Der Turm Torre Arguimbau in Las Rotas in Dénia.
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Denias Torre Arguimbau ist ein Bauwerk im viktorianischen Stil.

Leben in einem Turm

Historisches von der Costa Blanca: Die Burgherren von Dénia

  • vonAndrea Beckmann
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Nicht jeder kann von sich behaupten, dass er seine Kindheit in einer Festung oder in einem Burgturm verbracht hat. Vicent Boronat aus Dénia (Alicante) gehört zu den wenigen Menschen, denen dieses Privileg zuteil wurde. Bis zu seinem 19. Lebensjahr wohnte der Spanier mit Eltern und Geschwistern im Torre de Arguimbau an Dénias Marineta Cassiana.

Dénia – Unzählige Spaziergänger flanieren Tag für Tag über die Promenade an diesem unter Denkmalschutz stehenden Turm vorbei und mögen sich fragen, was es mit dem historischen Gebäude, das für 2,2 Millionen Euro zum Verkauf steht, auf sich hat. Das Bauwerk in Dénias Stadtteil Las Rotas, war im Laufe seiner Geschichte Wohnraum für so manchen illustren Bewohner.

Wenn Boronat von seiner Kindheit in dem an der Costa Blanca gelegenen Dénia berichtet, kommt er aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. „Ich habe bis zu meinem 19. Lebensjahr dort verbracht und es war wie der Himmel auf Erden. Zum Meer mussten wir nur ein paar Schritte gehen und wenn meine Mutter Fisch auf dem Speiseplan stehen hatte, schickte sie uns oder unseren Vater einfach zum Angeln an den Strand. Es war kein Leben in Luxus und im Überfluss, aber es war ein herrliches Leben, an das ich gerne zurückdenke“, erzählt der Spanier.

Leben im Torre de Arguimbau: Boronats Familie war in Dénia als „die Turmherren“ bekannt

Sein Vater sei als Hausmeister bei dem Eigentümer José Gil Guillot, ein Schuhfabrikant aus Valencia, angestellt gewesen. „Wir waren wie eine große Familie“, berichtet der ehemalige Unternehmer. „Der Besitzer lebte in Valencia und kam nur in den Ferien mit seiner Frau, seinen drei Kindern und einer Haushälterin nach Dénia.“ Boronat überlegt kurz und fährt fort: „Wir Kinder sind immer gemeinsam losgezogen.“ Zu einem der Söhne, Rafael Gil, pflege er noch Kontakt, obwohl das Anwesen schon lange nicht mehr der Familie Gil gehöre.

„Meine Familie war damals im Dorf als ‚die Turmherren‘ bekannt. Während der Besitzer im angrenzenden Herrenhaus residierte, bewohnten wir den Turm.“ Im Erdgeschoss gab es eine Küche, ein Bad und zwei Schlafzimmer, das erste Obergeschoss war mit einem weiträumigen Wohnzimmer ausgestattet. „Von dort ging es in das zweite Stockwerk, wo es noch ein Bad und zwei Zimmer gab“, erinnert sich Boronat. „Und im dritten Obergeschoss befanden sich zwei weitere Zimmer und ein Wasserdepot.“ Die Zisterne habe sein Vater entfernen lassen, um noch mehr Wohnraum zu schaffen. „Bei den Umbauarbeiten kam ein Helm aus dem Unabhängigkeitskrieg zum Vorschein“, erinnert sich der Denianer. Und er wisse noch, dass das Anwesen Anfang der 1970er Jahre für zwölf Millionen Pesetas, keine 200.000 Euro, verkauft worden sei.

Vicente Boronat hat in seiner Jugend im Turm gelebt.

Dénias Torre de Arguimbau wurde zwischen 1870 und 1888 im viktorianischen Stil erbaut

Nach Auskunft von Dénias Stadtarchäologen Josep Gisbert war es Pedro Riera (*1839), der den Torre de Arguimbau zwischen 1870 und 1888 nach den Bauplänen britischer Architekten im viktorianischen Stil erbauen ließ. Die Familie Riera legte auf dem Grundstück einen botanischen Garten an. Die Gewächse brachte die Unternehmerfamilie, die im Export von Weintrauben nach Großbritannien tätig war, mit ihren Schiffen aus dem europäischen Ausland und Afrika nach Dénia.

Ein Foto aus alten Zeiten: Die Torre de Arguimbau stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Mit Pedro Riera nahm es ein tragisches Ende. Während einer Reise nach London sprang er in die Themse. Zwar überlebte er den Selbstmordversuch, verlor aber den Verstand und verstarb nur wenige Jahre später. Auch sein Sohn Pedro Riera Mulet ereilte ein trauriges Schicksal. Er wurde im Bürgerkrieg erschossen und in einer Grube auf Les Planes (Jávea) verscharrt. Anfang des 20. Jahrhundert ging das Anwesen in den Besitz von Juan de Arguimbau, der mit Spielzeug und Marmelade handelte, über. Jahre später verkaufte er es an José Gil weiter. Das Bauwerk wechselte in den Folgejahren mehrfach den Besitzer.

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