Vor einem gegen das Sonnenlicht fotografierten Gebirge erhebt sich eine Palme.
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Im Süden der Costa Blanca sei das Gebirge von Orihuela durchaus vulkanischer Art, jedoch sei ein Vulkanausbruch ausgeschlossen, meint Experte Martínez-Campillo.

Natur in Spanien

Vulkan an der Costa Blanca? Experte benennt reale Gefahr

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Zwar weist das Gebirge im spanischen Orihuela vulkanische Merkmale auf. Ein zerstörerischer Ausbruch wie in La Palma sei dort laut eines Geologen aber nicht zu erwarten. Erdbeben seien die viel größere Bedrohung. Ein Beitrag mit Ausflugstipp zum Gipfel, der sich nicht zum Vulkan entwickelte.

Orihuela – Kann sich das Unglück des Vulkanausbruchs von La Palma in Orihuela wiederholen? Vorstellbar ist das Bild durchaus: Lava-Ströme, die am Fuß des Gebirges die Stadt erfassen, danach langsam und zerstörerisch auch die Tiefebene des Segura. Fehlt allerdings noch eines: Ein Vulkan. Ein solcher soll sich tatsächlich über der Stadt im Süden der Costa Blanca erheben. Davon ist unter Bewohnern seit langem die Rede, umso mehr aber nach dem Ausbruch auf Spaniens Kanareninsel. Doch was ist dran an dieser Vermutung? Nicht mehr als ein Funke Wahrheit, sagt ein Experte und benennt eine reelle Gefahr: Erdbeben.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

„Vulkan“ an Costa Blanca: Experte benennt reelle Gefahr

Der vermeintliche Ausbruch eines Vulkans in Orihuela hatte schon einmal Panik ausgelöst. „Flüsse aus Lava verschlingen auf ihrem Weg alles, worauf sie stoßen“, beschrieb 1859 eine Zeitung aus Murcia katastrophale Zustände in der Nachbarstadt in der südlichen Costa Blanca. Der Vulkanausbruch war jedoch eine absolute Falschnachricht. In Zeiten ohne Whatsapp und Co. dauerte es eine Woche, bis sich im Volk die Unruhe wieder legte. Doch es waren auch von Naturkatastrophen gezeichnete Zeiten. Schließlich hatte nur 30 Jahre zuvor das schwere Erdbeben Teile des Kreises Vega Baja verwüstet.

Nicht ganz so abwegig wie der 1859 gemeldete Vulkanausbruch sei dagegen die vulkanische Beschaffenheit des Gebirges von Orihuela. Das erklärte nun eine Experte in Sachen Vulkane, Joaquín Martínez-Campillo, in einem Beitrag auf „Vega Baja Digital“. Der Delegierte der illustren Geologenkammer der Region Valencia verwies dabei auf den Gipfel Cerro del Oriolet, der sich im Ostteil der Stadt über dem Viertel San Antón mit dem herrlichen Palmengarten erhebt. Dort oben sei nicht zufällig in einem historischen Steinbruch der Costa Blanca metabasisches Gestein gewonnen worden.

Zurück zu Ursprüngen: Als die Costa Blanca vom Meer bedeckt war

Metabasisch, das bedeutet geochemisch einfach aufgebautes, doch einer Metamorphose ausgesetztes Gestein. Das im früheren Steinbruch von Orihuela gewonnene Material wurde zum Herstellen von Pflastersteinen verwendet, erinnert der Vulkan-Experte in seinem Online-Beitrag. Was hat es mit diesem Gipfel im Süden der Costa Blanca aber genauer auf sich? Dazu müsse man die Entstehung des Gebirges von Orihuela betrachten, erklärt Joaquín Martínez-Campillo. „In der Trias, vor 240 Millionen Jahren, war die Zone geografisch noch ganz anders beschaffen. Sie lag auf dem Grund eines nicht allzu tiefen Meeres.“

In jener Zeit setzte sich das Magma – die Lava im Erdinneren – nahe der Erdoberfläche fest und wurde von Sedimenten bedeckt. „Das war die Grundlage für das Entstehen des heutigen Gebirges von Orihuela.“ Vor 70 Millionen Jahren folgte dann die große Bewegung der Erdplatten. Afrika wanderte nach Norden, das Meer, das die damalige Costa Blanca bedeckte, weitete sich, und die unter Wasser geformten Felsen rückten beim Zusammendrücken unter die Oberfläche des eurasischen Kontinents. Bis vor acht Millionen Jahren hielt die Bewegung an und verschwand auch bis heute nicht ganz.

Vulkanisches Gebirge an Costa Blanca: Bei Regen füllt sich die Grube im Osten von Orihuela mit Wasser.

Mit einer Geschwindigkeit von fünf Millimetern im Jahr nähere sich die afrikanische Erdplatte Europa an. Das deformiere etwa die Berge von Orihuela. Experten könnten deutliche Spuren davon erkennen. Aber die Bewegung der Erdplatten führe besonders im Süden der Costa Blanca auch immer wieder zu Erdbeben. Die Gefahr eines zerstörerischen Bebens wie 2011 in Lorca, oder sogar eines größeren Tsunamis als im August sei bei weitem realer als ein Vulkanausbruch. „Der Gipfel Cerro del Oriolet weist vulkanische Merkmale auf, entwickelte sich aber nicht zum Vulkan“, fasst der Geologe zusammen. „So etwas nennen wir Subvulkanite.“

Wandern zum vulkanischen Gipfel

Der Cerro del Oriolet befindet sich im Ostteil des Gebirges von Orihuela. Am besten erreicht man ihn über die Nationalstraße N-340. Am östlichen Ende des Tunnels befindet sich ein Aussichtspunkt, der schöne Blicke über den Palmenpark von Orihuela bietet. Hier entspringt ein Pfad, der zum vulkanischen Hügel des ehemaligen Steinbruchs führt.

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