Rauchsäule über der Cala Mosca in Orihuela Costa.
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So ein Zufall: Am 10. November brennt es in der Cala Mosca in Orihuela Costa. Kurz davor wurde eine Umweltstudie zur Bebauung abgewiesen.

Bauwahn an der Costa Blanca

Ferienwohnung mit Meerblick an der Costa Blanca: Bucht in Orihuela brennt

  • vonMarco Schicker
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Der letzte unbebaute Küstenkilometer von Orihuela Costa soll mit 1.500 Wohnungen zugebaut werden. Als das Projekt an einer Umweltstudie zu scheitern droht, brennt die Bucht. So ein Zufall.

Orihuela Costa – Mit Entsetzen vernahmen Umweltschützer, aber auch viele Bürger der Region im Frühjahr 2020 die Nachricht, dass Orihuela den letzten unbebauten Kilometer an seiner Küste an der Cala Mosca mit 1.500 Wohnungen zupflastern wolle. Mitten in der Pandemie hatte die PP-Ciudadanos-Regierung alte Anträge, die wegen der Finanzkrise lange auf Eis lagen, reaktiviert und genehmigungsfähig gemacht, gegen jeden Rat von Städteplanern, Ökologen und den Vorgaben aus Valencia. Seit 2007 gab es jedes Jahr Demonstrationen für den Erhalt der Bucht als Naturreservat. Alles schien vergeblich.

Cala Mosca: Noch mehr Ferienwohungen an der Costa Blanca

Orihuelas letzter unbebauter Küstenabschnitt, die Cala Mosca.

Für die Cala Mosca, den felsigen und letzten nahezu unberührten Küstenabschnitt in Orihuela Costa mit seiner luftigen Heide, wo wilder Rosmarin, Katzenköpfe, Anis und das geschützte Felsenröschen gedeihen, schien das Schicksal besiegelt. Rund 4.000 neue Bewohner würden die ohnehin prekäre Infrastruktur mit ihren Autos ans Limit bringen, noch weniger Land bliebe, das bei den unvermeidlichen Dana-Unwettern Wasser aufsaugt.

Fast jedes Jahr seit 2007 kommt es in Orihuela zu Demonstrationen für den Schutz der Cala Mosca. Die Stadt lenkte nie ein. Hier ein Protest im Jahre 2010.

Die Bürgerpartei Claro hatte schon 2009 über 7.000 Unterschriften gesammelt und bei der EU gegen das Projekt vorgelegt. Greenpeace und andere Umweltgruppen schalteten sich ein, die Finanzkrise bremste die Planungen zunächst. Doch ausgerechnet ein Amt, das sonst vor allem mit der Betonierung des Landes befasst ist, kam der Natur an der Cala Mosca jetzt zur Hilfe. Die Opposition in Orihuela von Cambiemos informiert, dass die Dirección General de Carreteras, also das Straßenverkehrsamt jetzt den Bau als „nicht umsetzbar“ bezeichnet und die vorgelegte Umweltstudie des Immobilienentwicklers zurückgewiesen habe.

Bauvorhaben an Orihuela Costa: Umweltstudie ist Hürde, aber kein Hindernis

Ohne den Segen des Amtes wird es aber keine Baugenehmigung geben. Das Straßenamt kann mit der vorgelegten Umweltstudie der Projektfirma schlicht nichts anfangen, sie würde sämtliche Anforderungen an eine solche missen lassen und damit diverse EU- und nationale Vorgaben nicht erfüllen. Das Straßenamt vermisst eine verifizierbare Einflusstudie auf die Straßensicherheit und das von der Region Valencia deklarierte Mikroreservat.

Die Gegner des Projektes in der Cala Mosca glauben fest daran, dass es unmöglich sei, eine Studie dazu zu erstellen, die eine Genehmigung nach sich ziehen könne. Geübte Spanier wissen indes, dass dem nicht so sein wird. Häuser mit Meerblick haben in Spanien schon ganz andere Hürden genommen. Der Bauwahn in Spanien gilt vielen Politikern noch immer als lohnender Industriezweig.

Das Felsenröschen ist eine der geschützten Arten in der Heidelandschaft der Cala Mosca.

Feuer in der Fliegenbucht: Vollendete Tatsachen schaffen?

Und die Antwort kam prompt, denn nur zwei Tage nach Ablehnung der Umweltstudie seitens des Straßenamtes brannte die Vegetation in der Cala Mosca am Dienstag, 11. November, lichterloh und vernichtete viele Pflanzen, vor allem Kiefern, aber auch die bodennahen Gewächse, wegen denen die Bucht unter Schutz steht. Die Polizei ermittelt. Wo keine Umwelt, da ist auch kein Umweltschutz nötig. An einen Zufall mag keiner glauben, zu oft hat man dieses Schema, mit rechtswidrigen Mitteln vollendete Tatsachen zu schaffen, an der Costa Blanca und in anderen Küstenzonen von Spanien schon erlebt.

Ferienwohnungen in Orihuela Costa: Baugrundstücke als Ladenhüter

Auch für zwei von drei andere relativ küstennahe Grundstücke sieht es in Orihuela derzeit nicht gut aus. Bereits zum zweiten Male versuchte das Rathaus Orihuela seit dem Frühjahr die Flächen zu verkaufen, auf denen - was sonst - weitere Ferienwohnungen entstehen sollen. Netto 17,4 Millionen Euro wollte man damit erlösen, ganze 565.000 nahm man ein, denn nur das kleinste Grundstück im PAU-9 wurde man los, die beiden anderen unweit der AP-7 blieben auch beim zweiten Aufruf ohne Bieter. Von einer dritten Ausschreibung raten Experten derzeit ab, man müsste nun zu hohe Preisnachlässe gewähren, abwarten sei geraten. Oder, wie Bürgerinitiativen fordern, eine neue Konzeption mit einer kommunalen Nutzung finden. Parks und ein echtes Gemeindezentrum täten in dem zugebauten Gebiet Not.

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