Ministerpräsident Pedro Sánchez nimmt an einer Videokonferenz teil. Foto: dpa

Die Einsamkeit des Pedro Sánchez

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- Neuester Stand Coronavirus: 73.036 Infizierte, 5.866 Tote - Wie Sánchez auf den Zwangsurlaub kam - Wie der Mann tickt, der Spanien durch die Krise führen muss Madrid – sk. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat dem Land weitere Einschnitte wegen der Coronavirus-Krise verordnet. Ab Montag müssen alle Angestellten in den Zwangsurlaub oder von zu Hause aus arbeiten. Draußen sollen sich nur noch Leute aufhalten, die einer Tätigkeit von essentieller Bedeutung nachgehen – was immer das ist, legt heute die Kabinettssitzung fest. Damit hat das Coronavirus das Land bis 9. April in die Knie gezwungen. Das Gesundheitsministerium führt am Sonntagmorgen 73.036 Infizierte auf, 5.866 Tote sind zu beklagen und 12.285 Covid-19-Patienten konnten gesundgeschrieben werden. Auch im Verbreitungsgebiet der Costa Nachrichten schreitet die Krankheit weiter voran. Andalusien verzeichnet 4.277 Infizierte und 175 Tote bei einem Zuwachs der Ansteckungen von 12,8 Prozent, Valencia 4.034 und 234 Tote bei einer Rate von 14,2 Prozent und Murcia 827 Infizierte, 20 Tote und 15,8 Prozent. Auf Pedro Sánchez kommen schwere Tage zu. Der Ministerpräsident wirkt im Fernsehen niedergeschlagen und mitgenommen, wobei seine Erscheinung derzeit sicherlich nicht dem Zufall überlassen bleibt. Sánchez sagt man dieser Tage eine Obsession für die statistische Erfassung der Coronavirus-Ansteckungen nach. Wie sein Vorgänger José Luis Rodríguez Zapatero einst auf die Kurve der Risikoprämie während der Finanzkrise starrte, so kann Sánchez scheinbar nicht den Blick von der Coronavirus-Kurve abwenden. Sánchez eilt der Ruf eines Analytikers voraus, der sich mit Zahlen und einem ausgewählten Kreis von Experten umgibt. Fernando Simón Stimme wird immer brüchiger Sein Vertrauen genießt derzeit Fernando Simón, Seuchenspezialist und Leiter des spanischen Zentrums für Epidemien, der tagtäglich mit seiner immer brüchiger werdenden Reibeisenstimmen die Ansteckungszahlen verkündet. Auch die unter Quarantäne stehende Vizeministerpräsidentin Carmen Calvo, Verkehrsminister José Luis Ábalos, Berater und Moncloa-Chef Iván Redondo und die Abgeordnete Adriana Lastra, die rechte Hand von Sánchez, gehören dem Kreis an, der das Land durch seine wohl schwerste Krise seit langer Zeit führen soll. Politiker werfen Sánchez emotionale Kälte vor, er vertritt weder Werte noch Ideologien ja nicht einmal Meinungen. Nichts scheint ihm wirklich am Herzen zu liegen. So etwas kommt in sozialistischen Kreisen oft nicht gut an. Schon seinem Vorgänger José Luis Rodríguez Zapatero hielt die POSE gern seinen Pragmatismus vor, wobei in einer schweren Krise wie dieser Flexibilität größere Handlungsfreiräume schafft als weihrauchgetränkte Sozialromantik. Pedro Sánchez: Man weiß nicht, was der Mann denkt Sánchez mangelt es sicherlich nicht an politischem Instinkt. Für ihn gilt wirklich der Spruch (politisch) “Totgesagte leben länger”. Trotzdem ist er keiner dieser charismatischen Führungsfiguren, die aus dem Bauch heraus schnelle Entscheidungen fällen. Sánchez fragt, notiert, berät sich mit Experten und fällt dann allein eine Entscheidung. Obwohl er sicherlich nicht das Rampenlicht scheut, gilt er in dieser Beziehung als geradezu extrem verschlossen. Man weiß nicht, was der Mann denkt. Die weitere Einschränkung der Arbeit und Produktion deutete sich am Freitag an, als er das Kabinett fragte: “Was haltet ihr davon, die Produktion weiter herunterzufahren, vor allem die Bauwirtschaft?” Die Minister debattierten, Sánchez ließ alle im Unklaren über seine Meinung und überraschte am Samstag mit der televisiven Ausrufung des Zwangurlaubs. Ist Isolation die richtige Therapie? Lag er damit richtig oder erweist sich die Therapie als schädlicher als die Krankheit? Vor ein paar Wochen hätte sich niemand ausmalen können, dass die Regierung die Fallas, die Feria de Abril oder Ostern absagen würde wegen eines Virus aus Wuhan. Nun liest man nur noch wenig über Panikmache in den Sozialen Netzwerken, aber viel darüber, dass die Regierung früher hätte handeln müssen. Trägt ein Volk von 47 Millionen Menschen derartig drastische Einschnitte in die persönliche Freiheiten mit, ohne die Gründe klar vor Augen zu haben? Die Münchner tummelten sich doch noch zu Hunderten am Viktualienmarkt, als in Spanien Bars und Plätze schon dicht waren und in Teilen Italiens sich niemand mehr auf die Straße traute. Madrid reagierte erst, als die flach starteten Kurve auf der Graphik der Ansteckungen die Richtung änderte. Das erwies sich als spät denn seitdem steigt die Kurve steil nach oben und nichts ändert sich bisher daran. Trotzdem hallt der Regierung bislang kaum Kritik entgegen. Nicht wegen des Fiaskos mit den Schnelltests oder der traurigen Figur, die das Gesundheitsministerium nach der über Jahre betriebenen Auslagerung Kompetenzen in die Regionen heute abgibt. Nun muss die Zentralregierung ob der extremen Schwierigkeiten bei der Beschaffung medizinischer Ausrüstung für die Bekämpfung des Coronavirus mitansehen, wie die Regionen auf Einkaufstour gehen, denen sie zuvor per Notstandsdekret die Kompetenzen entzogen hatte. Reagierten Downing Street oder das Weiße Haus denn schneller oder besser auf die Krise? Es wird sehr einsam um Pedro Sánchez Nun wird es sehr einsam um Pedro Sánchez in der Moncloa. Niemand hält sich dort gerne mehr auf. Der Regierungspalast steht wie das ganze Land unter Quarantäne und sogar ein bisschen mehr, da auch Familienmitglieder des Regierungspräsidenten infiziert sind. Bei einem Blick in die Journalistenrunde nach den Pressekonferenzen sieht man nur Leute mit Masken und Handschuhen. Die vergangene Woche erwies sich als ebenso hart wie Sánchez angekündigt hatte – was die Entwicklung der Pandemie betraf. Man wird Sánchez einmal viel vorwerfen können. Doch jetzt ist nicht der Moment dafür. Mariano Rajoy versank in einem Sumpf aus Korruption und Katalonien, Jose Luis Rodríguez Zapatero sah die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht kommen und weg war er. All das erscheint so lächerlich und insignifikant im Vergleich zu dem, was auf das Land während und nach 2020 zukommt.

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