Die beiden Senioren Miguel Martinez und Salvador Pleguezuelo vor einer Mauer
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Miguel Martinez und Salvador Pleguezuelo (rechts) kämpfen Schulter an Schulter.

Teure Rückkehr in die Heimat

Doppelbesteuerung in Spanien: Blinder Rentner aus Jávea im Clinch mit Finanzamt

  • vonSusanne Eckert
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Der 75-jährige Salvador Pleguezuelo zahlt in Deutschland und Spanien Steuern auf seine Rente, absetzen lässt ihn das spanische Finanzamt nicht einmal seine Blindheit.

  • Weil Rentner Salvador Pleguezuelo in Deutschland gearbeitet hat und nun wieder in Spanien lebt, zahlt er doppelt Steuern.
  • Das Finanzamt erkennt Blindheit des Rentners nicht an, weil sich die Ausstellung des Behindertenausweises seit 18 Monaten verzögert.
  • Der Verein spanische AEXJU kämpft für den Rentner, der hohe Gesundheitskosten hat.

Jávea – „Es ist eine Ungerechtigkeit“, sagt Miguel Martínez aus Callosa de Segura an Spaniens Costa Blanca. Der 74-Jährige kämpft seit Jahren als Vorsitzender des Vereins AEXJU gegen ein Gesetz, das Spanier, die ausgewandert sind, nach ihrer Rückkehr als Rentner schlechter stellt als Daheimgebliebene. Wie, erklärt er an seinem eigenem Beispiel: „Ich bekomme eine kleine Rente aus Frankreich, wo ich zehn Jahre gearbeitet habe“, sagt der Spanier. „Meine Gesamtrente beträgt rund 14.000 Euro im Jahr, hier muss man erst ab 15.000 Euro die Rente versteuern, aber das gilt nicht für mich, weil meine Rente aus Frankreich als Auslandseinkommen gilt.“ Aber auch deutsche und andere ausländische Residenten werden wegen ihrer Pension doppelt abkassiert.

StadtJávea
Provinz Alicante
Einwohner 27.224 Einwohner (2018)
Gemeindegebiet68,59 Quadratkilometer

Steuer auf Rente in Spanien: Auswanderer plötzlich doppelt besteuert

Das Gesetz für Auslandseinkommen besteht seit 1995. „Es wurde aber erst ab 2011 auf die Rente spanischer Auswanderer angewendet, sagt Martínez. „Und dann hieß es plötzlich, wir seien Betrüger, hätten dieses Einkommen verborgen, müssten Strafe und Zinsen zahlen und vier Jahre nachreichen.“ Dadurch komme viel Geld zusammen. „Wir haben Mitglieder, die 22.000 Euros zahlen mussten.“

In Spanien sind etwa drei Millionen Familien betroffen. „Unsere Entbehrungen als Auswanderer und dass wir viel Geld nach Spanien schickten und brachten, wird nicht anerkannt und jetzt sogar bestraft“, klagt Miguel Martínez.

Doppelbesteuerung von Auswanderern: Vereine kämpfen gegen ungerechtes Gesetz

Sein Verein und andere in ganz Spanien kämpfen seit Jahren gegen diese Anwendung des Gesetzes und haben kleine Erfolge erzielt. „Der Freibetrag wurde von 11.000 auf 14.000 Euro angehoben“, sagt der Vorsitzende. „Wir machen bei den Verantwortlichen und überall Lobby, alle sagen, das müsse man ändern, doch es passiert nichts.“ Besonders schlimm ist der Fall seines Vereinsmitglieds Salvador Pleguezuelo aus Jávea. „Ich habe nur eine einzige Rente und sie kommt aus Deutschland“, berichtet der. Deshalb gelte der ganze Betrag als Auslandseinkommen.

Salvador Pleguezuelo wurde im marokkanischen Tetuan geboren, als es noch zu Spanien gehörte, sein Vater war Guardia Civil. Als Kind lernte er beim Goethe-Institut Deutsch und das schickte ihn per Stipendium nach Deutschland, wo er Chemieingenieur wurde. Erst als Rentner zog er wieder zurück nach Spanien.

Seit 2014 ist der Spanier blind, eine Behinderung, die ihn dazu berechtigt, gar keine Steuern auf seine Rente zu zahlen. Doch der spanische Staat verzögert die Ausstellung des Behindertenausweises seit 18 Monaten. „Ich muss jeden Monat 300 Euro Steuern nachzahlen. Bei nicht einmal 15.000 Euro Jahreseinkommen kratzen meine Frau und ich dafür jeden Monat Geld zusammen“, sagt er. Zudem entstünden in dem Alter hohe Gesundheitskosten – unter anderem brauche seine Frau Ellen Müller 4.000 Euro für ein Hörgerät und beide bräuchten Zahnersatz.

Finanzamt stellt sich taub: Blinder Spanier von der Costa Blanca all seiner Rechte beraubt

Pleguezuelo fühlt sich angegriffen und seine Frau ist sehr verunsichert, weil das Steueramt ihnen schon im ersten Brief geschrieben hatte, sie würden seit Jahren wegen Steuerhinterziehung gesucht. „Sie hätten mich ja leicht finden können, ich war seit zehn Jahren in Jávea gemeldet“, sagt der Rentner. Er sei kein Betrüger, sondern überzeugt gewesen, dass er keine Steuern in Spanien zahlen müsse.

Da er blind ist und seine Frau nicht viel Spanisch kann, fällt es Pleguezuelo schwer, für seine Rechte zu kämpfen. Deshalb freut er sich über die Hilfe des Vereins, den er über die CBN kennengelernt hat. Der Spanier zahlt seine Krankenversicherung in Deutschland, da Spanien ihn nicht in die öffentliche, kostenlose aufnehmen will, weil er nie hier gearbeitet hat. „Aber selbst das lässt mich das Finanzamt nicht abschreiben“, klagt er. Die Anwälte des Vereins sind intensiv für ihn tätig, bisher vergebens.

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