Die internationale Crew fährt in den Hafen ein. Foto: Stefan Wieczorek|Foto Ángel García|Wer auf der Hafenmauer stand, sah, wie die "Nuestra Madre Loreto" am Horizont auftauchte. Foto: Stefan Wieczorek

Einfache Menschenfischer

Santa Pola - sw. Als das Fischerboot schließlich am Horizont auftaucht, sagt oder ruft niemand etwas...

Santa Pola - sw. Als das Fischerboot schließlich am Horizont auftaucht, sagt oder ruft niemand etwas. Dort, wo die Sonne gerade aufgegangen ist, und die Isla Tabarca langsam aus dem Nebel hervortritt, erscheint auch, wie in einem Schattentheater, die Silhouette des Schiffes, das jeder erkennt, der oben auf der Hafenmauer wartet und nun andächtig die „Nuestra Madre Loreto“ auf der letzten Meile nach Hause begleitet. Mehr los ist schon seit Stunden unten am Anleger. Publikum und Medien harren bei kühlem Wind auf der Mole der Fischergenossenschaft aus. Dabei die kalten Füße in Bewegung zu halten, helfen ihnen Batucada-Trommler, die heute mit Rhythmen Afrika und Südamerika nach Santa Pola bringen. An diesem Freitagmorgen, 21. Dezember, geschieht hier Besonderes, das spürt jeder. Gewissermaßen schmilzt im Fischerort die Welt zusammen. Eine Einheit einfacher Fischer geriet in einen internationalen Konflikt, als sie ihrer Arbeit nachgingen, die zugleich eine Weihnachtsmission war: Garnelen, Krabben und Fische fangen, die an der Costa Blanca typische Speisen für Heiligabend sind. Die Produkte „Peix de Santa Pola“ gelten als Delikatesse, doch mit Luxus ist es bei den Fischern nicht weit her. Im Oktober an die ferne Küste bei Libyen hinauszufahren und dort zwei Monate lang für eine möglichst reiche Beute zu schuften – das sieht beeindruckend aus für jeden Beobachter, der den beladenen Kutter im Hafen erwartet. Zwölf Männer quetschen sich an die Reling, blicken und winken herüber. Nur Kapitän Pascual Durá ist auf der Brücke und steuert die „Nuestra Madre Loreto“ an den Anleger. Richtig eng wurde es an Bord, als aus 13 plötzlich 25 wurden, in der Schicksalsnacht des 22. November. Ein Polizeiboot war im Dunkeln aufgetaucht, wilde Lichtsignale aufs Meer streuend. [caption id="attachment_60472" align="alignleft" width="800"] Wer auf der Hafenmauer stand, sah, wie die "Nuestra Madre Loreto" am Horizont auftauchte. [/caption]

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