingswelle bereit. Am Sonntagmittag fand in der Stadt eine große Protest-Demo gegen Wladimir Putins Krieg statt - organisiert durch die ukraninische Vereinigung, aber mit Vertretern verschiedener Nationen.

Erste kleinere Proteste gegen Russlands blutigen Angriff auf die Ukraine hatte es an der Costa Blanca bereits in den vergangenen Tagen gegeben, in Elche etwa. Dass an der großen Demo der Ukrainer am Sonntag in Torrevieja auch Russen teilnehmen würden, hatten sie frühzeitig gegenüber Bürgermeister Eduardo Dolón (PP) angekündigt. Dieser emping am Freitag gemeinsem mit der Stadträtin für internationale Residenten, Gitte Lund, Vertreter der ukraninischen und russischen Vereinigungen von Torrevieja. In ihrer Abneigung gegen Wladmir Putins Krieg gegen die Ukraine seien sich alle Beteiligten einig gewesen. Das Rathaus sicherte auch angesichts der anstehenden Flüchtlingswelle den Ukrainern Solidarität und Unterstützung zu.

Torreviejas Bürgermeister Eduardo Dolón sei sich dessen bewusst, dass in den kommenden Tagen tausende Ukrainer Spanien erreichen würden, denen man notwendige Aufenthaltsgenehmigungen erteilen müsse. Deshalb habe das Rathaus im Süden der Costa Blanca bereits mit der Nationalpolizei Kontakt aufgenommen, um die entsprechenden Verfahren zu erleichtern. Auch bereite die Stadt sich darauf vor, Lebensmittel und Medikamente für Betroffene des Krieges in der Ukraine zu schicken. Ferner kündigte der Bürgermeister an, am Sonntag am Protest gegen Wladimir Putins militärischem Angriff teilzunehmen. (Zum Thema: Was der Russland-Ukraine-Konflikt für Spaniens Wirtschaft bedeutet.)

Wut und Trauer: „Was heute die Ukraine ist, ist morgen Europa“

Die Vertreterin der ukraninischen Bewohner von Torrevieja, Natalia Zhezhnyauska, brachte ihre große Sorge und Trauer über die Lage in ihrem Heimatland nach dem Angriff Russlands zum Ausdruck. „Wut“ empfinde sie. „Was da passiert, geht einfach nicht in den Kopf“. Die Ukrainerin rief die die europäischen Staaten dazu auf, ihrer angegriffenen Heimat zu helfen - nicht zuletzt aus Eigeninteresse, denn: „Was heute die Ukraine ist, ist morgen Europa“. Über Wladimir Putin sagte Zhezhnyauska: „Dieser Typ wird nicht einfach so stoppen. Da bin ich sicher.“ Bewusst habe er in den vergangenen Monaten einen „künstlichen Konflikt“ erschaffen. Die Ukrainerin sei gegen jeden Krieg, aber „wenn jemand mit Waffen auf unser Gebiet kommt, müssen wir uns verteidigen.“

Auch Vertreter der russischen Bewohner von Torrevieja sicherten der Ukraine - laut Bürgermeister Eduardo Dolón - völlige Unterstützung und Solidarität zu. Das gelte sowohl für Tatiana Semenova von der Vereinigung GLOBUS als auch für Sergei Mogielenskii und Peter Andreusevich von Mir Odin. Schließlich, das betonen Spaniens Medien im Rahmen des aktuellen Ukraine-Konflikts häufiger, sei nicht nur die Provinz Alicante mit ihren 25.000 Russen und 21.000 Ukrainern, sondern insbesondere Torrevieja geradezu vorbildlich, was das Zusammenleben von Ukrainern und Russen anbelangt. Im Alltag seien in der Stadt der 123 Nationen politische Einstellungen nur Nebensache, meinte der Bürgermeister.

An einem Tisch sitzen zwei Frauen und ein Mann.
Natalia Zhezhnyauska (links) in Torreviejas Rathaus: „Was heute die Ukraine ist, ist morgen Europa“ © Rathaus Torrevieja

Gemeinsame Festivals und Schulen: Aber auch Putin-Befürworter

Als Beispiele nannte Eduardo Dolón „viele gemeinsame Events und Festivals“ der russischen und ukraninischen Bewohner im Süden der Costa Blanca. Ferner lernten Russen und Ukrainer in einer Samstags- und Sonntagsschule gemeinsam Russisch und erlangten Sprachzertifikate. Noch in die 1970er, also Zeiten der Sowjetunion, reicht die Entstehung der russischsprachigen Gemeinde von Torrevieja. Heute lebt bereits die dritte, oder gar die vierte Generation jener Auswanderer in der Stadt im Südosten Spaniens. Aber hält die vermeintlich perfekte Harmonie in der internationalen Residentenstadt? Der blutige Konflikt in der Ukraine ist eine Zerreißprobe, wie sie die Bewohner aus den verschiendenen Nationen noch nicht erlebt haben.

Das genaue Hinsehen und Hinhören zeigt: Keineswegs gibt es unter russischsprachigen Bewohnern der spanischen Mittelmeerküste nur Proteste gegen Wladmir Putins (seit zwei Jahrzehnten praktizierte) autoritäre, demokratiefeindliche Politik. Verteidiger, ja Bewunderer von Russlands Präsidenten findet man auch an der Costa Blanca nicht wenige, obgleich sie sich in der Zeit des blutigen Konflikts in der Ukraine eher zurückhalten dürften. Die Agentur „Efe“ zitiert etwa Yuriy Tatarchenko, einen Ukrainer aus dem Donbass, der in Torrevieja residiert. Er sehe nicht Russland als schuldig an dem Krieg, sondern die Angriffe der ukraninischen Militärs auf seine Heimatregion. Putin sei dazu gezwungen gewesen, zu intervenieren.

Konflikt brodelt auch an Costa Blanca

Der Ukrainer von der Costa Blanca weiter: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe lieber Kontakte zu Deutschland, Frankreich oder den USA aufrechterhalten als zu den eigenen Bewohnern. Das habe sich nun gerächt. Damit verwendet Yuriy Tatarchenko ein Narrativ, das dem von Wladimir Putin nahe kommt. Wie viele Menschen auch in Spanien würden dem zustimmen? Unterschwellig brodelt der Konflikt sicher auch unter den Menschen von Torrevieja, zumal in der Stadt der vielen Nationen Auswanderer aus anderen Staaten der früheren Sowjetunion wohnen. 177 Georgier etwa. Ihr Land hatte bereits 2008 erlebt, wie Wladimir Putin einmarschierte - und der Westen bis heute nichts tat als ihm zuzusehen.

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