Corona, Kriege und eine Steuer

Valencia ohne Fallas: Sieben Mal musste die Fiesta in ihrer Geschichte ausfallen

  • Anne Götzinger
    vonAnne Götzinger
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Zum zweiten Mal in Folge muss Valencia wegen Corona auf die Fallas verzichten. Erst sieben Mal in ihrer Geschichte konnte die Mega-Fiesta mit ihren brennenden Monumenten nicht stattfinden - wegen zwei Kriegen, Corona und einer Steuer.

Valencia – Wo eigentlich Schreiner und Fallas-Künstler am Werk sein sollten, ist eine Spraydose im Einsatz. „Hier brennt das Herz einer Falla“ – 382 Mal haben die Falleros von Valencia diesen Spruch in Signalgelb in der Nacht zum Montag auf den Asphalt der Straßen gesprüht, an den Punkten der Stadt, wo eigentlich die 382 teils haushohen Fallas-Monumente aus Pappmaché und Holz hätten errichtet werden sollen. In der Nacht vom 19. auf den 20. März wären sie hier und auch an anderen Orten der Costa Blanca komplett in Flammen aufgegangen. Doch zum zweiten Mal in Folge müssen die Falleros in Valencia wegen des Coronavirus auf ihr geliebtes Fest, das die Unesco 2016 zum Immateriellen Kulturerbe erklärte, verzichten. Auch 2021 scheint Spanien weitestgehend ohne Fiestas auskommen zu müssen. Auch die wichtigste Fiesta von Alicante, die Hogueras de San Juan, fallen 2021 nochmals aus.

ValenciaStadt in Spanien
Autonome RegionValencia
Einwohner794.288 (1. Jan. 2019)
BürgermeisterJoan Ribó (Compromís)

Es ist überhaupt erst die siebte Absage in der Geschichte der Fallas, die erstmals im Jahr 1774 erwähnt wurden. Zwei Kriege und eine inakzeptable Gebühr verhinderten vor der Coronavirus-Pandemie das Fest. So erklärte 1896 der Zivilgouverneur von Valencia wegen des Kuba-Kriegs zwischen Spanien und den USA den Kriegszustand und entschied zwei Tage vor Beginn der Fallas, das Fest nicht stattfinden zu lassen. Auch im Spanischen Bürgerkrieg konnten die Falleros in den Jahren 1937, 38 und 39 logischerweise nicht feiern.

Valencia ohne Fallas: „Wir werden zurückkehren“, verspricht diese Skulptur auf dem Rathausplatz.

Das erste Mal, das die Fallas überhaupt ausfielen, war jedoch keinem Krieg und auch keiner Pandemie geschuldet, sondern einer Steuer. Und es waren die Falleros selbst, die sich 1886 entschlossen, ihre Figuren nicht aufzustellen. Denn die Gebühr, die sie seit 1851 für das Aufstellen ihrer Monumente entlohnen mussten, war in diesem Jahr auf satte 60 Pesetas aufgestockt worden.

Keine Fallas in Valencia: Spießbürgertum erhöhte Gebühr für Aufstellen der satirischen Figuren

Zunächst betrug die Gebühr nur fünf Pesetas. Doch den (spieß)bürgerlichen Regierenden Valencias gefiel es gar nicht, dass sie in den satirischen Fallas-Figuren auf die Schippe genommen wurden und das Volk über sie lachte. Ihr Plan war also, die Gebühr immer weiter zu erhöhen, dass sich die Falleros den Spaß nicht mehr leisten konnten, und sich das Problem von selbst löste. In der Tat wurden es immer weniger Monumente, bis 1886 keine einzige Festkommission eine Falla in den Straßen aufstellte (wobei schon 1885 nur eine einzige Figur außerhalb der Stadtmauern errichtet wurde).

Dem Stadtrat Félix Pizcueta (1837-1890) ist es zu verdanken, dass das Fest nicht komplett starb. Er überredete Bürgermeister José María Sales Reig, die Gebühr wieder um zehn Pesetas zu senken, sodass 1888 wieder die Fallas von 27 Kommissionen in den Straßen Valencias standen. Heute ist Pizcueta in der Nähe der Stierkampfarena eine Straße gewidmet.

Die Fallas in Valencia müssen nach 2020 in diesem Jahr erneut wegen Corona ausfallen.

Keine Fallas in Valencia: „Wir werden zurückkehren“, versprechen die Falleros

Weder Kriege, noch das Spießbürgertum, noch ein Virus werden die Fallas ganz verschwinden lassen. 2021 findet das Fest situationsbedingt virtuell statt. Die Falleros haben ihre Fenster und Balkone in Valencia festlich geschmückt, und eine Crema findet am 19. März ebenfalls online statt. Wer sie sehen will, muss sich die App „Dulk Falla 2021“ herunterladen.

Unterdessen hat die Fallas-Welt auf dem Rathausplatz den Valencianern ein Versprechen abgegeben. Unter der einzigen Figur, die in diesem Jahr aufgestellt wurde – einer Hand, die eine echte Flamme auf dem Zeigefinger balanciert – kündigt sie an: „Tornarem“ – wir werden zurückkehren.

Rubriklistenbild: © Rathaus Valencia

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