Strasse in einer Urbanisation in Spanien.
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Eine typische Straße in einer der Urbanisationen der Residenten in Spanien, hier Blue Lagoon in San Miguel de Salinas.

Ärger im Paradies

Ferienhaus in Spanien besetzt: Nach Einbruch blieben Eindringlinge tagelang im Haus

  • vonMarco Schicker
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Einbrüche und Besetzungen von Ferienhäusern häufen sich in Spanien. Marianne Ellerton erlebte in San Miguel de Salinas beides, ein Trickbetrug kam obendrauf. Hier berichtet sie von ihrem „blauen Wunder“, das sie in der Urbanisation Blue Lagoon erleben musste.

  • Fremde stellten sich Nachbarn als Freunde vor, räumten die Ferienwohnung an der Costa Blanca aus und tauschten die Schlösser.
  • Spanische Polizei reagiert freundlich, aber hilflos: Zu wenig Personal, zu viele Fälle von Einbrüchen und Besetzungen von Ferienhäusern.
  • Besitzer von Ferienhäusern in Spanien rüsten selber auf, Kommunikation mit Nachbarn und Eigentümerversammlungen als Schlüssel zu mehr Sicherheit.

San Miguel – „Also für mich ist das schon eine neue Dimension krimineller Energie“, lautet das Fazit von Marianne Ellerton nach einigen aufregenden Wochen. Sie hat seit 1992 ein Ferienhaus in der Urbanisation Blue Lagoon von San Miguel de Salinas im Süden der Costa Blanca unweit von Torrevieja.

Ende Juli bekam sie einen Anruf ihrer Tochter, die nur eine Straße weiter wohnt, „und sie berichtete mir, dass ihr Poolmann ihr sagte, dass in meinem Haus offenbar Leute eingezogen sind, das Haus verwüstet haben und auch in drei andere Häuser, darunter das meiner Tochter eingebrochen worden sei“.

Die Gegend ist prädestiniert für Einbrüche: Gesichtslose Urbanisationen von Ferienhäusern wie es sie zu Tausenden in ganz Spanien gibt, viele Häuser stehen monatelang leer. Selbst wenn sie bewohnt sind, viele Ausländer sprechen kein oder kaum Spanisch, nicht überall gibt es so enge Kontakte zwischen den Nachbarn wie in Blue Lagoon. Aber wie man an der folgenden Geschichte sieht, sind auch die nicht immer eine Gewähr gegen Ungemach. Gewaltkriminalität wie zuletzt eine tödliche Auseinandersetzung in Ciudad Quesada bleibt dabei eher eine Ausnahme.

Ferienhaus in Spanien besetzt - bei Nachbarn als Freunde der Eigentümerin ausgegeben

Eine Freundin informierte dann den Sicherheitsdienst der Urbanisation Blue Lagoon, „der übrigens abends um zehn Feierabend hat“ und verständigte Nachbarn und Polizei. Die stellten fest, dass die Eindringlinge, die wegen des Auflaufs bereits über alle Berge waren, sämtliche Schlösser ausgewechselt hatten. Nachbarn erzählten dann Unfassbares: „Die Leute, offenbar ein Paar, waren schon seit mehreren Tagen in meinem Haus, sie haben sich als meine Freunde ausgegeben, die sich um Haus und Garten kümmern. Einem Nachbarn haben sie sogar freundlich die Hand geschüttelt“, erzählt Marianne Ellerton den Costanachrichten.

Hausbesetzer dringen in Privatsphäre ein

Am 1. August kam dann die professionelle Übersetzerin nach Blue Lagoon in San Miguel de Salinas zur Bestandsaufnahme: „Im Haus wurde sehr methodisch vorgegangen, Akten mit Dokumenten, Verträge, Bankunterlagen, wurden gestohlen, ebenso Bargeld, Schmuck, elektronische Geräte, alles war ein großes Durcheinander. Alles, was man ohne großen Aufwand aus dem Haus entfernen konnte, wurde mitgenommen.“

Reportage über das Problem aufgegebener Urbanisationen in Spanien. Hier am Mar Menor.

Dabei hatte Ellerton noch Glück im Unglück. Es war sozusagen günstig für sie, dass die Delinquenten nicht nur eingezogen sind, sondern auch gestohlen haben und daher abhauen mussten. Andernfalls hätte es ihr bei der Rechtslage in Spanien hinsichtlich Hausbesetzung passieren können, dass sie monatelang vor Gerichten um ihre Rückkehr ins Eigentum ringen muss oder, wie kürzlich in Jávea geschehen, sogar mit Lösegeldforderungen von Hausbesetzern konfrontiert wird.

Marianne Ellerton ringt noch immer mit dem Erlebten: „Ich empfinde einen regelrechten Ekel, dass in meinem Nachtkästchen ganz persönliche Dinge durchsucht und geklaut wurden. Sogar meine Nachtwäsche, alles wurde durchwühlt“. Wie zum Hohn hinterließen die ungebetenen Gäste einen Zettel auf ihrem Bett, um sich über die Polizei und ihr Opfer lustig zu machen: „LOL, Bobby Head“, stand darauf. Den Schreck noch nicht verdaut, ging es zur Guardia Civil, eineinhalb Stunden dauerte der Termin, „alles verlief sehr sachlich, meine Sorgen wurden ernst genommen und protokolliert“.

Überforderte Polizei bei Einbrüchen in Ferienhäusern in Spanien: Kein Ortstermin, keine Spurensicherung

Marianne Ellerton schaut trotz des erlebten Einbruchs mit Besetzung in ihr Ferienhaus in Spanien optimistisch in die Zukunft.

Aber viel mehr geschah auch nicht, kein Ortstermin, keine Spurensicherung. Dabei hatte Marianne Ellerton extra darauf geachtet, einige Wasserflaschen im Haus, die die Eindringlinge offenbar dort gelassen hatten, nicht zu berühren, möglicher Spuren wegen. Die Eindringlinge hatten sich offenbar sehr wohnlich eingerichtet: Besetzung all inclusive. „Aber sehen Sie die Leute dort? Die haben das gleiche Problem wie Sie“, erklärte ihr einer der Polizisten und zeigte auf zwei weitere Paare, die bereits warteten. Das war alles.

Marianne Ellerton verständigte die Versicherung und schaut schon wieder optimistisch in die Zukunft. Ihre Küche will sie renovieren und als die Costanachrichten mit ihr sprechen, werkeln Gärtner an den Palmen im Garten. Die Eigentümervereinigung von Blue Lagoon hat ein Warnschreiben versandt und deutet auf die „mafiösen“ Abläufe hin, denn Einiges weist darauf hin, dass hinter dem Paar eine größere Organisation steckt.

Die Geschädigte will gegen erneuten Einbruch aufrüsten, verstärkte Türen, teure Schlösser, eine Kameraüberwachung, die mit einer Sicherheitsfirma verbunden ist. Man muss sich in Spanien wohl selbst helfen, dabei gehört Ellerton in ihrer Urbi noch zu den gut Vernetzten, in anderen Gegenden gibt es Anlagen, da kennen sich nicht einmal die direkten Nachbarn.

Kaum Polizei gegen Einbrüche und Hausbesetzer in Ferienwohnungen Spanien: Stadt sich selbst überlassen

Natürlich könnten die Einwohner von Blue Laguna das Rathaus von San Miguel de Salinas auffordern, für Sicherheit ihrer Wohngebiete und Bürger zu sorgen. Das ist schließlich deren gesetzlich definierter Job. Außerdem musste die Urbi jahrzehntelang vor Gericht dafür kämpfen, dass San Miguel Blue Lagoon überhaupt als ortszugehörig anerkennt, da wäre Wiedergutmachung durch Kameraüberwachung und Polizeipatrouillen wohl angebracht. Bei Hausbesetzungen ohne Gewaltanwendung ist ein Eingreifen der Polizei noch schwieriger.

Doch San Miguel de Salinas hat selbst kaum Polizisten, wie viele kleine Gemeinden in der Vega Baja, in Alicante, in ganz Spanien. Für Nachtstreifen selbst im Stadtzentrum gibt es kein Personal, sie ist sich selbst überlassen. Passiert etwas, muss erst die Guardia Civil aus dem 15 Kilometer entfernten Torrevieja anrücken, – wenn die ein freies Einsatzfahrzeug haben, denn die rund 70 Guardias müssen ganz Torrevieja und Orihuela Costa abdecken.

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