Seniorenresidenz Domus Vi  in Alicante.
+
In dem Altersheim in Alicante gab es bisher 15 Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Coronavirus wütet an Costa Blanca

Tragödie in Alicante: Seniorenresidenz beklagt 15 Tote und 30 Angesteckte

  • vonStefan Wieczorek
    schließen

Drama in privatem Altersheim verschärft Coronavirus-Krise an Costa Blanca. Landesgesundheitsministerium aus Valencia übernimmt Aufsicht und stellt Ärzte sowie Krankenpfleger zur Verfügung.

  • Private Seniorenresidenz in Alicante beklagt mindestens 15 Tote wegen Coronavirus.
  • 62 Menschen starben bereits in anderer Anlage des gleichen Betreibers.
  • Covid-19 wütet in ganz Spanien vor allem in Altersheimen.

Alicante - Ein Drama in einer Seniorenresidenz in Alicante hat die Coronavirus-Krise an der Costa Blanca verschärft. Mindestens 15 Bewohner seien an Covid-19 gestorben, weitere 30 angesteckt, meldete in diesen Tagen die Lokalzeitung "Información". Das privat betriebene Zentrum Domus Vi im Süden der Provinzhauptstadt steht bereits unter der Aufsicht der Landesregierung Valencia. Jetzt hat die Firma nochmal Schlagzeilen gemacht, diesmal am Standort Llíria, wo eine Mitarbeiterin schreckliche Szenen gefilmt hat. Das Gesundheitsministerium stellte dem Heim Ärzte, Krankenpfleger sowie medizinische Ausrüstung aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst zur Verfügung.

Längst ist bekannt, dass das neue Coronavirus besonders in Seniorenresidenzen wütet. Mehr als die Hälfte der in Spanien über 20.000 an Covid-19 gestorbenen Patienten wohnten in Altersheimen - in einigen Regionen wie Madrid oder Extremadura sogar mehr als 75 Prozent. An der Costa Blanca starben mindestens 120 Bewohner von Residenzen im Zusammenhang mit der Pandemie - allein 62 in einer ebenfalls von Domus Vi betriebenen Anlage in Alcoy, im Hinterland der Provinz Alicante. Jedoch gab es wegen fehlender Coronavirus-Tests bisher große Probleme mit der exakten Diagnostik.

Das führte dazu, dass in einigen spanischen Regionen - etwa im Land Valencia - Verstorbene in Altersheimen auch ohne Test als Covid-19-Patienten gezählt wurden, wenn sie entsprechende Symptome aufwiesen. Insofern sind die bisherigen Zahlen mit Vorsicht zu behandeln. Jedoch stehen den Landesregierungen mittlerweile mehr Tests zur Verfügung. In der Residenz in Alicante wurden über 100 Residenten und Angestellte mit der PCR-Methode getestet. Das bestätigte die Landesregierung, die Residenz und die Gewerkschaft CCOO am Freitag. Schon im März steckten sich in der Anlage in Alicante die ersten mit dem neuen Coronavirus an. Öffentlich bekannt wurde dies aber nicht. Die Residenz sorgte damals vielmehr mit dieser polizeilichen Widmung an ihre Angestellten für Positiv-Schlagzeilen:

Vergangene Woche lehnte es die Residenz noch ab, der CBN auf die Frage nach Covid-19-Fällen zu beantworten. Man teilte nur mit, dass das Heim spezielle Aktivitäten mit den Bewohnern durchführe, da ältere Menschen besonders an Einsamkeit und der Trennung von ihren Familien leiden. So erhielten die Senioren etwa von Schülern herzliche Briefe. Nun ist die Meldung über die Covid-19-Opfer ein schwerer Schlag für das Unternehmen, das in Spanien, Frankreich und Lateinamerika Altersheime betreibt. Zumal nun auch die Staatsanwaltschaft die Anlagen in Alicante und Alcoy überwacht.

Das große Dilemma der spanischen Seniorenresidenzen: Aufgrund der überforderten Gesundheitssystems müssen die Altersheime derzeit oft in die Rolle von Krankenhäusern schlüpfen, was sie keinesfalls erfüllen können. Insofern hätten die Residenzen des Landes Valencia sogar eine vergleichsweise positive Bilanz vorzuweisen, meinte zuletzt José María Toro, Vorsitzender der Vereinigung der Residenzen im Land Valencia (Aerte). CC.OO.-Gewerkschaftler Francisco Tévar hingegen forderte angesichts der Tragödie in Alicante, „das Modell von Seniorenresidenzen zu überdenken".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare