Demokratie unter der Erde

Franco-Diktatur an der Costa Blanca: Exhumierungen sollen Aufschluss über Opfer in Valencia und Alicante geben

  • vonStella Kirchner
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Die Landesregierung von Valencia exhumiert Massengräber aus Zeiten des Bürgerkriegs und den Anfängen der Diktatur. Erste Opfer konnten in Castellón identifiziert werden. In Monóvar wurden die Skelette der Opfer 1988 bewegt und konnten nicht gefunden werden. 

  • In Castellón wurden über 60 Skelette von Opfern des Spanischen Bürkerkriegs und aus den frühen Jahren der Franco-Diktatur gefunden und identifiziert.
  • An der Costa Blanca gräbt die valencianische Landesregierung ebenfalls Friedhöfe um.
  • In Monóvar in der Provinz Alicante konnten die gesuchten Opfer nicht gefunden werden, weil sie wohl vor über 30 Jahren beim Ausbau des Friedhofs bewegt wurden.

Valencia/Castellón – Anfang Juli in Castellón: Hilfsarbeiter der valencianischen Landesregierung graben zwölf Skelette aus einem Massengrab aus den 1930er und 1940er Jahren aus. Zwei Wochen später sind die Opfer, deren sterbliche Überreste aus dem Grab entfernt wurden, bereits identifiziert. Die meisten von ihnen sind Mitglieder der Gewerkschaft CNT, eine Person war wohl Mitglied der Sozialistischen Partei (PSOE) aus Spanien, die sich auch an der Costa Blanca dem Faschismus widersetzte. Ihre Ermordung ging vermutlich auf das Konto des Heeres um Diktator Francisco Franco.

Francisco FrancoEhemaliger Spanischer Ministerpräsident
Geboren4. Dezember 1892, Ferrol
Gestorben20. November 1975, Madrid
Größe1,63 m

Franco-Diktatur an der Costa Blanca: Opfer nahe der Stadt-Friedhöfe verbuddelt

Die Exhumierungen in Castellón markieren nur den Anfang eines Großprojekts zur historischen Erinnerung der valencianischen Landesregierung, das auch an der Costa Blanca fortgeführt wird. Nach dem Startschuss in Castellón folgten Ausgrabungen in Segorbe, Alicante, Orihuela und Monovar. Dabei hatte das Team in Castellón ursprünglich nur acht verschwundene Opositionelle aus den Anfängen der Diktatur von Francisco Franco gesucht. Diese fanden die Totengräber und noch dazu vier weitere Regime-Gegner im Grab sowie acht weitere, die in der Nähe des Friedhofs von Castellón verbuddelt waren.

Franco-Diktatur an der Costa Blanca: Auch unter dem Friedhof in Alicante werden Skelette von Opfern des Faschismus gesucht.

Das Projekt, für das die Landesregierung Valencia 88.000 Euro ausgibt, legt bisher unbekannte Episoden des valencianischen Widerstands gegen die Repressionen von Francisco Franco im wahrsten Sinne des Wortes frei. So konnten in der Provinz Castellón mittlerweile die Überreste von Bürgermeistern der Gemeinden Villahermosa und Lucena del Cid, die in den 1940er Jahren im Amt waren, identifiziert werden. Besonders prominent war der Fund von Ramón Albella Peris, der am 12. Februar 1943 von den Franquisten in Riu Sec (Castellón) erschossen wurde. Seit vielen Jahren suchten seine Nachkommen nach den Überresten des Oppositionellen. Den Fund präsentierte Iñaki Pérez Rico, valencianischer Generaldirektor für Demokratie, den Urenkeln des Verstorbenen.

Franco-Diktatur an der Costa Blanca: Alicante und Orihuela suchen nach Faschismus-Opfern

So detaillierte Informationen über Opfer des Spanischen Bürgerkriegs und der frühen Phase der Diktatur unter Francisco Franco wie in Castellón vorliegen steht an der Costa Blanca nach der Exhumierung von elf Opfern in Alicante und 17 in Orihuela noch aus. In Monóvar gab es einen herben Rückschlag: Die exhumierten Skelette scheinen um das Jahr 1988 herum bereits aus dem Massengrab entfernt worden zu sein. Das scheint im Zuge des Ausbaus des Friedhofes passiert worden zu sein. Landesdemokratiedirektor Iñaki Pérez vermutet, dass die Überreste mit Erde bewegt wurde, die für neue Gräber ausgehoben wurde und in einem Bereich abgeladen wurde, der heute asphaltiertes Gelände ist. Die Familien der 26 gesuchten Opfer des Bürgerkrieges wurden bereits benachrichtigt.

Im ganzen Land Valencia konnten in diesem Sommer bis jetzt bereits mehrere Dutzend aus Zeiten des Spanischen Bürgerkriegs und der frühen Anfänge der Franco-Diktatur identifiziert werden, erklärt die Landesregierung von Valencia. Auch die Nationalregierung engagiert sich für eine Verstärkung der Erinnerungskultur. Nach einem neuen Gesetz gerät nun die „Franco-Stiftung" ins Aus und Verherrlichungen der Diktatur werden härter bestraft. Nach Schätzungen der Frankfurter Rundschau können in ganz Spanien in den kommenden fünf Jahren bis zu 25.000 Skelette ausgegraben und identifiziert werden*. Besonders wichtig sind die Erkenntnisse aber für die betroffenen Familien, die endlich das wahre Schicksal und auch die Heldentaten ihrer Ahnen erfahren. fr.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Ángel García

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