Eine Person schaut auf eine Tablet-App für Ferienwohnungen in Spanien.
+
Lohnt sich die Online-Vermietung von Ferienwohnungen an der Costa Blanca? Die Uni Alicante untersuchte das jetzt für Torrevieja.

Ferienwohnung an Costa Blanca

Ferienwohnung in Spanien vermieten: Torrevieja testet, ob es lohnt

  • vonMarco Schicker
    schließen

Torrevieja liegt in Spanien an der Spitze bei der Vermietung von Ferienwohnungen, sogar noch vor Benidorm. Eine Studie untersucht, ob sich Registrierung von Appartements und Online-Vermietung lohnen. Ist das Konzept Ferienwohnung tauglich für die Post-Covid-Ära? Torrevieja plant indes weitere Massensiedlungen und etliche Hochhaus-Projekte.

Torrevieja/Alicante – Von Februar 2019 bis Februar 2020 haben Torreviejas Ferienwohnungen über die entsprechenden Online-Plattformen 25,8 Millionen Euro Umsatz eingefahren, das sind im Schnitt 4.161 Euro pro Einheit. Eine Arbeitsgruppe der Universität Alicante untersuchte dafür die Performance der 6.200 offiziell registrierten Ferienappartements in Torrevieja. Dabei wurden rund 250.000 Gäste, also rund 40 pro Wohnung und Jahr betreut.

Ferienwohnung in Torrevieja vermieten: Bescheidener Umsatz auf´s Jahr gerechnet

Die Studie der Uni Alicante hat zum einen den Zweck, das Potential des Ferienwohnung-Tourismus der Salzstadt Torrevieja zu erkennen, aber auch zu zeigen, dass sich mit der legalen Anmeldung einer Zweitwohnung zur Vermietung in Spanien durchaus Geld verdienen lasse. Wenn man bedenkt, dass Torrevieja mit offiziell 82.000 Einwohnern in seinen Büchern rund 122.400 Wohneinheiten führt, von denen knapp die Hälfte als klassische Ferien- oder Zweitwohnungen laufen, lässt sich erahnen, wie hoch der nicht gemeldete Teil des Urlaubs-Business sein dürfte, auch wenn man berücksichtigt, dass viele ihre Wohnung gar nicht an Fremde vermieten wollen.

Die Studie widerlegt sich außerdem in gewisser Weise selbst, denn die errechneten 4.160 Euro Jahresumsatz pro Einheit rechnen sich in lediglich 346 Euro Mieterlös pro Monat um, die man locker auch durch Langzeitverträge erwirtschaften könnte, ohne jede Woche alles putzen und neu beziehen zu müssen. Außerdem ballen sich die Vermietungen nach wie vor um die Sommermonate, trotz aller Bemühungen mit Angeboten im Sport, dem naturnahen Tourismus, Golf- oder maritimen Tourismus die Saison zu entzerren.

Ferienwohnung mit Meerblick oder Nähe zum Meer vermietet sich in Torrevieja am besten

Booking.com, TripAdvisor und allen voran AirBnB waren die wichtigsten Buchungsplattformen, auf denen es gen Torrevieja in den zwölf gemessenen Monaten, bevor der Corona-Hammer zuschlug, zu 77.061 Abschlüssen bei der Vermietung von Ferienwohnungen kam, im Schnitt betrug die Aufenthaltsdauer 4,7 Tage durch je im Schnitt 3,5 Personen. Die besten Umsätze wurden demnach in La Mata, entlang der Stadtstrände und in Punta Prima generiert, 53 Prozent aller Einnahmen wurden dort, also in Meeresnähe, gemacht, was wenig überrascht. Lagen weiter im Inland wie in den Urbanisationen Torreta, die viel von ihrer Attraktivität eingebüßt haben, sind daher nur schwer oder zu sehr geringen Preisen vermietbar.

Richtig lohnen würde sich nach der Rechnung der UA also nur ein Konzept, bei dem die Ferienwohnung nah am Meer liegt, einen Pool hat und die nur für vier bis fünf Monate rund um die Hauptsaison vermietet, ansonsten aber selbst genutzt wird.

Private Vermietung der Ferienwohnung in Spanien: Steuerliche Anreize fehlen

Ist der Tourismus der Ferienwohnungen eine geeignete Strategie für die Costa Blanca in der Post-Covid-Zeit?

Die Studiengruppe, die Torrevieja mit seinem Ferienwohnungspotential noch vor Benidorm als größten „Hot Spot“ Spaniens qualifiziert, regt an, die Vermarktung dieses Tourismussegments dreigleisig zu verstärken: Die Eigentümer sollten „pädagogisch“ vom Nutzen (und der gesetzlichen Pflicht) zur Anmeldung ihrer Objekte überzeugt werden, sie sollten durch Grundsteuer-Nachlass und andere finanzielle Anreize gelockt werden. Derzeit bietet das Finanzamt eine Art pauschale Abgeltungssteuer bei Einnahmen unter einer bestimmten Grenze. Doch die Marketing-Leute fordern lokale Anreize seitens der jeweiligen Rathäuser.

Und die Werbekampagnen der Zukunft sollten die Vorzüge eines individuellen Ferienappartements in der Post-Covid-Zeit in den Vordergrund stellen. Keine Ballungen von Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen, individuelle Ausstattung und Betreuung. Wichtig seien auch begleitende kulturelle und sportliche Angebote in der Gemeinde, um die Hauptsaison zu entzerren und ganzjährige Anreize für Urlauber, aber auch Home-Office-Arbeiter zu schaffen, nach Torrevieja zu kommen. Nur ein Rummelplatz und ein paar Wasserrutschen im Industriegebiet sind zu wenig. Die Uni-Studie fordert Torrevieja zudem dazu auf, mehr in die Gestaltung der peripheren Bezirke zu investieren, dort Grünanlagen und soziale Zentren zu errichten, sie lebenswerter zu machen. Doch die Stadt kämpft, zum Beispiel aktuell im Fall von Torreta III, teils bis zum Höchstgericht darum, das nicht tun zu müssen.

Progressive Urbanistiker und Umweltschützer sehen den Tourismuszweig der individuellen Ferienvermietung eher kritisch, würde er doch zu hohem Flächenverbrauch bei relativ langem Leerstand führen. Ein Zukunftskonzept sei er nicht, auch wenn viele Immobilienentwickler trotz der urbanistischen Übersättigung in Torrevieja, aber auch Orihuela Costa weitere Urbanisationen, teilweise ganze neue Stadtteile planen. In Torrevieja ist das vor allem die Großurbanisation La Hoya zwischen den beiden Lagunen, wo giganteske 7.100 Wohneinheiten geplant sind sowie die aktuell ausgeschriebenen Hochhausprojekte.

Torrevieja plant Wolkenkratzer - Weiter Masse statt Klasse

Danach könnten bis zu 15 „Wolkenkratzer“ entlang der küstennahen Zonen in Torrevieja entstehen, was das Stadtbild radikal veränderte, Torrevieja würde sich so „benidormisieren“. Öffentlich ausgelegt und im regionalen Amtsblatt präsentiert, ist derzeit das Vorprojekt für zwei 82-Meter-Hochhäuser an der Dique de Levante „Baraka“, unweit der Eras de la Sal und unmittelbar am Parque Doña Sinforosa. Ferienwohnungen und ein Hotel sollen dort entstehen. Das Vorprojekt will den Park, einer der wichtigsten (und wenigen) im Stadtgebiet für 3,9 Millionen Euro komplett ummodeln, alte große Bäume müssten dem Meerblick weichen. Ähnliche Pläne scheiterten seit 1991 am Protest der Anwohner oder diversen Finanzierungskrisen des Sektors. Auch das jetzige Vorhaben widerspricht sämtlichen Empfehlungen der Fachleute, würde es doch massiv auf „Masse statt Klasse“ setzen. Weitere 13 Hochhäuser von je knapp unter 30 Etagen sind an der Cala Palangre geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare