Früchte aus Spanien

Feigen aus Alicante: In Albatera trägt ein Baum zwei Früchte im Jahr

  • vonStefan Wieczorek
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Schon mal Feigen in der Provinz Alicante probiert? Waren es „brevas“ oder „higos“? Zwei Früchte am selben Baum gedeihen vor allem im Garten Eden Albatera.

  • Bestimmte Feigenbäume von Alicante bringen zwei Früchte hervor. Im Juni die breva, später den higo.
  • 95 Prozent einer Feigen-Qualitätssorte in ganz Spanien wächst in Albatera, im Süden von Alicante.
  • In der Feige stecken Kalorien, Ballaststoffe, Mineralien, Vitamine - und an der Costa Blanca auch Poesie.

Albatera - Keiner in Spanien bekommt so schnell eine zweite Chance wie ein Feigenbaum von der Costa Blanca. Gleich zweimal im Jahr trägt das Gewächs an der warmen Küste von Alicante Früchte. Zuerst wird im Juni, also jetzt, die frühe Feige breva gepflückt, und spätestens im Herbst kommt auf denselben Bäumen die zweite, eigentliche Feige higo. Zwei Namen, zwei Früchte? Auf den ersten Blick sind sie gleich, nur ist die breva etwas größer, dafür aber weniger süß und zuckerhaltig. Probieren Sie es aus, jetzt ist auf den Wochenmärkten der Küste die (erste) Chance.

Garten Albatera: Eine reife Feige erkennt man an den Rissen in der Haut.

Wenn an der Costa Blanca Feigen verkauft werden, handelt es sich sehr wahrscheinlich um welche aus Albatera, im Süden von Alicante. Was die Qualitätssorte breva colar angeht, produziert das Städtchen im Norden der Vega Baja sogar 95 Prozent in ganz Spanien. Wegen eines besonderen Mikroklimas, das sehr frühe und gelungene Früchte hervorbringt, seien die brevas und higos in Albatera so spitze, erklären Landwirte. Kein Wunder, dass im Ort jedes Jahr zur Ernte sogar ein „Breva Rock-Festival“ steigt – nur im Coronavirus-Jahr natürlich nicht.

Feigen aus Alicante: Erste Ernte war schwach, zweite Ernte soll besser sein

In Alicante fällt die Ernte der Feige – jedoch wegen ungünstigen Wetters – diesmal nicht so wunderbar aus. 30 bis 40 Prozent seien wegen eines zu wechselhaften Winters futsch, sagt uns Antonio Gutiérrez vom Verband der Feigenbauern aus Albatera. Das Problem kam auch bei der Eröffnung der Ernte Anfang Juni zur Sprache. Albateras Bürgermeisterin und Abgeordnete für Wasserwirtschaft in der Provinz Alicante, Ana Serna (PP), forderte gute Bewässerung für den Garten Eden ihrer Gemeinde. Daher wolle sie sich weiter stark machen für das Wasser aus dem Tajo-Segura-Kanal.

Immerhin – das hat die Feige aus Alicante so an sich – ist bei schwacher breva ein starker higo zu erwarten. Das treffe auch in diesem Jahr zu, sagt Antonio Gutiérrez. Bereits im kommenden Juli würden die ersten higos des Jahres reif sein. Ungewöhnlich schnell ist sie 2020 da, die zweite Chance zum Probieren der Feige. Danach wird es wieder länger dauern, wie ein altes Sprichwort in Spanien sagt: „De higos a brevas", von higos zu brevas, bedeutet, dass jemand etwas sehr selten tut, also ein langer Zeitraum vergeht.

Am Feigenbaum schrieb Dichter Miguel Hernández in Orihuela seine ersten Werke

Übrigens: Als Paradiesfrucht ist die Feige seit tausenden Jahren bekannt. Im ersten Kapitel der Bibel kommt sie vor. Nein, nicht als die Frucht, die Adam und Eva verbotenerweise essen, sondern als der Baum, dessen Blätter dem ersten Menschenpaar als Kleidung dienen. In Alicante, an der Costa Blanca, umgibt die Feige eine Aura der Poesie. So schrieb Miguel Hernández, der Dichter aus Orihuela, seine frühen Gedichte unter dem Feigenbaum (higuera) in seinem Garten, der noch heute in seinem Museumshaus zu bewundern ist.

Garten Eden Albatera: Feigen an der Costa Blanca.

Aber was steckt neben Gottes Segen und Hernández´ Poesie denn noch alles drin, in dieser mythischen Frucht, die so herrlich im Hinterland von Alicante gedeiht? Zum einen viel Wasser und Kohlenhydrate in Form von Traubenzucker und Fruchtzucker – also reichlich Kalorien. Aber auch viele Ballaststoffe, Mineralien wie Kalium, Magnesium, Kalzium, sowie die Vitamine C und A, letztere mit all ihren antioxidantischen Qualitäten.

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