Saison in Jávea an der Costa Blanca

Delikatesse Seeigel: So werden sie in Spanien geangelt und gegessen

  • vonSusanne Eckert
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In Jávea an der Costa Blanca sammeln Einheimische jetzt im Winter Seeigel als Delikatesse für den Eigenbedarf. Aber auch viele Wilderer sind auf der Pirsch.

Seeigel gelten in Spanien als Delikatesse. An der Costa Blanca kommen sie etwa in Jávea auf den Tisch.

Jávea - Ist das Meer im Winter glatt wie ein Spiegel, ist in Jávea an der Costa Blanca Zeit für Seeigel. Einheimische verbinden dieses Wort nicht etwa – wie viele Spanien-Touristen – mit einer Gefahr beim Baden, die zu schmerzhaften, leicht entzündlichen Wunden führt. Für sie sind die Bogamarins, wie sie die Seeigel nennen, eine Delikatesse - ein köstlicher Aperitif, auf den sie schon viele Monate gewartet haben.

SeeigelTiere
Wissenschaftlicher NameEchinoidea
Höhere KlassifizierungEchinozoa
Durchmesser6 – 12 cm (Erwachsener)

Delikatesse Seeigel: Polizei sucht Wilderer in Jávea an der Costa Blanca

Seeigel darf man an der Costa Blanca nur von Anfang Dezember bis Ende Februar sammeln“, berichtet Jáveas Chef der Ortspolizei, José Antonio Monfort. „Außerhalb dieser Zeit stehen sie in Spanien unter sehr strengem Schutz.“ Und während der Saison dürfe auch nur eine sehr begrenzte Menge der Delikatesse „erizos de mar“ mit traditionellen Methoden und außerhalb der Meeresreservate etwa rund um den Montgó zwischen Dénia und Jávea zusammengelesen werden.

Die Bußen können extrem hoch sein, je nachdem wie viele Seeigel man wo einsackt. Das halte Gesetzesbrecher aber nicht ab, so Monfort. Rund zwei oder dreimal jährlich gingen der Polizei in Jávea Wilderer ins Netz. „Das sind Profis, die im Taucheranzug hunderte Exemplare in netzartigen Säcken sammeln und sie dann in großen Gummi-Eimern im Lieferwagen wegschaffen“, berichtet der Polizeichef von der Costa Blanca. „Sie verkaufen die Seeigel als Delikatesse an Restaurants und ich bin fast sicher, dass sie schon vor der illegalen Sammelaktion Abnehmer für ihre Beute gesucht und gefunden haben.“

Delikatesse Seeigel: In Jávea vom Aussterben bedroht

Um den unerlaubten Handel mit Seeigeln in Spanien zu unterbinden, arbeitet die Ortspolizei mit der Guardia Civil – und vor allem mit deren Umweltschutzeinheit Seprona – zusammen. Seprona-Beamten inspizieren Restaurants in Jávea und den umliegenden Ortschaften an der Costa Blanca, lassen sich durch Rechnungen belegen, dass die Delikatesse aus erlaubten Quellen stammen und versuchen bei den Restaurantbetreibern ein Bewusstsein für den Schutz der gefährdeten Tiere zu wecken.

Seeigel sind in Jávea vom Aussterben bedroht“, erklärt Monfort. Denn seit den 80er Jahren seien Seeigel in den Restaurants – besonders in Dénia – als Delikatesse in Mode gekommen, und da Jáveas Nachbarstadt kaum Felsenküste habe, kämen die Wilderer seither nach Jávea.

Delikatesse Seeigel: Polizei will Bestand an der Costa Blanca schützen

„Die Strafverfolgung zielt nicht darauf ab, jemanden zu ärgern“, versichert der Polizeichef. „Wir möchten einfach vermeiden, dass die Zahl der Seeigel so reduziert wird, dass das Sammeln schließlich ganz verboten werden muss.“ Denn in Jávea hat das Zusammentragen von Seeigeln für den Eigenbedarf eine lange Tradition, längst bevor die Stacheltiere an der Costa Blanca als Delikatesse galten. „Es wäre schade, wenn diese Tradition wegen der Gier einiger weniger verloren gehen würde“, meint Monfort.

Das Angeln von Seeigeln ist nur legal, wenn die Tiere einen Mindestdurchmesser von fünf Zentimetern ohne Stacheln aufweisen. Außerdem dürfen die Seeigel in Jávea nur auf altüberlieferte Art aus dem Meer geholt werden – also mit dem sogenannten Asta-Stab, von der Wasseroberfläche aus. Wer nach Seeigeln taucht, macht sich also auch während der Fangsaison strafbar. Wilderern nimmt die Ortspolizei ihre gesamte Ausrüstung einschließlich Taucheranzug ab und leitet ihre Daten an das Umweltministerium weiter, das Geldstrafen verhängt. Die Stacheltiere werden indessen eines nach dem anderen und mit einigem Abstand wieder ins Meer gesetzt, in der Hoffnung, das sich wenigstens einige wieder festsetzen und überleben.

Polizei sucht in Jávea ganzjährig nach Seeigel-Wilderern

Die Polizisten überwachen Jáveas Küste das ganze Jahr über, besonders die felsigen Zonen, wie Pallers unter dem Portichol-Kreuz, wo sich viele Seeigel im flachen Wasser in den reich mit Algen bewachsenen Felslöchern festsetzen. „In der Fangsaison und auch noch im März, wenn das Wasser ruhig ist und die Igel noch reich mit Eiern gefüllt sind, intensivieren wir die Patrouillen noch“, verrät der Polizeichef von der Costa Blanca.

Die Polizei überwacht das Angeln von Seeigeln in Spanien streng. Die Tiere stehen an der Costa Blanca unter Schutz.

Praktisch alle Seeigel-Wilderer seien von auswärts. „Die Jáveaner sammeln mit Gummistiefeln oder vom Boot aus mithilfe des Asta die erlaubte Menge, um sie mit Freunden bei einer morgendlichen Brotzeit oder mit der Familie als Vorspeise zu essen“, erzählt der Polizeichef. „Etwa so wie man Pilzsammeln geht oder wilden Spargel schneidet.“

Delikatesse Seeigel: Angeln erfordert Geschick

Ein bisschen Grundkenntnisse muss man beim Seeigelsammeln schon haben, berichtet Bernabé Ros, ein junger Fischer aus Jávea, der selbst manchmal auf die Stacheltierpirsch geht. „Denn nicht alle Seeigel haben Eier. Die schwarzen sind leer, nur in denen, die gelb, grün oder auch rötlich schimmern, findet man sie“, erläutert er.

Und beim Umgang mit dem Asta – einem Holzstab, der in einem aus zwei gebogenen Spitzen bestehenden Eisenkreis endet – brauche man viel Geschick und Übung. „Der Seeigel setzt sich normalerweise in einem Felsloch fest, aus dem man ihn mit diesem Gerät vorsichtig von unten nach oben heraushebelt“, erklärt Ros. „Erschwerend kommt hinzu, dass das Wasser verzerrende optische Effekte verursacht – man kann sich also nie auf seine Augen verlassen. Und das Boot schaukelt. Dann muss man seine Beute auch noch irgendwie an Bord balancieren, ohne dass sie vom Asta fällt und wieder im Meer landet.“

Seeigel an der Costa Blanca: Wenige junge Leute suchen die Delikatesse

Kein Wunder, dass junge Leute an der Costa Blanca nur selten auf Seeigeljagd gehen. „Das ist mehr ein Zeitvertreib für Senioren, die viel Zeit, Geduld und natürlich auch jahrelange Erfahrung haben“, meint der junge Mann aus Jávea. „Mein 91 Jahre alter Großonkel Amadeo Sivera Ros zum Beispiel fährt oft hinaus und bringt dann Seeigel für die ganze Familie mit.“

Geangelt werden Seeigel in Jávea an der Costa Blanca mit diesem speziellen Stab.

Jeder Seeigelsammler hat seine Tricks, einige kippen etwas Öl auf das Wasser, was die Sicht verbessern soll. Und andere versehen eine alte Holzkiste mit einem Glasboden und lassen sie dann auf der Meeresoberfläche treiben, damit sie wie eine gigantische Taucherbrille Einblick ins Wasser gewährt. Der Volksmund behauptet, es gebe kaum jemanden, der die Delikatesse ohne große Lust verspeist. „Man hasst Seeigel oder man liebt sie“, meint auch Bernabé Ros. „Entweder weigert man sich, auch nur ein bisschen zu probieren, oder man will unbedingt immer wieder welche haben.“

Seeigel auf dem Teller: Ausländer bestellen die Delikatesse in Jávea kaum

José Mota bietet für Bogamarin-Junkies während der Fang-Saison eigentlich fast täglich Seeigel in seinem Restaurant La Rebotica in Jáveas Altstadt an. Derzeit ist das Lokal allerdings wegen der Corona-Krise geschlossen. „In normalen Jahren werden Seeigel als Delikatesse ziemlich oft bestellt“, sagt er. „Aber Ausländer probieren sie kaum. Das ist eher etwas für die Einheimischen.“

Teuer seien Seeigel als eine von vielen Meeresspezialitäten, die Spanien zu bieten hat, nicht. „Ich kaufe die Igel für rund zehn Euro das Kilo – sie stammen in der Regel aus Asturien – und verlange dann 1,50 Euro pro Exemplar“, berichtet der Koch aus Jávea.

In der Rebotica steht der Chef selbst in der Küche. „Die Zubereitung der Seeigel ist einfach, erfordert aber etwas Erfahrung und Fingerfertigkeit“, erklärt José Mota. Die stachligen Meerestiere werden frisch und roh verspeist. „Man führt die Schere oben ins Loch ein und schneidet einen breiten Deckel ab“, erläutert der Fachmann. Hebe man diesen Deckel auf, sehe man im Inneren des Igels eine schwarze Masse, die man vorsichtig entferne, bis nur noch die sogenannte Koralle übrig bleibe, eine tieforangene, sternförmige Ansammlung von Seeigeleiern.

Seeigel zubereiten: So gelingt die Delikatesse ohne Sauerei

Das hört sich ja ganz einfach an. Doch die Jáveanerin Lucía Ronda berichtet, was für Fallen auf Ungeübte lauern. „Man muss die Seeigel gut festhalten, aber darauf achten, dass man sich nicht sticht und dass keine Stacheln abbrechen oder abfallen, an denen man sich später beim Saubermachen verletzen könnte“, rät sie. Die Zubereitung von Bogamarins hinterlasse nämlich ziemlich viel Schmutz.

Am besten arbeite man über der Spüle, da die Seeigel mit Meerwasser gefüllt seien. „Und Vorsicht: Wenn man die Stacheln ungünstig mit der Schere trifft, können diese sogar durch die Luft fliegen. Hat man sich einen eingefangen, sind sie schwer zu entfernen“, warnt die Hobbyköchin. Etwas Aufmerksamkeit sollte man auch der Entsorgung schenken: „Die Stacheln durchstechen leicht die Mülltüte und auch so haben sich schon Leute verletzt“, berichtet sie.

Seeigel als Delikatesse: Beim Profi in Jávea genießen

Bei so viel Aufwand seien die Meerestiere dann doch nur ein kleiner Appetithappen. „Ich rate daher allen - sobald die Corona-Auflagen für die Costa Blanca das wieder zulassen - lieber in die Markthalle zu gehen, wo man an der Bar Seeigel aus Galizien und ein Bier zu einem moderaten Preis und ganz ohne Probleme genießen kann“, meint die Frau aus Jávea.

Der Igelgourmet entfernt übrigens mit dem Löffel sorgfältig eventuelle Reste der schwarzen Masse, beträufelt den orangefarbenen Seeigeleier-Stern mit reichlich Zitrone, wartet kurz ab und genießt dann den intensiven Geschmack nach Meer, an dem die Geister sich so scheiden.

Rubriklistenbild: © Lucía Ronda

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