Foto: Ángel García

Im Dorf des Ermordeten

Polop de la Marina - fin. Auf der Aussichtsplattform genießt ein Schwede das Panorama, sein Hund klä...

Polop de la Marina - fin. Auf der Aussichtsplattform genießt ein Schwede das Panorama, sein Hund kläfft brav jeden Fremden an, der sich der Bank nähert. Es sei so schön hier und so ruhig, meint der Mann in gebrochenem Spanisch und deutet auf das Meer, das in der Ferne am Horizont in der Wintersonne glitzert. Nach Benidorm habe er auf keinen Fall gewollt, vor einem Jahr ließ er sich in dem winzigen Dorf Xirles nieder, in dem die Bewohner ihn immer freundlich grüßen. Ob er von dem Bürgermeistermord vor zwölf Jahren gehört hat? Irgendetwas klingelt bei ihm, aber so richtig mitgekriegt hat er nichts. Der Schwede genießt lieber weiter die Aussicht. Kaum zu glauben, was vor zwölf Jahren in diesem so beschaulichen Ortsteil von Polop, keine 13 Kilometer von Benidorm entfernt, am 19. Oktober 2007 passierte. Der PP-Bürgermeister des nicht einmal 5.000 Einwohner zählenden Dorfes, Alejandro Ponsoda Bou, wird vor seinem Haus in Xirles ermordet. Drei Kopfschüsse, denen der damals 55-Jährige am 27. Oktober im Hospital General von Alicante erliegt. Verurteilt wurde für die Tat bis heute niemand, am Montag begann der Prozess in Alicante (siehe Seite 5). Besser schweigen Am selben Tag liegt über Xirles ein Mantel des Schweigens. Die zwei, drei Straßen des Ortes sind menschenleer, hinter den gepflegten Fassaden der typischen Altstadthäuser ist der eine oder andere Staubsauger zu hören, sonst nichts. Nicht ein Kaugummipapier liegt auf den Straßen, dafür abgetrennte Kaninchenpfoten neben einem Müllcontainer. Natürlich habe sie ihn gekannt, den Bürgermeister, sagt Vanesa Oliver, die misstrauisch die Tür von einem der Altstadthäuser öffnet. Jeder im Ort kannte Alejandro Ponsoda. Doch man ist sich einig: „Das ist ein Thema, über das man besser nicht spricht“, sagt die junge Frau, bevor sie die Tür wieder schließt. Die Straße weiter rauf ist der Tante-Emma-Laden geschlossen. Hier gibt es zwar alles, auch Informationen, aber eben nur von 10 bis 12 und dann nochmal ab 13 Uhr für ein Stündchen. „Der Prozessauftakt hat den Fall wieder ins Fernsehen und in die Zeitung gebracht“, meint Vicente Niño, 28, Jäger. Aus Respekt vor der Familie habe man das Thema im Ort ruhen lassen, sagt er. 16 Jahre war der junge Mann alt, als der Mord geschah, Alejandro Ponsoda hat er als sehr beliebten Mann in Erinnerung, „einer, der immer allen geholfen hat“. Ponsoda habe ihn immer „poquenene“ genannt, meint Vicente Niño lächelnd. Warum, weiß er nicht so genau. Die beiden Töchter leben nach wie vor im Ort, die eine arbeitet im Rathaus, unten in Polop. „Es ist schlimm, dass es nie ein Urteil gegeben hat, dass nie eine Entscheidung gefallen ist. Denn irgendwie wissen wir doch alle, wer es war. Ich hoffe, dass der oder die Schuldigen jetzt verurteilt werden und die Familie endlich abschließen kann“, meint Vicente Niño.

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