eine kolonie rosa flamingos kauert an der laguna la mata torrevieja in spanien
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An der blauen Lagune von La Mata in Torrevieja fanden die Flamingos beste Brutbedingungen vor.

Mensch und Natur

Flamingos in Torrevieja: Überstürzte Flucht, Nester verlassen, Kindergarten verlegt

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Erst sah es so aus, als würden die Flamingos an der Lagune von Torrevieja wieder einige Hundert Küken ausbrüten, doch von einem Tag auf den anderen waren Nester und wohl auch schon geschlüpfte Küken verlassen. Flohen die Flamingos vor Hunden oder vor dem Menschen? Womöglich vor beiden, vermuten die Parkranger, die nach Wochen den „Kindergarten“ wiederfanden.

Torrevieja - Parkwächter, Umweltschützer und Biologen durchleben 2021 ein wahres Wechselbad der Gefühle beim Beobachten der Flamingo-Kolonien in der blauen Lagune von Torrevieja. Im Vorjahr schlüpften hier über 800, veilleicht sogar mehr als 1.000 Flamingo-Küken, ein einmaliger Rekord, der Dank günstiger Wetterumstände, vor allem aber wegen der Corona-Ruhe erreicht wurde. In diesem Jahr sah es zunächst ebenfalls günstig aus, die Regenfälle im Frühjahr ließen die Wasserstände auf futterreiche Höhen steigen, auch wenn der Pegel für andere Wasservögel, darunter Reiher, Möwen und weitere Bodenbrüter nicht vorteilhaft war und sie sich andere Brutplätze suchten.

Flamingos in Torrevieja: Ein Kommen und Gehen

Doch plötzlich im Monat Mai, mitten im Nestbau, flohen hunderte Flamingo-Brutpaare aus der Lagune, setzten sich nach Málaga, Santa Pola, Albacete und sogar nach Algerien ab. „Zu viel Lärm“, konstatierten die Parkwächter, „unsere wiederkehrende Normalität vertreibt die Vögel“. Umso größer war die Freude, als rund 200 Paare bald wieder zurückkehrten und begannen Nester zu bauen, allerdings sehr spät. Mitte Mai brüteten die ersten Paare dann, doch seit 5. Juli mussten die Beobachtungsposten vom Monte Los Montesinos vermelden: Die Kolonie ist verlassen, die Nester und Eier sind aufgegeben.

Das Tragische: Im Juni wurden bereits etliche Küken gesichtet, über deren Verbleib man nichts weiß, die aber noch so jung sind, dass sie unmöglich alleine überleben oder gar fliegend ihren Eltern folgen könnten. Mit Rücksicht auf die anderen sensiblen Brüter wollten die Parkranger indes von einer Begehung des Areals vorerst noch absehen.

Flamingos in der Großstadt. Eine Kolonie im Feuchtgebiet des Bezirks Urbanova von Alicante.

Die Ursache der plötzlichen Flucht der Flamingos ist den Experten noch nicht klar, doch es muss etwas Schwerwiegendes geschehen sein, denn würden die majestätischen Vögel schon einmal ihre Eier aufgeben, verteidigten sie ihren geschlüpften Nachwuchs normalerweise doch vehement. Neben Lärm kommen vor allem Hunde als Störfaktoren in Frage. Streuner ebenso wie von ihren Besitzern von der Leine gelassene Vierbeiner, was übrigens strengstens verboten ist. Hunde haben im gesamten Lagunen- und Naturparkbereich nicht einmal an der Leine etwas verloren, so der Park in einer Aussendung.

Hundeverbot missachtet? Flamingos von Torrevieka ließen Nester und Küken überstürzt im Stich

Katzen, von denen es in der Gegend viele verwilderte gibt und die als geübte Nesträuber gelten, trifft jedenfalls keine Schuld, so ein Parkranger, der schon mehrfach beobachten konnte, wie die Flamingos die Minitiger mit gezielten Schnabelhieben in die Flucht schlugen und sich die Katzen normalerweise von den rosa Familien fernhalten.

Die Parkleitung und die am Projekt Flamingo beteiligten Umweltschutzgruppen fordern nun das für die Naturpark-Lagunen zuständige valencianische Umweltministerium auf, nach einer Untersuchung ein Protokoll mit Maßnahmen zu erstellen, die eine Wiederholung des sensationellen Bruterfolgs unterstützen könnte. Wenigstens die menschengemachten Faktoren könne man schließlich beeinflussen und so ein Habitat mit den exotisch anmutenden Vögeln erhalten, das diese Gegend zu etwas ganz besonderem mache. Dieser Plan betrifft nicht nur die blaue Lagune von Torrevieja, auch die rosa Lagune, in der industrielle Salz abgebaut wird, steht unter Schutz und ist ein wichtiges Habitat. Ein von Menschen verursachtes, verheerendes Großfeuer zerstörte an der rosa Lagune von Torrevieja kürzlich erst Tier- und Pflanzenwelt.

Und dann doch ein kleines Happy End: Erst Wochen nach der überstürzten Flucht, am 19. Juli, vermelden Biologen und Parkranger, dass der „Kindergarten“ der Flamingos wieder gefunden wurde, in einem versteckten, weit abgelegenen Teil der blauen Lagune. „Manche Küken strecken sogar schon die Flügel“, freuen sich die Forscher, dennoch: so viele Küken wie bei der ersten Zählung sind es längst nicht mehr.

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