Lourdes Jordá steht über der Natursteinmauer ihres Anwesens am Strand von Les Deveses
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Lourdes Jordá will sich der Küstenbehörde nicht beugen.

Küstenamt in Spanien bittet zur Kasse

Haus in Dénia: 12.000 Euro Strafe wegen Reparatur einer Mauer

  • vonAndrea Beckmann
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Besitzer eines Sommerhauses am Strand Les Deveses in Dénia (Alicante) haben Ärger mit der Küstenbehörde bekommen, weil sie eine Natursteinmauer auf ihrem Grundstück reparierten, die beim Sturmtief Gloria Anfang des Jahres zerstört worden war.

  • Die Inhaber eines Strandhauses in Les Deveses sollen 12.000 Euro Strafe an die Küstenbehörde zahlen.
  • Bei einem Sturmtief Anfang des Jahres wurde auf dem Grundstück der Hausbesitzer eine Natursteinmauer zerstört.
  • Die dem Umweltministerium unterstehende Behörde tut sich schwer bei der Genehmigung.

Dénia – Lourdes Jordá ist fassungslos. Die Denianerin, die mit ihrem Mann Paco Femenia die Sommer über in ihrem Haus in erster Strandlinie an Dénias Les Deveses-Strand an der Costa Blanca lebt, kann ihren Ärger nicht verbergen. Der Grund: Die Küstenbehörde hat eine Geldstrafe von fast 12.000 Euro verhängt, weil die Hausbesitzer eine vom vom Sturmtief Gloria zerstörte Natursteinmauer reparieren ließen. Dieses Sturmtief war Anfang des Jahres über die Ostküste Spaniens gezogen.

„Wir haben nichts an der Mauer verändert, sie weder höher noch breiter gebaut, und auch die Einzäunung, die bei der Sturmflut in Einzelteile zerlegt worden war, nicht mehr installiert“, sagt Jordá, während sie auf der Holztreppe steht, die vom Strand auf ihr Grundstück führt. „Nach dem Unwetter im Januar lag ein Teil der Steine in unserem Garten und ein Teil am Strand“, erzählt die Spanierin. „Wir beantragten bei Costas eine Genehmigung, um den Schaden reparieren zu können“, sagt sie. „Und ja, wir hatten es eilig, weil wir befürchteten, dass die Wellen beim nächsten Unwetter in unser Haus eindringen könnten.“

Dénia: Hausbesitzern droht Strafe - Kaum war die Reparatur beendet, ging der Ärger los

Nachdem ein paar Wochen vergangen waren, beauftragten die Hausinhaber ein Unternehmen, das die Steine wieder an ihren ursprünglichen Platz setzen sollte. „Wir haben die Arbeiten von unserem Garten aus durchführen lassen“, erklärt Jordá. „Der Bagger, der dazu eingesetzt wurde, hat auch die Steine, die am Strand gelandet waren, von unserem Grundstück aus eingesammelt und sie wieder auf die Natursteinmauer gesetzt.“ Es sei ihnen wichtig gewesen, die Arbeiten so ausführen zu lassen, dass kein Stück Strand in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Kaum war die Reparatur beendet, ging der Ärger los. „Ein für die Küstenbehörde arbeitender Inspekteur hat sich das hier alles angesehen und Fotos gemacht“, erzählt die Spanierin aufgebracht. Wenige Tage später sei ihnen der Strafbescheid in Höhe von knapp 12.000 Euro zugegangen.

Dénia: Leiterin der Küstenbehörde gibt unbefriedigende Antwort zur Strafe, die die Hausbesitzer zahlen sollen

Lourdes Jordá und Paco Femenia wollen sich das nicht bieten lassen. „Die Höhe der Strafe ist völlig überzogen“, schimpft die Spanierin. „Zumal wir nur einen Schaden behoben und keinen Umbau vorgenommen haben.“ Sie habe einen Anwalt eingeschaltet.

Von Pressevertretern auf den Fall angesprochen, nahm die Leiterin der Alicantiner Küstenverwaltung, Rosa de los Ríos, bei einem Besuch in Dénia Stellung. „Grundbesitzer, deren Parzelle sich direkt am Strand befindet, haben das Recht, Schutzmaßnahmen durchzuführen“, sagte sie. „Wenn unsere Behörde eine Strafe erwirkt, dann, weil die Vorschriften nicht eingehalten wurden.“ Welche, erklärte De los Ríos nicht.

Dénia Nachbarschaftsvereinigung Les Deveses pocht auf Renaturierungsprojekt

Derweil pocht die Nachbarschaftsvereinigung Les Deveses darauf, dass das Umweltministerium die vorgesehenen Renaturierungsarbeiten an Dénias Küste als „dringend“ ausweist. Das Projekt bedarf noch des Umweltgutachtens DIA, bevor die Arbeiten in Auftrag gegeben werden können. Es hat den Anschein, dass das Umweltministerium keine Eile bei der Umsetzung des auf knapp 14 Millionen Euro veranschlagten Renaturierungsvorhabens hat. Vorgesehen sind unter anderem der Bau von drei Dämmen, einer davon bei der Flussmündung des Río Racons.

Der Les Deveses ist einer der am stärksten von der Erosion betroffenen Strände Dénias. Seit vielen Jahren schon müssen die Anwohner mit ansehen, wie ihre Playa immer weniger wird. Das Sturmtief Gloria, das im Januar über die Costa Blanca fegte, gab dem Küstenabschnitt den Rest (siehe Videobeitrag). Mit brachialer Gewalt hölte die aufgepeitschte See Einfriedungen und Terrassen von Häusern aus und riss riesige Wunden auf. „Es ist ein Wunder, dass keine Gebäude einstürzten“, meint ein Anwohner. „Die Wellen drangen an manchen Stellen bis unter unsere Häuser.“

Wie lässt sich das Erosionsproblem an der Wurzel packen? Wo liegen die Ursachen für dieses Problem und was kann dagegen unternommen werden?Antworten darauf gab Josep Ramón Medina, Professor an der Polytechnischen Universität in Valencia und Leiter des Labors für Häfen und Küsten. „Die Strände im Norden der Provinz Alicante haben sich zu über 90 Prozent aus Sedimenten gebildet“, sagt Medina. „Es handelt sich dabei um Ablagerungen, die von Gestein herrühren und hauptsächlich durch die Flüsse an die Küsten gelangen.“ Hier liege das Hauptproblem. „Ab den 1920er Jahren wurden entlang der Flüsse unzählige Stauseen gebaut, die zur Trinkwassergewinnung und Stromerzeugung dienen“, erklärt Medina. Große Mengen der Sedimente blieben damit buchstäblich auf der Strecke. „Die Sedimente lagern sich größtenteils an den Einmündungen der Stauseen ab und bilden dort immer größer werdende Sandbänke, während nur feine Sedimente bis zur Mündung gelangen.“ Diese seien aber für den Strandaufbau ungeeignet.

„Jetzt könnte man hergehen und die Sandbänke an den Stauseen mit Baggern heben, den Sand auf Lkw verladen und an die Küsten bringen“, fährt der Professor fort. „Aber das ist ein kostenaufwendiger und komplizierter Prozess. Die Flüsse wieder in Gang zu bringen, wäre sehr zeitaufwendig und interessiert die Politiker deshalb nicht.“

In früheren Zeiten ist Dénias Strand Les Deveses buchstäblich ausgebeutet worden

Am Les Deveses kämen noch andere Faktoren hinzu: „Dieser Strand ist in der Vergangenheit wie so viele andere auch regelrecht ausgebeutet worden“, weiß der Spanier, der einen Zweitwohnsitz in Dénia hat. „Es ist kein Geheimnis, dass früher zum Beispiel große Sandmengen an Dénias Küste und vor allem am Deveses für den Bau von Straßen abgetragen wurden.“ Damals seien Strände in Spanien häufig als Sandgruben missbraucht worden. „In den 1980er Jahren wurden dann sehr viele Strände aufwendig renaturiert“, weiß Medina. „Wie zum Beispiel die Playa Poniente der Touristenmetropole Benidorm (englisch). Die profitierte von großen Sandbänken, die sich im Meer der südlichen Provinz Alicante befanden.“ Die Strände im Norden der Provinz Alicante hingegen seien damals leer ausgegangen, da sich in diesem Bereich keine vergleichbaren Sandbänke aufgetan hätten.

Bis auf wenige Meter Strand geschrumpft: der Les Deveses in Las Marinas.

Vor der Küste Culleras wurde in einer Tiefe von 60 bis 80 Metern eine riesige Sandbank entdeckt

Das sieht inzwischen aber anders aus. Zehn Kilometer von der valencianischen Küste entfernt vor dem Naturpark Albufera zwischen Sueca und Cullera zwischen Sueca und Cullera wurde in einer Tiefe von 60 bis 80 Metern eine Sandbank entdeckt, die sich über 26 Quadratkilometer ausbreitet und die die Lösung aller Erosionsprobleme der Region darstellen könnte. Dies sieht nicht nur das Umweltministerium so, das ein gigantisches Renaturierungsvorhaben in Erwägung zieht, das den Küstenabschnitt Las Marinas in Dénia längerfristig vor der Erosion bewahren soll. Auch Professor Medina sieht dieses Vorhaben als einzige Chance, so gebeutelte Strände wie den Deveses oder Blay Beach in Dénia wieder in ihren Ursprungszustand zu versetzen. „Auf dem Meeresboden vor Auf dem Meeresboden vor Cullera liegen 90 Millionen Kubikmeter Sand“, sagt er. „Genug, um alle Strände des Landes Valencia zu renaturieren, und zwar so, dass man von einer längerfristigen Lösung sprechen kann. Alles andere ist nur Flickschusterei, die nichts bringt.“ Fünf Millionen Kubikmeter Sand seien ausreichend für Dénias Küste, meint der Professor. „Damit ließen sich nicht nur die Strände verbreitern und festigen, sondern auch Dünen bauen.“

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