Fischerboote im Hafen von Gandía in der Region Valencia
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Der Fischerhafen von Gandía ist nur eines der Highlights des Küstenortes.

Küstenort der Kontraste

Vom Sitz der Herzöge zum quirligen Touristenzentrum – Gandía bietet Besuchern immens viele Möglichkeiten

  • vonAndrea Beckmann
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Fischerboote, die am Nachmittag mit ihrem Fang im Hafen einlaufen, kilometerlange feine Sandstrände, an denen im Hochsommer Hochbetrieb herrscht, und eine Altstadt, in der jahrhundertealte Bauten neben traditionellen Lokalen und modernen Boutiquen bestehen - das alles macht Gandía im Landkreis La Safor in der Region Valencia aus.

  • Gandía hat einen quirligen Hafen, feine Sandstrände, eine sehenswerte Altstadt und sehr viel Geschichte zu bieten.
  • Nicht versäumen sollte man einen Besuch im Palast der Borja-Dynastie.
  • Gandías Palast brachte berühmte Kardinäle und Päpste wie Papst Alexander hervor, aber auch den Schutzheiligen der Adligen.

Gandia - Kaum ein anderer Ort der Region ist so kontrastreich wie Gandía. Kulturinteressierte kommen in dem 80.000 Einwohner zählenden Küstenort ebenso auf ihre Kosten wie Sonnenanbeter und Besucher, die in Feierlaune sind. Aber auch Shoppingcenter und eine Einkaufsstraße, die Calle Mayor, die mit originellen Läden und Schuhgeschäften lockt, machen den Ort zu einem attraktiven Ziel. Vor allem jetzt, da der Sommerschlussverkauf mit interessanten Schnäppchen lockt.

Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzValencia
ComarcaLa Safor
Fläche 60,83 Quadratkilometer
Einwohner74562 (1. Jan. 2019)

Es gibt viel zu entdecken im Tourismusort Gandía: Sowohl im Ortskern der alten Königsstadt, als auch im zwei Kilometer entfernten Fischerviertel

Gandía ist zweigeteilt. Da ist zum einen der Stadtteil der Fischer, Grao de Gandía (spanisch), der mit Gandía Platja (Valenciano: Strand) verschmilzt. Hingegen liegt der Ortskern der alten Königsstadt zwei Kilometer von der Küste entfernt. Längst ist aber auch in erster Strandlinie ein Touristenzentrum gewachsen, das mit anderen Küstenorten Spaniens durchaus konkurrieren kann.

Gandía Platja ist während des Touristenbooms der 1970er und 1980er Jahre entstanden. Dort, an der sieben Kilometer langen Playa Norte, die vor allem bei Familien sehr beliebt ist, stehen die meisten Hotels sowie unzählige Apartmentanlagen. Unterkünfte, die sich in den Hochsommermonaten Juli und August hauptsächlich mit nationalen Urlaubern füllen, die hier eine Ferienwohnung haben.

Gemächlicher geht es im heißen Hochsommer, wenn es die Urlauber ans Wasser zieht, in Gandías Altstadt zu. Auf keinen Fall versäumen sollte man dort einen Besuch im Palau Ducal dels Borja. Der Herzogspalast ist das Geburtshaus von Francisco de Borja, Urenkel von Papst Alexander VI. Im Innern des Palasts, der am höchsten Punkt der Stadt liegt, verbergen sich Sehenswürdigkeiten wie der Salón de Coronas (Kronensaal), die prunkvolle Galería Dorada (Goldene Galerie) sowie der Patio de Armas (Kasernenhof).

Der Herzogspalast von Gandía, Geburtshaus vom Urenkel von Past Alexander VI., wurde 1240 unter Jaime I. erbaut

Gebaut wurde der Palast 1240 unter Jaime I. Über mehrere Jahrhunderte war er Sitz der Herzöge von Aragón. Rodrigo de Borja, der als machtbesessener Papst Alexander VI. in die Geschichte einging, kaufte den Palast in Gandía 1485 noch zur Zeit als Kardinal für seinen ältesten Sohn Luis. In der Folgezeit lebten hier elf Herzöge des berühmten Adelsgeschlechts.

Zwei Päpste hat die Borja-Dynastie hervorgebracht. Als erstem Spanier überhaupt gelang es Alonso de Borja 1455, den Kirchenthron in Rom als Papst Kalixt III. zu besteigen. 36 Jahre später tat es ihm Rodrigo de Borja alias Papst Alexander VI. gleich.

Francisco de Borja verzichtete auf alle weltlichen Titel und trat dem Jesuitenorden bei - er ist der Schutzheilige von Gandía und des Adels

Während Rodrigo de Borja durch Exzesse und Machtbesessenheit von sich reden machte, stach sein Urenkel Francisco de Borja (1510 – 1572) durch Demut hervor. Der vierte Herzog von Gandía war bei Hof ein gern gesehener Gast, als er nach dem Tod seiner Frau Leonor de Castro 1546 zugunsten seines ältesten Sohnes Carlos de Borja y Castro auf alle weltlichen Titel verzichtete. Er trat dem Jesuitenorden bei. Am 12. April 1671 und knapp 100 Jahre nach seinem Tod wurde er von Papst Clemens XI. heiliggesprochen und ist seitdem Schutzheiliger von Gandía sowie des gesamten spanischen Adels.

Mit seinem Tod begann der Niedergang des Herzogtums von Gandía. 1887 wurde der Palast völlig heruntergekommen von den Jesuiten bei einer Versteigerung erworben, restauriert und zum Sanktuarium umgebaut. Noch heute leben Jesuiten in einem verborgenen Teil des unter nationalem Denkmalschutz stehenden Gebäudes, das ab 1995 aufwendig renoviert wurde. Wie viele, vermag niemand genau zu sagen.

Der Heilige Francisco de Borja erblickte am 28. Oktober 1510 im Palast der Borja in Gandía das Licht der Welt

Gandías Strände füllen sich im Sommer mit Gästen aus allen Teilen Spaniens.

Der Renaissancebau legt vor allem Zeugnis von der Regierungszeit des Schutzheiligen ab. Die Wände sind mit unzähligen Gemälden geschmückt, die Szenen aus seinem Leben als Herzog zeigen.

Während sich der Kronensaal und die barocke Goldene Galerie mit all ihrem Prunk geradezu überbieten, gelten eine unscheinbare Kammer, in der der heilige Borja-Kardinal seinen Glaubensstudien nachgekommen sein soll, sowie die Keramikkacheln aus Manises am Eingang des Kronensaals aus dem 18. Jahrhundert als kontrastreiche Highlights. Im Schlafzimmer Cámara de la Duquesa (Gemach der Herzogin) erblickte Franciso de Borja am 28. Oktober 1510 das Licht der Welt. Auch der Fußboden der Kammer ist mit Keramik aus Manises ausgestattet.

Wegen seiner Lage galt der Salón de Águilas (Adlersaal) als wichtigster Saal des Palastes. Von ihm schaute man nicht wie heute auf eine Häuserfassade, sondern auf einen großen freien Platz. Ein idealer Raum, um sich dem Volk zu präsentieren. Die Dekoration stammt ausschließlich aus der Zeit des zehnten Herzogs Pascual Francisco de Borja (Ende 17. Jahrhundert). Er war es, der die Decke des Raums eineinhalb Meter tiefer legen ließ. Dahinter verbirgt sich noch das Original.

Auch die Goldene Galerie, die aus fünf Sälen besteht, ließ dieser Kardinal zur Blütezeit des Barocks zu Ehren der Heiligsprechung des San Francisco de Borja gestalten. Die Eckpfeiler der Verbindungstüren ließen sich zu einem großen Tanzsaal öffnen. Die Verzierungen sind aus Holz und mit Blattgold überzogen.

Der Salón de Coronas (Kronensaal), der für Versammlungen genutzt wurde und an dessen linker Wand sich das einzige original erhaltene gotische Fenster befindet, galt ebenfalls als ein wichtiger Raum im Palast. Die von dem Jesuiten Martín Coronas bemalten Wandteppiche (20. Jahrhundert) zeigen Stationen aus dem Leben Francisco de Borjas. Auf einem der Gemälde ist seine Taufe in der Kirche La Colegiata zu sehen.

Die Santa Capilla (Heilige Kapelle) in Form eines Sarges war der private Gebetsraum des Francisco de Borja. Das Fenster zum Kasernenhof wurde erst viel später eingebaut. Ursprünglich existierte nur ein winziges Alabasterfenster, durch das kaum Licht in die Kapelle drang. Die Gemälde an den Wänden wurden im 16. Jahrhundert von dem italienischen Künstler Filippo Paolo de San Leocadio angefertigt. Sie stellen die 15 Mysterien des Rosenkranzes dar. Der Holzfußboden wurde im 19. Jahrhundert über dem Boden aus Fliesen verlegt. Reste sind davon unter dem Fenster zu sehen.

Die gotische Stiftskirche Colegiata, das klassizistische Rathaus aus 1778 und die Plaza Mayor: Herausragende Sehenswürdigkeiten machen Gandía zu einem Erlebnis

Zentrum der Altstadt ist die Plaza Mayor mit ihren Straßencafés. Dort bilden das klassizistische Rathaus aus dem Jahr 1778 mit den Tugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung sowie die gotische Stiftskirche (Colegiata) ein Ensemble.

Die Bauarbeiten der Kirche zogen sich über mehrere Jahrhunderte hinweg. Im 14. Jahrhundert wurde sie von Alfonso dem Älteren auf den Grundmauern einer Moschee errichtet. Später ließ sie die Herzogin María Enriquez erweitern, und Papst Alexander VI. weihte sie 1499 zur Stiftskirche. Das Gotteshaus steht als eines der besten Beispiele für den Gotikstil im Land Valencia. Von der ehemals prächtigen Innenausstattung ist kaum etwas erhalten. Sie wurde im Spanischen Bürgerkrieg bei einem Feuer zerstört.

Die Kirche Colegiata befindet sich in der Nähe des Rathauses.

Eine Vielzahl von Geschäften reiht sich in der Calle Major in Gandías Altstadt aneinander

Doch Gandía hat mehr als jahrhundertealte Gemäuer zu bieten. Vor allem in den Sommermonaten lohnt sich ein Bummel durch die Altstadt. Die Fußgängerzone Carrer Major etwa bietet eine Vielzahl an Schmuckgeschäften, Parfümerien, Boutiquen und Schuhläden, während Cafeterías und Restaurants zu einem Päuschen einladen.

Mehr als 500 Geschäfte sind nach Auskunft des Tourismusbüros allein in der Innenstadt ansässig. Alles unter einem Dach vereint das Einkaufszentrum in der Avenida República Argentina mit seinen 300 Läden und Lokalen im Osten der Stadt oder das La Vital ganz in der Nähe vom Carrefour.

Gandía ist aber auch eine der ersten Adressen für Sonnenanbeter, Strandbummler und Genießer aus allen Landesteilen Spaniens. Neben der eingangs erwähnten Playa Norte (drei Kilometer lang), auf deren Promenade das Motto „Sehen und gesehen werden“ zu gelten scheint, erfreuen sich die Playa Rafalcaid (880 Meter), die Playa Venecia (330 Meter) sowie der Dünenstrand l’Ahuir mit seiner Zone für Nacktbader großer Beliebtheit.

Ein ausgiebiger Stadtbummel macht hungrig. Deshalb am Ende noch ein kulinarischer Hinweis. Gandía ist bekannt für seine Fideuà. Dieses feine Nudelgericht, das in einem Sud aus Schalentieren und verschiedenen Fischsorten zubereitet wird, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

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