Radfahrer auf einem Radwanderweg in Spanien.
+
Der Fahrrad-Boom nach Corona schafft auch in Spanien eine höhere Nachfrage nach mehr und besseren Radwegen.

Mit dem Fahrrad durch Spanien

Radweg durch die Vega Baja bis Torrevieja in Planung: Fahrradfahren immer noch lebensgefährlich

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
    schließen

Mit dem Rad durch Spanien, das kann vor allem an der Küsten entlang mitunter ein lebensgefährliches Abteneuer sein. Durch die Vega Baja im Süden von Alicante soll, nach erprobtem Rezept, bald eine „Vía verde“ entlang einer alten Eisenbahnstrecke durchgehendes Wander- und Radfahrvergnügen bis Torrevieja garantieren. Der gefährliche Haken: Die Verbindung von den Städten an die Radwege.

San Isidro/Torrevieja – Die Vega Baja ganz im Süden der Provinz Alicante, wörtlich Tiefebene, ist für das Fahrradfahren eigentlich bestens geeignet, auch weil sie so flach ist, dass selbst ältere Semester mühelos vorwärts kommen. Kämen. Es gibt auch schöne Routen, entlang der Bewässerungskanäle des Segura-Flusses und weiter an den Feldern der Huerta oder zum Teil parallel zur Nationalstraße und Autobahn A7. Allerdings sind die Wege immer wieder unterbrochen von schier unüberwindlichen Straßen oder enden jäh im Nichts. Tödliche Unfälle in Kreisverkehren oder auf Standstreifen mit Fahrradbeteiligung sind hier leider keine Seltenheit.

Radfahren an der Costa Blanca: Fahrradwege sind häufig Stückwerk, 3 Millionen Euro für Radweg San Isidro-Torrevieja

Noch unmöglicher ist die Anfahrt aus den größeren Orten, Torrevieja, Guardamar, Orihuela Costa, die praktisch über keine erkennbare Fahrrad-Infrastruktur verfügen, was Radler zu dem absurden Vorgang nötigt, ihre Drahtesel zunächst ins Auto laden zu müssen, um Natur erleben und Sport machen zu können. Ansonsten sind Fahrradwege, die diesen Namen verdienen, an der Costa Blanca noch immer Stückwerk. Dabei erlebt das Fahrrad in ganz Europa, so auch in Spanien einen neuen Fahrrad-Boom, seit und nach Corona.

Im Moment noch ein Plan, bald Realität: Ein durchgängiger Radweg durch die Vega Baja, hier vorgestellt von einem Politiker aus Valencia.

Zum Thema: Die schönsten Radtouren durch Spanien

Das soll sich jetzt ändern, die Landesregierung Valencia nimmt drei Millionen Euro in die Hand, um eine durchgängige 33 Kilometer lange Vía Verde (grüner Weg) zu schaffen, entlang der alten Bahnstrecke des Salzzuges bis Torrevieja, exklusiv für Wanderer und Radfahrer. Dieser „Tren salinero“ fuhr noch bis in die 80-er Jahre von San Isidro bis zur Salzlagune in Torrevieja, quer durch die Huerta, vorbei an Stauseen, Palmen und Orangenplantagen.

Das Geld kommt aus dem Wiederaufbaufonds „Vega Renhace“, der aus Anlass der verheerenden Unwetter an der Costa Blanca 2019/2020 entlang der Costa Blanca mit reichlich Geld gefüllt wurde. So müssen erst die Schrecken des Klimawandels wüten, bis der Fortschritt Einzug hält. Vorige Woche präsentierte die Landesregierung Valencia bei einem Ortstermin das Projekt, das in drei Abschnitte eingeteilt wird: 1. Die bereits bestehende Vía Verde vom Naturpark El Hondo wird mit der Bahnstation San Isidro vereint und der Weg entlang der CV-913 von Catral bis Callosa geführt (ca. 3 Kilometer). 2. Verschiedene Teilstücke zwischen Catral, Dolores und Almoradí werden so verbunden, dass die AP-7 und die CV-913 vermieden bzw. überbrückt werden können.

Grüner Radweg in drei Phasen: Von San Isidro quer durchs Land nach Torrevieja

Von dort geht es auf die rechte Seite des Segura und 3. danach über Algorfa wieder zwischen die AP-7 und die CV-905 nach Los Montesinos bis zur rosa Lagune, wo man wiederum auf eine schon bestehende Vía verde trifft, die zum alten Bahnhofsplatz in die Stadt und so fast ans Meer führt. Eineinhalb Jahre gibt man sich, um alle Arbeiten, einschließlich einer verständlichen Ausschilderung umzusetzen.

Die eigentliche Herausforderung, diesen Traumradweg mit den Städten zu verbinden und dort endlich ein Fahrradwegnetz einzurichten, das die Lebenserwartung der Benutzer nicht halbiert, bleibt aber bestehen, denn das ist Angelegenheit der Kommunen. Und die schauen lieber auf Baukräne und Parkplätze als auf Fahrradständer und -wege. Teilweise sind die Urbanisationen in Torrevieja und Orihuela Costa, aber auch die Innenstädte so verbaut, dass selbst Fußgänger kaum Platz finden, Radfahrer sind dort immer noch Exoten.

Fahrrad-feindliches Torrevieja

Die Grünen und grün ambitionierte Parteien, die im Süden Alicantes klar in der Minderheit sind, fordern zwar immer laut eine intelligente Fahrrad-Infrastruktur, mit Wegen, Rad-"Autobahnen" und Verleihstationen, das Theme Vía Verde durch die Vega Baja sehen sie aber mit gemischten Gefühlen, denn eigentlich hofften sie darauf, die Bahnlinie, auf der demnächst Wandersleute und Radfahrer promenieren dürfen, eines Tages als umweltfreundliche Zugverbindung Alicante - Torrevieja und Alternative zum dominierenden Auto wiederbeleben zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare