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Dénia: Österreicher schildern schreckliche Erfahrung im Krankenhaus - Personal am Limit

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Von: Andrea Beckmann

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Demonstration in Dénia wegen schlechter Gesundheitsversorgung.
Rund 1.000 Demonstranten gingen in Dénia wegen der schlechten Gesundheitsversorgung auf die Straße. © Andrea Beckmann

Von schrecklichen Erfahrungen im Krankenhaus Dénia berichtet ein Ehepaar aus Österreich, das Personalmangel und chaotische Zustände selbst erlebt hat. Die Mitarbeiter haben unterdessen für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert und gestreikt.

Dénia – Erika Kranewitter ist noch immer fassungslos. Die Österreicherin aus Dénia an der Costa Blanca musste hilflos mit ansehen, wie ihr Ehemann Max Kranewitter (82) in der Notaufnahme am Krankenhaus Dénia unter katastrophalen Bedingungen tagelang dahin vegetierte. „Ich habe mehrmals nach einem Arzt verlangt, aber es hat niemand reagiert“, schildert seine Frau ihre Erfahrungen.

Dénia: Schreckliche Erfahrungen im Krankenhaus - „Vor Schmerzen geschrien“

Nach einem epileptischen Anfall war Max Kranewitter am 18. April vom Roten Kreuz in das Krankenhaus von Marina Salud in Dénia gebracht worden. Seine Frau fuhr mit dem Auto hinterher. „Als ich im Spital ankam, fand ich meinen Mann in einem der Notbetten der Notaufnahme vor“, schildert die Österreicherin ihre Erfahrung. „Er war unbekleidet und trug nur eine Windel.“ Besonders schlimm sei gewesen, dass man ihn so fest angebunden hatte, dass seine Hände angeschwollen gewesen seien.

„Mein Mann schrie vor Schmerzen“, erzählt Erika Kranewitter. Wohl auch deshalb, weil ein Fuß in dem mit Gittern versehenen Bett eingeklemmt gewesen sei. Die Tür zu der Box in der Notaufnahme des Krankenhauses Dénia habe aufgestanden. „Jeder, der vorbeiging, konnte meinen Mann in dieser Situation sehen“, sagt seine Frau.

„Menschenunwürdige Erfahrungen“ im Krankenhaus Dénia - Beschwerde eingereicht

Irgendwann habe man ihm dann einen Schlafanzug angezogen, ihn in einen Rollstuhl gesetzt und wieder in das Wartezimmer der Notaufnahme gefahren. Dort ließ man das Ehepaar stundenlang warten. „Mein Mann war die ganze Zeit nicht bei Bewusstsein und hat sich im Wartesaal der Notaufnahme eingenässt“, erzählt die Österreicherin. Sie habe den Urin vom Boden mit Papier aufgewischt, weil niemand vom Pflegepersonal des Krankenhauses reagiert habe. „Das war so menschenunwürdig“, sagt seine Frau noch immer sehr bewegt von der Erfahrung. Erst gegen Mitternacht habe man ihn dann wieder in eine Box zurückgebracht.

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Max Kranewitter hat das Martyrium überstanden. An die Erfahrungen im Krankenhaus von Dénia, wo er laut seiner Frau immer wieder von A nach B geschoben wurde, erinnert sich der Österreicher nicht. Erika Kranewitter veranlasste mit Hilfe ihrer Tochter, die aus Österreich anreiste, dass er zu einer gründlichen Untersuchung nach Innsbruck ins Krankenhaus geflogen wurde. Von dort ist er bereits wieder an die Costa Blanca zurückgekehrt, im Gepäck Medikamente, die ihn vor neuen Epilepsieanfällen bewahren sollen. Erika Kranewitter hat eine offizielle Beschwerde eingereicht.

Personalmangel und schlechte Arbeitsbedingungen in Gesundheitsversorgung: Protest in Dénia

Chronischer Personalmangel und offensichtliche Profitgier eines privatwirtschaftlichen Unternehmens – Alleinaktionär ist Ribera Salud – sorgen immer häufiger für Negativschlagzeilen über das Krankenhaus in Dénia. Lange Zeit plante die Landesregierung die Entprivatisierung des Gesundheitsbezirks, doch bei den Versprechen ist es bislang geblieben. Am Mittwoch trat ein Großteil der Mitarbeiter des Krankenhauses sowie der Gesundheitszentren der Marina Alta in einen dreitägigen Streik. Auftakt war ein Protestmarsch durch Dénias Zentrum, der rund 1.000 Menschen vereinte. Darunter vor allem Mitarbeiter von Marina Salud, aber auch Gewerkschaftsvertreter sowie Bürgermeister, Stadträte und Bürger, die gegen die unhaltbaren Zustände in der Gesundheitsversorgung des Landkreises Marina Alta protestierten.

Die Österreicherin Erika Kranewitter beteiligt sich am 4. Mai an einer Demonstration in Dénia.
Erika Kranewitter (r.) beteiligte sich nach der Erfahrung im Krankenhaus Dénia an der Demonstration. © Andrea Beckmann

Die Angestellten von Marina Salud fordern bereits seit Jahren einen neuen Tarifvertrag mit besseren Arbeitsbedingungen und die Einstellung von mehr Personal. für das Krankenhaus in Dénia und die angeschlossenen Gesundheitszentren. Viele qualifizierte Mediziner und Pflegekräfte haben in den vergangenen Monaten Marina Salud verlassen, um in Nachbarregionen unter besseren Bedingungen zu arbeiten. Wenn überhaupt Neueinstellungen erfolgten, so der Betriebsrat, würden die Stellen mit Berufsanfängern besetzt, die wegen des Personalmangels nicht ordentlich eingearbeitet werden können. Garantiert war während des Streiks nur der gesetzlich vorgeschriebene Mindestservice. In den Gesundheitszentren wurden derweil nur Notfälle behandelt.

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