Drei Kinder in Gewändern stehen in einer Kirche vor brennenden Kerzen und einem Rednerpult.
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Tradition an der Costa Blanca: Seit 2011 treten in Teulada vor Weihnachten Sybille und die Engel auf.

Cant de la Sibil·la

Tradition vor Weihnachten: Jüngstes Gericht an der Costa Blanca - Abgesagt!

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Seit 2011 wird in Teulada vor Weihnachten wieder die Mittelalter-Tradition des Cant de la Sibil·la gelebt. 2020 machte Corona der Veranstaltung einen Strich durch die Rechnung - jetzt hofft die Costa Blanca auf den 23. Dezember 2021.

Update, 23. Dezember: Nun fällt der Cant de la Sibil·la in letzter Minute doch noch der neuen Coronawelle zum Opfer. Das Rathaus von Teulada hat bekannt gegeben, dass es wegen der verschärften Lage vorerst all Veranstaltungen in Innenräumen absagt. Als Erstes trifft es den Cant de la Sibil·la, der am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr stattgefunden hätte.

Erstmeldung 13. Dezember: Teulada-Moraira - Vieles fehlte im vergangenen Winter, um so richtig in Weihnachtsstimmung zu kommen. Auch in Spanien. Für die Teuladiner an der Costa Blanca war es unter anderem der Cant de la Sibil·la – eine mittelalterliche Gesangs-Tradition, die Teulada seit 2011 wieder in ihre kulturelle und religiöse Agenda aufgenommen hat, die aber 2020 wegen Corona pausieren musste.

TeuladaGemeinde in Spanien
Fläche32,24 km²
Höhe185 m
Bevölkerung10.722 (2018)
ProvinzProvinz Alicante
Postleitzahl03724, 03725

Tradition vor Weihnachten an der Costa Blanca: Sybille und die Engel

Dieses Jahr, genauer gesagt am Donnerstag, 23. Dezember, wollen Musiker und Tänzer mit ihren Klängen und Auftritten den Start in die Weihnachts-Feiertage wieder zu einem besonderen Ereignis an der Costa Blanca machen. „Mit der Ankündigung des Jüngsten Gerichts und der Ankunft des Retters“, sagt Rafa Soriano, künstlerischer Leiter der Inszenierung und Lehrer an Teuladas Musik-Konservatorium, das diese Tradition Jahr für Jahr umsetzt.

Denn genau das ist das Thema des Cant de la Sibil·la, an dem sich unter anderem die traditionelle Musikgruppe Colla El Falçó, die Blaskapelle AMCT, die Tanzgruppe Dansa de la Mort und, mit den wichtigsten Rollen, Schüler des Konservatoriums beteiligen. In diesem Jahr ist es Paula Vidal, deren glasklare Stimme die Rolle der Sibil·la, also der griechischen Prophetin Sybille, interpretiert, begleitet wird sie von den beiden Engeln Aitana Moragues und Álvaro Pérez. Eine verantwortungsvolle Aufgabe mit viel Tradition an der Costa Blanca, an die die Schüler langsam herangeführt werden. „Sie werden erst Engel, im nächsten Jahr zweiter Engel und danach Sibil·la“, sagt Soria über dieses ungewöhnliche Schauspiel vor Weihnachten.

Tradition aus dem Mittelalter wird Weihnachts-Highlight an der Costa Blanca

Der „Cant de la Sibil·la“ ist ein liturgisches Drama. Eine Tradition, die im Mittelalter weit verbreitet war und mittels der auch den einfachen Menschen religiöse Sachverhalte anschaulich wiedergegeben werden sollten. Was das im 16. Jahrhundert abgehaltene Konzil von Trient misstrauisch beäugte – lenkten doch die „Theater“, die zudem immer häufiger in der Volkssprache statt auf Latein vorgetragen wurden, von den eigentlichen Inhalten der Messe ab. „Das Konzil verbot sie daher“, sagt Soriana.

Doch auch wenn sie offiziell aus der Liturgie verbannt wurden, ließen sie sich offenbar nicht unterkriegen. Auch der „Cant de la Sibil·la“ nicht. Ihn gibt es nicht nur an der Costa Blanca. In Mallorca zum Beispiel, wo er, genauso wie das Schauspiel „Misteri d´ Elx“ im Süden der Costa Blanca mittlerweile immaterielles Weltkulturerbe der Unesco ist, hält er sich bis heute als wichtige Tradition. In Teulada wurde er 2011 auf Initiative des Colla-Falçó-Sekretärs Jaume Buigues wieder herausgekramt und mauserte sich jeweils kurz vor Weihnachten zu einem Highlight an der Costa Blanca, die auch darüber hinaus einiges in der Adventszeit zu bieten hat.

Tradition vor Weihnachten: Cant de la Sibil·la an der Costa Blanca.

Weihnachten an der Costa Blanca: Tradition unter Corona-Bedingungen

Konkret handele es sich bei dem Canto in Teulada um eine Komposition aus dem 16. Jahrhundert, sagt Soriana. Zirka 30 Minuten dauere der Gesang, bei dem sich der Satz „Am Tage des Jüngsten Gerichts wirst du sehen, wer seinen Dienst geleistet hat“ – auf Alt-Valenciano, versteht sich – immer wieder wiederhole. Doch die Traditions-Veranstaltung an der Costa Blanca, die in Teulada fester Bestandteil des Weihnachts-Programms ist, umfasst noch einiges mehr als diesen Gesang in der Kirche. Los geht es mit einem besonderen Glockengeläut und einem Umzug mit Espartogras-Fackeln. Es folgt der Todestanz, „Dansa de la Mort“, aufgeführt von der gleichnamigen Tanzgruppe. Eine schaurige Darstellung, die auf die Zeiten der Pest im 14. Jahrhundert - eine der zahlreichen Epidemien und Pandemien, die Spanien in seiner Geschichte quälten - zurückgeht „und zeigen soll, dass der Tod, den einer der Tänzer darstellt, irgendwann jeden von uns ereilt“, sagt Soriano. Erst dann geht es für den Cant de la Sibil·la in die Kirche.

Soriano hofft, dass die Corona-Entwicklung an der Costa Blanca der Tradition nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht. „Natürlich werden wir uns an alle geltenden Regeln halten, die nummerierten Plätze müssen zuvor reserviert werden, und abgesehen von den Blechbläsern werden auch die Musiker Masken tragen.“ Die Weihnachts-Stimmung wird das im zweiten Coronajahr sicherlich nicht trüben – zu sehr freut sich Teulada auf die Wiederkehr der Sybille.

Ablauf am 23. Dezember: 19.30 Uhr Glockenschlag, 19.35 Uhr Treffen auf der Plaza de los Porches, Fackelumzug bis zur Plaza de la Iglesia, 19.45 Uhr Dansa de la Mort, 20 Uhr Cant de la Sibil·la in der Kirche Santa Caterina. Plätze sind begrenzt, man muss sich anmelden unter xirimitersdeteulada@gmail.com. Infos: https://bit.ly/3DUolhA.

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