In den Norden der Provinz Alicante kamen in diesem Sommer vermehrt Franzosen und mehr Spanier als im Vorjahr. Fotos: Ángel García

Durchwachsene Bilanz

Alicante – red. Der Sommer ist vorbei, die Bilanz von Hoteliers, Gastronomen und Gemeinden fällt im ...

Alicante – red. Der Sommer ist vorbei, die Bilanz von Hoteliers, Gastronomen und Gemeinden fällt im Vergleich zum Vorjahr in der Provinz Alicante mitunter durchwachsen aus. Im August klingelten zwar vielerorts wie gewohnt die Kassen, die verheerende Gota fría im September, die vor allem Landwirtschaft, Unternehmen und Privatleuten im Süden der Region übel mitspielte, ließ die letzten sommerlichen Wochen allerdings gehörig ins Wasser fallen. Die CBN hat sich in der Branche umgehört. „Dieses Jahr war etwas untypisch“, urteilt etwa José Manuel Piña, Vorsitzender des Gastronomenverbands Arx in Jávea und Leiter des Restaurants im Golfclub. „Die ausländischen Touristen – vor allem die Engländer – sind ziemlich weggebrochen.“ Er wisse nicht sicher, ob das schon am Brexit liege, oder ob die Touristen einfach ins günstigere Nordafrika ausgewichen seien. Im Juli seien viele Gastronomen zwar mit der Kasse zufrieden gewesen. „Aber das Geschäft konzentrierte sich auf die Wochenenden und die spanischen Gäste.“ Im August klingelte die Kasse dann wieder richtig. Und in den zwei ersten Septemberwochen kam – wie in Jávea üblich – ein gehobeneres Publikum, das den Massentourismus meidet und überdurchschnittlich viel Geld ausgibt. Direkt am Meer – in Jáveas Hafenviertel – zieht die Vorsitzende des Händler- und Gastronomenverbands Cande Ros eine positive Sommerbilanz. „Viele Leute, viel Arbeit, alle zufrieden“, resümiert sie. Es seien noch mehr Franzosen nach Jávea gekommen als in den Vorjahren. „Das einzige, was etwas dünn war, war das Kulturprogramm der Stadt hier im Viertel. Wir haben schließlich selbst Musiker unter Vertrag genommen, um das Viertel etwas zu beleben“, erklärt sie. Es sei schwierig, konkrete Besucherzahlen zu nennen, weicht hingegen Dénias Bürgermeister Vicent Grimalt aus, er leitet auch das Ressort Tourismus der Kreisstadt. „Die meisten Urlauber, die ihre Ferien in Dénia verbringen, haben hier eine Ferienwohnung. Sie steigen nicht in Hotels ab und können demzufolge auch nicht erfasst werden. Die Besucherzahlen in den Tourismusbüros sind nicht aussagefähig, da sich viele Besucher gut auskennen und kein Tourismusbüro aufsuchen.“ Mit rund 14.000 Besuchern hatten Dénias Touristinfos zum Beispiel im Juli deutlich weniger Personen bedient als noch im Vorjahr. Das könnte auch damit zu tun haben, dass dieses Jahr mehr spanische als ausländische Touristen kamen. Letztere waren vor allem Franzosen (45%) und Deutsche (15%). „Wir haben keinen Grund, uns zu beklagen“, betont Grimalt. „Dénia ist in den Sommermonaten immer äußerst gut besucht. Das war in den vergangenen Jahren so und das war auch dieses Jahr nicht anders.“ Man habe deshalb auf große touristische Werbekampagnen verzichtet: „Dénia verfügt gar nicht über die notwendigen Infrastrukturen, um noch mehr Menschen aufzunehmen“, bekräftigt der Rathauschef. „Wenn sich das Touris-tenaufkommen um ein Vielfaches erhöhen würde, würden die Dienstleistungen hinken. Das ist nicht in unserem Interesse.“ Was die Auslastung der Ferienunterkünfte anbelangt, schnitten laut Zahlen des Rathauses im Juli etwa die Campingplätze sehr gut ab. Sie waren insgesamt zu 80 Prozent ausgebucht, knapp 20 Prozent mehr, als im gleichen Zeitraum 2018. Bei den Hotels gab es keine große Abweichung. Die Betreiber meldeten für Juli eine Belegung von 85 Prozent, ein Prozent weniger als im Juli 2018. Weniger Deutsche Auf einen guten Sommer blickt bis jetzt Melanie Casanova vom Restaurante Algas L’Andragó in Moraira zurück. „Zwar sehe ich privat, dass viele Touristen ihren Proviant lieber in Supermärkten einkaufen, aber wir spüren davon nichts“, sagt sie. Zum Mittag- und Abendessen sei das Restaurant gut besucht, außerdem „triumphieren unsere hausgemachten Cocktails immer mehr“, sagt sie. Im August kämen sowohl Ausländer als auch Spanier, „bei den ausländischen Gästen sehen wir vor allem viele Franzosen und Engländer“, so ihre Beobachtung. Nicht ganz so positiv fällt die Bilanz in Morairas Tauchzentrum La Galera aus. Antonio Signes hatte zwar in diesem Sommer, wie auch in vergangenen Jahren, viel zu tun. Trotzdem hätte es besser laufen können. „Offenbar haben die Touristen weniger Geld zum Ausgeben zur Verfügung“, sagt er. So würden weniger Gäste die etwas teureren Produkte wählen, günstigere Angebote kämen dagegen besser weg. „Die normalen Tauchkurse zum Beispiel werden weniger belegt, während der Schnupperkurs öfter gebucht wird.“ Generell sei im Juni und Juli etwas weniger los gewesen, „der August war aber wie immer voll“, sagt er. Was die Herkunft der Touristen angeht, sei ihm aufgefallen, dass „weniger Engländer und Deutsche, dafür aber mehr Belgier und Franzosen kommen“.

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