Ein Maure und ein Christ kämpfen vor einer Burg
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Viele Schlachten zwischen Mauren und Christen fallen in diesem Jahr aus.

Leerer Fiesta-Kalender

Spanischer Sommer ohne Fiestas: Absagen wegen Virus-Gefahr

  • vonAnne Thesing
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Das Coronavirus lähmt die Feierfreude: An der Costa Blanca und in ganz Spanien werden immer mehr Fiestas für 2020 wegen Covid-19-Gefahr abgesagt.

  • Rathäuser und Fiestakommissionen gehen auf Nummer sicher.
  • Spanien wird einen Sommer ohne seine bekannten und beliebten Fiestas erleben.
  • Von Moros y Cristianos bis hin zu den Bous a la Mar hagelt es Absagen.

Valencia/Marina Alta – Es sind keine überraschenden Entscheidungen, trotzdem dürften sie vielen Spaniern wehtun, treffen sie doch mitten ins Fiesta-Herz. So macht Covid-19 in diesem Jahr auch der ausgeprägten Feierlaune der Spanier einen Strich durch die Rechnung. Die Absagen für Fiestas ziehen sich durch sämtliche Städte und Dörfer. Nicht nur Pamplona muss auf seine berühmten Sanfermines verzichten, auch die Patronatsfiestas jedes kleinen Dorfes werden nach und nach gecancelt. Für viele sind sie das Highlight des Jahres.

Aktuell getroffen hat es zum Beispiel alle, die im Land Valencia traditionell ihrem Schutzheiligen San Vicente Ferrer, dessen Feiertag auf Montag, 20. April fiel, eine eigene Fiesta bieten, unter anderem Teulada-Moraira. Nächster Kandidat ist Benissa, dessen Ende April gefeierte Schutzheilige Puríssima Xiqueta flachfällt -  und damit übrigens auch der lokale Feiertag am 27. April. Wobei zumindest Teulada sich das Feiern allerdings nicht ganz nehmen ließ und seine Fiesta kurzerhand auf Balkone und ins Internet verlegte. Eine Alternative, die sicherlich auch für manch eine andere Gemeinde in Frage kommen wird – mit geschmückten Terrassengeländern, gemeinsamen Konzerten und Gesängen. Man darf gespannt sein, was sich die Fiesta-Fans noch alles einfallen lassen.

Abflachende Coronavirus-Kurve: Kein Risiko eingehen

Denn es geht weiter mit den Absagen, mindestens  bis in den Sommer hinein, eigentlich die Fiestazeit schlechthin. So machen die Folgen des Coronavirus auch nicht vor dem Gedenken an Spaniens große Auseinandersetzung, die der Mauren und Christen, halt. In der Marina Alta entschied sich zum Beispiel Moraira schon in der vergangenen Woche, auf dieses sommerliche Highlight zu verzichten, gefolgt von Pego, das in dieser Woche nachzog. Die prächtigen Umzüge eng nebeneinander defilierender, aufwändig verkleideter Mauren und Christen, deren Auftritt von schwitzenden Menschenmassen verfolgt und die bis in die späte Nacht hinein in überfüllten Partyhütten gefeiert werden, all das wird es also in diesem Sommer nicht geben. Keiner will ein eventuelles Abflachen der Corona-Kurve aus reiner Partylust in Gefahr bringen. Auch die feierfreudigen Spanier nicht.

Und es gibt noch einen guten Grund, in diesem Jahr die Fiesta-Laune runterzufahren. Spanische Fiestas sind teuer, vor allem für die, die mittendrin stecken. Fiestaleute zahlen ihre Jahresquoten, für Moros und Christianos müssen Kostüme gemietet werden, viele treten eine Woche lang in den totalen, oft kostspieligen Ausnahmezustand, in dem sich Essen an Essen und Empfang an Empfang reihen. Eine Aussicht, die vielen, die sich dank Corona in Kurzarbeit befinden, ihren Job ganz verloren oder ihr eigenes Unternehmen gefährdet sehen, alles andere als gelegen kommt. Und auch die Rathäuser haben zurzeit sinnvollere Investitionen zu tätigen: Die lokale Wirtschaft will nach wochenlangem Stillstand wieder angekurbelt werden.

Man habe die Entscheidung aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen getroffen, „aber auch aus Solidarität mit unseren Mitbürgern, aus Empathie“, wird Pegos Fiestakommission in der Zeitung „Las Provincias“ zitiert. Es gebe zurzeit dringendere Bedürfnisse, die erfüllt werden müssten. Eine harte, aber sicherlich richtige Entscheidung.

Fiestageld für von Covid-19-Krise betroffene Unternehmen

Eine Entscheidung, der sich immer mehr anschließen. In Dénia wird es in diesem Sommer keine Bous a la Mar, und damit auch keine ins Meer gejagten Stiere geben, in Pedreguer sind es die Julifeiern zu Ehren des San Buenaventura, die abgesagt wurden, in Alcalalí die Festes del Crist und die des Sant Miquel,  in Jalón die August-Fiesta zu Ehren des Sant Doménec. Jalóns Rathaus kündigte bereits an, das Geld, das eigentlich in die Fiestasubvention fließen sollte, für die Unterstützung der kleinen, von der Coronavirus-Krise betroffenen Unternehmen stecken.

Bleibt zu hoffen, dass Spanien in diesem Sommer trotzdem einen Grund zum Feiern hat – und sich die Ursache allen Übels, das Coronavirus, langsam verabschiedet.

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