Alter Hotelkomplex im Valle del Sol in Muchamiel, Spanien.
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Drogenplantage statt Seniorenheim: An der Costa Blanca wurde in einem ehemaligen Hotelkomplex Marihuana angebaut.

Haschplantage statt Altenheim

Drogen an der Costa Blanca: Hinter Seniorenheim-Projekt in Muchamiel verbarg sich Marihuana-Plantage

  • vonAnne Götzinger
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In einem ehemaligen Hotelkomplex an der Costa Blanca sollte angeblich ein Seniorenheim entstehen. Stattdessen wurde Marihuana angebaut, das nach Europa verkauft wurde.

Mutxamel – Die Plakate, die für ein neues Seniorenheim im Valle del Sol in Muchamiel an der Costa Blanca warben, waren reiner Humbug. Wie die Guardia Civil jetzt herausgefunden hat, wurde in einem ehemaligen Hotelkomplex an der Ostküste Spaniens nicht etwa um-, sondern angebaut – und zwar Marihuana im großen Stil.

MuchamielStadt in Spanien
Höhe63m
Fläche47,67 km²
Bevölkerung25.009 (Stand 2018)

Drogen an der Costa Blanca: Polizei verhaftet Marihuana-Dealer

Die Polizei nahm vier Personen wegen Drogenhandels, Geldwäsche, Stromklau und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation fest. Sie beschlagnahmte unter anderem 1.400 Marihuana-Pflanzen und 2,5 Kilo Marihuana-Blüten sowie diverse Geräte für den Anbau der Drogen an der Costa Blanca wie etwa zwei benzinbetriebene Stromgeneratoren im Wert von 120.000 Euro. Mit diesen hätte man laut Guardia Civil „ein ganzes Viertel mit Elektrizität versorgen können“.

Die Polizei stellte zudem ein Anbau-Tagebuch sicher, in dem die Details der Indoor-Plantage aufgelistet waren. Diesem war auch zu entnehmen, dass die fünf bestehenden Anbaubereiche in Kürze auf 30 aufgestockt werden sollten. „Hätte die Bande dies verwirklicht, hätte sie im Jahr etwa 80.000 Marihuana-Pflanzen kultivieren können“, heißt es bei der Guardia Civil. Dann wäre der jährliche Gewinn aus dem Drogen-Verkauf auf über 2,86 Millionen Euro gestiegen. Mit der bisherigen Anbaufläche in Muchamiel an der Costa Blanca und vier Ernten habe die Bande rund 477.000 Euro im Jahr „geerntet“.

Drogen an Costa Blanca: Marihuana für Transport nach Deutschland in Dosen verpackt

Das fertige Marihuana wurde in Dosen mit falschen Etiketten verpackt, um die Drogen als legales Produkt zu tarnen, und mit Lkws von der Costa Blanca aus nach Deutschland und andere Länder in Mitteleuropa verfrachtet. Die Dealer hantierten kaum mit Bargeld, sondern wickelten fast alle Zahlungen online über Kryptowährungen ab, was die Arbeit der Ermittler bedeutend erschwert habe.

Mit dem ehemaligen Hotelkomplex Valle del Sol in Muchamiel hätten die Drogen-Dealer zudem eine strategisch äußerst günstige Lage gefunden, „in einem abgelegenen Gebiet, mit wenigen Nachbarn und kaum Personenverkehr“, so die Guardia Civil. Die Ermittler fanden heraus, dass der Komplex im März 2019 von einem spanischen Unternehmen angemietet wurde, das diesen angeblich zu einer Seniorenresidenz umbauen wollte. Die Ermittlungen ergaben, dass dieser das Gebäude wiederum an einen anderen Spanier weitervermietet hatte. Dieser war bereits wegen Drogenhandels an der Costa Blanca vorbestraft. Für ihn und zwei bulgarische „Pfleger“ der Marihuana-Plantage wurde U-Haft ohne Kaution angeordnet.

An der Costa Blanca kommt es immer mal wieder vor, dass Drogenhändler und Marihuana-Anbauer verhaftet werden. Die großen Drogenbanden treiben ihr Unwesen aber eher in Andalusien. Im Raum Cádiz nimmt auch die Gewaltbereitschaft unter den verfeindeten Drogenbanden zu. Ihre kriminellen Machenschaften weiten die Banden geografisch auch immer weiter aus.

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